Lapo, Arnolfo di, Baumeister und Bildhauer , wurde 1232 gebo- ren, und nach Vasari’s Behauptung wäre Jakob der Deutsche (Ja- copo tedesco) sein Vater gewesen. Dass Lapo nicht der Sohn des Jacopo Tedesco ist, wissen wir jetzt längst durch ältere Mitthei- lungen aus einem gegenwärtig unzugänglichen Archive, eben so, dass er nicht seinen Mitgesellen Lapo in der Werkstätte des Ni- colo Pisano zum Vater hatte. Er heisst nirgends Arnolfus Lapi, weder in den Urkunden, noch in der Aufschrift am Altare der rö- mischen Paulskirche. Arnolfo’s Vater hiess Cambio und war aus Colle, wie bei Baldinucci und Cicognara (III. 240), ferner in Mig- liore’s Firenze illust. 0. röm. Ausg., und in Rumohr’s italienischen Forschungen 2. 155 zu ersehen. Vasari sagt ferner (deutsche Aus-
be von Schorn I. 72), dass Arnolfo von seinem Vater alles ge- lernt habe, was dieser wusste, und dass er bei Cimabue der Zei- chenkunst sich beflissen, um sich ihrer für die Bildnerei zu be- dienen, und dass er sich den Ruf des besten Baumeisters in Tos- cana erworben. Und nun seine Thätigkeit als solcher.
Die Florentiner gründeten im Jahre 1284 nach seiner Angabe den letzten Ring ihrer Stadtmauern, und errichteten nach seinem Plan die Halle und die Pfeiler von Or’ S. Michele (horreum S. Mi- chaelis). Im Jahre 1285 baute er die Loggia u. Piazza de’ Priori, und hierauf (1290–1291, nach Andern 1202) die Kirche S. Croce, die Vasari unter Cosmus I. restaurirte und verschönerte. Doch Arnol- fo’s Hauptwerk ist der Florenzer Dom, den er auf den Trümmern
der Kirche von St. Reparata erbaute. Er verfertigte den Riss und das Modell zu dieser Kirche, wozu am Tage der Geburt U. L. Frau 1298 der Grundstein gelegt wurde, wölbte noch die drei kur- zen Arme das langen Kreuzes unter der achteckigen Kuppel, be- kleidete sie mit Marmor und führte die gewaltigen Widerlagen der acht Seiten aus, alles gründlich und fest. Eine lateinische Inschrift aussen, ddm Thurme gegenüber (S. dieselbe bei Vasari), preist ihn nach Verdienst. Einige Feigenblätter am Gesimse der Seiten- thüren sollen nach Vasari sein und seines Vaters Wappen seyn. Viele rühmen besonders, dass er das Acussere mit dem farbigsten Marmor bekleidet, das Innere aber mit hartem Stein, von wel- chem auch die kleinsten Ecken gemacht wurden, ausgeführt habe. Nach Arnolfo’s Tod leitete Giotto den Bau und nach ihm andere Maler bis auf Bruneleschi. S. von der Hagen’s Briefe in die Hei- math II. 100-
In demselben Jahre, als die Gemeine von Florenz die letzte Ring- mauer ihrer Stadt mit den Thürmen der Thore der Vollendung ziemlich nahe gebracht hatte, begann Arnolfo den Pallast der Sig- noria, der bei Richa (Chiese fiorent. I, part. 2. pag. 24) abgebil- det ist.
Arnolfo verfertigte auch das Grabmal des 1280 verstorbenen Car- dinals de Brayo in der Dominicanerkirche zu Orvieto und das Ta- bernakel über dem Altare und Grabe der beiden Apostel in der ab-
ebrannten Paulskirche zu Rom, welches dem Aflarhäuschen von
. Maria in Cosmedin (Abb. bei Ciambini I. 182) sehr ähnlich ist, nur reicher, Arnolfo errichtete es mit seinem Ccehülfen Petrus, Jaut der lateinischen Inschrift, im Jahre 1285 für den Abt Bartho- lomäus. Dieses alte Werk hat sich bei dem Brande zum Theil noch erhalten. Vasari legt ihm auch das Grabmal des Pabstes Bo- nifaz VIII bei, in der von ihm auf Befehl dieses Pabstes erbauten Capelle in Rom. Das grosse Monument, worauf der Pabst ausge- streckt liegt, gleicht dem ziemlich gleichzeitigen Grabmale Innocenz IV. in Neapel. Über dem Sarge ist eine Prachtdecke ausgebreitet, die in Anordnung und im Faltenwurfe einem auch sonst ähnlichen Grabmale in der Kirche Maria maggiore des Giovanni Cosmate (1208) nachgebildet ist, wesswegen von der Hagen (II 335) ver- muthet, dass beide von diesem Künstler _ herrühren. Vasari sagt zwar, das Werk trage den Namen des Meisters, allein die pge- lehrten Herausgeber der neuesten Beschreibung Roms konnten cfic- sen Namen nicht entdecken.
Ein Werk Arnolfo’s ist auch das Grabmal Honorius III. in S. Maria maggiore zu Rom, das jedoch nicht zur Vollendung kam. Die letzte Marmorarbeit dieses Meisters ist die Marmorkapelle, worin die Krippe sich befindet, in eben dieser Kirche, die Vasari im Leben Arnolfo’s (I. S. 68) dem Marchione zuschreibt, am Ende der Lebensbeschreibung aber sich berichtet. Endlich ist noch das Basrelief der Auferstehung zu erwähnen, am Dom von Orvieto. Vasari gedenkt desselben mit Lob im Leben des Niccola Pisano.
Arnolfo di Lapo starb im Jahre 1300, sechzig Jahre alt, wie Vasari angibt, was jedoch unrichtig ist, wenn Lapo 1232 geboren wurde, wie jener Schriftsteller behauptet.
Das Bildniss Arnolfo's, von Giotto gemalt, findet sich in der Kirche St. Croce in dem Gemälde, worin die Ordensbrüder den Tod des hl. Franciscus beweinen: in einer der Gestalten, welche im Vordergrunde miteinander sprechen.
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