Lanfranco genoss in Rom ein glänzendes Dasein, und von da drangen seine Bilder in verschiedene Cabinette über. Das Hauptstück in Rom bleibt aber die Himmelfahrt Mariä mit der Glorie in der Kuppel in S. Andrea della Valle. Da musste er alle Kräfte zusammennehmen, um gegen seinen Nebenbuhler Dominichino nicht im Nachteil zu erscheinen. Diese Kuppel stellt einen unermesslichen Raum des Himmels dar, und endigt sich mit einer Glorie, deren Licht sich von der Hauptfigur des ewigen Vaters ergießt. Man zählt da 50 Palmen hohe Figuren, die von unten hinauf in natürlicher Größe erscheinen. Die Farben sind mit Schwämmen aufgebracht; ein Auge erscheint in der Nähe wie ein großer Fleck, und doch zeigt es sich unten in seiner wahren Gestalt. Lanfranco pflegte desswegen zu sagen, die Luft male für ihn. Einige dieser Malereien trotzen noch der Vergänglichkeit, als diese Kupfertafel auf dem Altare della Navicella in der St. Petrus, wie er mit dem Erlöser auf dem stürmischen Meer wandelt.
Die Väter der Gesellschaft Jesu hatten ihn durch ihre Freigebigkeit veranlasst, Rom zu verlassen und seinen Aufenthalt in Neapel zu nehmen, wo sie ihm die Ausmalung ihrer Kirche übertrugen.
Alle neapolitanischen Künstler versammelten sich nun unter der Kuppel, wo Lanfranco auf einem hohen Gerüste seine Vision des Paradieses schuf, welche den Ruhm seiner Kuppel von St. Andrea in Rom überstrahlen sollte. Alle waren eifrig bemüht, die Aufmerksamkeit dieses Künstlers auf sich zu ziehen, entweder durch persönliche Verdienste, oder dadurch, dass sie die Talente seines Wettbewerbers Dominichino’s verschrieben. Die niedrigsten, als auch die höchsten neapolitanischen Maler suchten seinen Stil für ihre Werke zu gewinnen, oder bemühten sich, von ihm ein Belobungsdekret für ihre besondere Manier zu erhalten.
Es gab unter ihnen einen, den Armut und Stolz von dem Kreise, der das Malergerüst Lanfranco’s umgab, entfernt hielt: Salvator Rosa, der, obgleich schon durch seine keckten Skizzen bekannt, nur bei dem unbedeutenden Namen il Salvatorello genannt wurde.
Die verhängnisvolle Kapelle kostete mehreren Malern Ehre und Ansehen. Annibale Carracci, Arpino und Guido Reni mussten fliehen; des Jetztern Schüler, Gessi (?), wurde mit seinen Genossen auf seine Galeere gelockt und entführt, und Dominichino floh, kam darauf vor Ärger oder an Gift. Die Austifter der Kabalen, Belisario und Spagnoletto, mussten aber diese Malereien dennoch dem Lanfranco aus Parma überlassen; denn jener fiel sich vom Gerüste zu Tode, und dieser, dem seine Tochter zur Seite stand, verschwand über’s Meer. In Neapel schmückte er auch die Tribune im Tesoro di S. Gennaro, und dazu kamen noch viele andere Tribunen und Kapellen in Rom und Neapel. Es erwarb ihm dafür der höchste Ruhm. Paul V. und Urban VIII. überhäuften ihn mit Ehren und Gütern. Letzterer ertheilte ihm den Ehrentitel „Principe di Roma“.
ihm auch den Christusorden. Sein letztes Werk war die Kapelle von St. Carlo Catenari in Rom. Der Tod ereilte ihn zu Rom im Jahr 1666, und bei St. Maria in Travestere ruhen seine Reste.
Nach diesem Meister wurde eine bedeutende Anzahl von Blättern gestochen, und wir verzeichnen einige derselben, weil sie gleich auch das Verzeichnis der Gemälde dieses Künstlers ergänzen. Als Anhang folgen die eigenhändig radierten Blätter des Künstlers.
Die Himmelfahrt Mariä in der Kuppel in S. Andrea della Valle, 8 Bl. von C. Cesio, gr. fol. Schön in gutem Drucke.
Die vier Propheten der Kapelle Sacchetti in St. Johannes Florentiner zu Rom, von D. Cunego.
