Lanfranco, Giovanni, berühmter Maler von Parma , wo er, als der Sprössling einer edlen Familie, eine gute Erziehung genoss, Der Graf Scotti in Piacenza nahm ihn als Pagen an, und da zeich- nete er einmal mit Kohle Figuren auf die Wand, was für seine Standeswahl entschied, indem der Graf den talentvollen Knaben dem Agostino Carracci zur weiteren, artistischen Ausbildung über- gab. Dieser Meister brachte ihm gründliche Kenntnisse bei, und als Vorbild schwebte ihm damals besonders Correggio vor, den er mit Begeisterung studierte. Nach dem Tode Agostino’s nahm sich Ludovico seiner an, und zuletzt fand er Gelegenheit, bei Anni- bale in Rom seine Bildung zu vollenden. Unter Leitung dieses Meisters vollbrachte er im Palaste des Cardinals Odoardo Farnese seine ersten öffentlichen Arbeiten, und auf diese folgten mehrere andere, in denen sich noch die Gründlichkeit der Carraccischen Schule offenbarte, während er in späterer Zeit mit weniger Strenge verfuhr. Für die farnesischen Herzoge und für andere Herren malte er anfangs sehr viele Cabinetsbilder, und besonderen Beifall erwarb ihm seine Darstellung des Polyphem im Hause Borghese, und die Götterversammlung in der Villa dieses Hauses; die Geburt des Heilandes im Palaste des Marchese Sannesi, wo er nach Cor- reggio’s Weise das Licht vom Gesichte des Kindes ausgehen liess, so wie die Bilder aus der heiligen Geschichte in S. Callisto zu Rom. Ein Bild von ausgezeichnetem Verdienste erkennt Lanzi in der Tafel mit großartigem Bauwerke, welche den heil. Andrea Avellino in Rom vorstellt. Gleichen Rang weiset Lanzi auch dessen todtem Christus, mit der, wenn auch nach menschlicher Weise, gehaltenen Gestalt des ewigen Vaters, an, und unter die vollendet- sten und berühmtesten Werke Lanfranco’s zählt man ferner den Tod der heil. Jungfrau in Macerata, St. Rochus und Conrad in Piacenza. Weithin erscholl sein Ruhm von den großen Kuppel- malereien, die er auszuführen Gelegenheit fand. Durch den Car- diozio Montalto, dessen von Lanfranco gemaltes Bildnis so oft copirt wurde, erhielt er den Auftrag, die Kuppel in S. Andrea della Valle zu Rom auszuschmücken, und Dominichino, der sich zurückgesetzt sah, gelobte ihm dafür ewigen Hass. Doch Lan- franco vollendete das Werk, und man erkannte diesem nach jenem des Correggio in Parma den Preis zu. Allein einige gehen in Lob- eserhebung wohl zu weit; so nennt Fiorillo diese Malerei ein bis zur bewunderungswürdigsten Vollkommenheit erhabenes Kunstwerk und das höchste Muster in Vorstellung himmlischer Glorie, wäh- rend Andere, wie die Verfasser der neuesten Beschreibung Rom’s 1547, hier nur in der Behandlung der Malerei in Fresco das vorzüglichste Lob erkennen. Passeri preist ihn in Betrachtung die- ses Werkes als den ersten, der den Aufgang einer Himmelsglorie durch den lebendigen Ausdruck eines unermesslichen Glanzmeeres darstellte, ohne früher ein Vorbild davon gesehen zu haben. Auch Lanzi erklärt diese Kuppel als einziges Muster von Glorie, und er meint, sich auf das Urteil unbefangener Kenner stützend, Lan-
franco habe in dem, was die Himmelsidee betrifft, das Höchste erreicht sowohl im Einklange des Ganzen, als in Vertheilung der Farben den Theilen, in der Kraft des Helldunkels u.s.w. Die Urtheile Lanfranco sind überhaupt verschieden; die Älteren preisen ihn endlich, Neuere betrachten die Sache mit größerer Ruhe, und verschwindet die Begeisterung, welche bei oberflächlicher Betrachtung seiner Werke entstehen könnte. In Lanfranco’s Werken sagt von Quandt in einer Note zu Lanzi’s Geschichte III 120, dass sich schon wieder der Rückschritt der Kunst zu einem bloß werksmäßigen Streben, durch Geschicklichkeit und leichte Wirkung und Aufsehen zu machen. Daher die schroffen Gegensätze von Hell und Dunkel, die Gruppirungen nach Schule, aber nicht, wie die darzustellende Handlung solche erfordert,
Verkürzungen ohne Noth, bloß um ein Zeichnungskunststück machen, die nichtssagenden Gesichter bei aller Spannung der Züge u. s. w. Selbst das Studium der Natur zeigt sich in Lanfranco’s Bildern vernachlässigt, und Carracci’s Grundlichkeit und Strenge fing an zu verschwinden. Auch in der erwähnten Beschreibung Roms von Gerhard, Bunsen u. a. ist Lanfranco strenger urtheilt, als dieses früher geschehen. Die gelehrten Verfasser kennen in seinen Werken den Übergang von der Carracci-Schule zu der Manier des Pietro da Cortona, indem Lanfranco in Darstellung der Form mehr den Schein als den richtigen Stand derselben suchte, und vornehmlich nach Effekt des Ganzen durch erkünstelten Contrast in Stellungen, Gruppen und Beleuchtung strebte. In der Oclmalerei zeigt dieser Künstler, wie Carraccio, die dunkle Manier des Carravaggio. Sein meistes Verdienst sichern ihm seine auf nassem Mörtel gemalten Kuppeln. Die
Urteile über Lanfranco’s Verdienste sind also verschieden, wie gesagt, in früheren Schriften ist er meistens sehr gerühmt. Mengs erkannte schon, dass Lanfranco mehr den bloßen Schein als die feineren Grundsätze Correggio’s, seines Vorbildes, in Vertheilung der Massen und der Bewegungen, erreicht habe. Doch noch glaubte Mengs, dass er dem geschmackvollen Style der neueren Schule zur Richtschnur gedient habe, was Lanzi bestätigt. Meist betrachtet ihn auch der Lexikograph Füssly in seinem rührenden Verzeichnisse, und der Lexikograph Füssly meint, dass sein Namensvetter hätte die Sache am Besten getroffen. Das gewöhnliche Urtheil, welches man in verschiedenen Handbüchern 18
eht ungefähr dahin aus: Lanfranco hat eine fruchtbare und reiche Einbildungskraft; er erfand mit mehr Leichtigkeit, als Scharfsinn, er zeichnete im grossen Style, doch nicht immer korrekt; Köpfe haben immer etwas Grossartiges, doch wenig Grazie; die Draperie ist mit Geschmack behandelt, edel und breit im Wurf; das Helldunkel ist von ungemeiner Wirkung; Licht- und Schattentonsmassen wohl vertheilt; die Farbe verschmolzen, wenn auch nicht heiter, in der Carnation nur öfter schwarz; gegen rühmt man wieder die Meisterschaft in Verkürzung, Gegensätze der Figuren und Theile, die Gewandtheit des Handels, die Kühnheit, mit welcher er zu Werke ging u. s. w. Wale und Levesque behandeln ihn aber mit Bitterkeit, wenn sie
Il etait grand, hardi, mais strapassé, ihm auf der einen Seite Urteil
Mit Freiheit und Kraft zugestehend, auf der andern ihn als Großmaler, als Schmierer erklärend. Jedenfalls ist Lanfranco ein Mann von großem Talente, das er leider nur nicht zum Frommen ächter Kunst angewendet hat. Die Werke seiner früheren Zeit sind indessen jenen der späteren vorzuziehen. Er arbeitete meistens sehr schnell, nur auf den Erwerb. Seine Preise waren demnach ungeheuer, seine Verschwendung aber noch größer. Das Glück und die Mode hatten ihn zum großen Herrn gemacht, nach dessen Gunst alle Künstler streben mussten, wenn sie bei Zeiten etwas gelten wollten. Was Cavaliere Lanfranco mit Beifall belohnte, ward allenthalben gepriesen.
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