Die 12 Apostel, nach Fresken, von F. Louvemont; gestochen von D. Herz,
Die vier Evangelisten an den Angeln der Kuppel in der Jesuitenkirche zu Neapel, von J. L. Roullet; Signatur von Le Crenmont, Roullet’s Folioblätter sind schön in gutem Druck.
Die Geschichte St. Peter’s und Paul’s in der Loggia del Belvedere im Vatikan, 21 Blätter von S. Bartoli. Selten.
Die Kapelle Bongiavanni in St. Agostino zu Rom, die Himmelfahrt Mariä vorstellend, 9 Bl. gr. fol. von Cesio; lithographiert von Sandrart,
Das Leben St. Bruno’s, 20 Bl. von Th. Krüger.
Die Götterversammlung in der Villa Pinciana, 9 Bl. von D. Aquila, gr. fol.
Christus trägt das Kreuz, links vorn die ohnmächtige Maria, Hauptbild in der Sakristei der Johanniskirche der Florentiner in Rom, von J. Perini 1776, gr. fol.
Die Barke Petri, merkwürdige Composition in der Peterskirche, von G. Audran; dann von N. Dorigny, F. Faraon 1600; dieses ein Hauptblatt, gr. fol.
Die Verkündigung der Maria, von Bloemaert, gr. fol.
Der heil. Anton vom Teufel geplagt und von der Religion unterstützt, von J. Sandrart.
Maria in himmlischer Betrachtung, von Trouvin.
Magdalena von Engeln zum Himmel getragen, von C. C. Sauve und A. Loir, gr. fol.
St. Augustin, der das Geheimnis der heil. Dreieinigkeit gründen will, von C. Cesio.
Drei Allegorien zu Ferrari Hesperides etc., von F. Greuthe.
Dann sind in Gallerien mehrere Gemälde von diesem Künstler vorhanden, und diese sind teilweise in den verschiedenen Galleriewerken gebildet. Im Spanischen ist jenes, welches den Leichnam auf einem Scheiterhaufen vorstellt, von Mengs als eines der besten Bilder des Meisters erklärt. Mehrere seiner Bilder sind im Französischen Museum gestochen, doch sind heute nicht diese Bilder mehr in Paris. Das Museum bewahrt noch: Das Leiden der Wüste; St. Peter und Paul nehmen auf dem Wege zum Tode von einander Abschied, die Krönung der heil. Jungfrau, Maria blickt mit gefalteten Händen zum Himmel. Den reuigen Fischer, der Dresdner Gallerie hat J. Daulle gestochen, und le Villain eine ähnliche Darstellung für das Florentinische Galleriewerk. Von den drei Bildern der k. Pinakothek in München ist jenes mit VB am Oelberg lithographiert. In der k. Eremitage zu St. Petersburg sind eine Verkündigung und die Köpfe zweier Apostel, und eine der schönsten Bilder von Lanfranco ist nach Fiorillo Christus in den Garten in der Stiftskirche zum heil. Leodegar in Luzern.
- des Bildes gestochen ist, wissen wir nicht; die russischen Bilder sind aber in Labenski’s Galleriewerk: der Eremitage erwähnt. Auch in Berlin und Wien sind Bilder von diesem Künstler. Die Zahl seiner zerstreuten Gemälde ist bedeutend, und noch viel mehr als die obigen sind gestochen von J. Perini, Cunego, Ciamberlano, Patas, B. R. Massard, St. Picart, Villamena, Fragonard, St. Cop(g., C. Gaucher, F. Loreunzini, I. F. Pellegrini, M. Natalis, B. Oppi etc. P. A. Pazzi stach Lanfranco’s Bildnis aus der flo- rentischen Gallerie.
Lanfranco selbst hat einige Blätter geätzt, worin sich ein gro- ßes Talent beurkundet. Sie sind mit einer leichten Nadel schnell und fast nachlässig behandelt, und im Ganzen tragen sie die Feh- ler, die in den Gemälden des Künstlers sich offenbaren. Lanfranco zusammengestellt mit S. Badalocchio biblischen Darstellungen Raffaels in den vatikanischen Loggien, unter dem Titel:
„Historia del testamento vecchio (e nuovo) dipinta in Roma nel Vaticano da Raffaelle di Urbino, et in intagliata da S. Badaloc- chio et Giovanni Lanfranchi Parmigiani. Al Sig. Annib. Car- racci, im Ganzen 57 Blätter, und bei Bartsch P. gr. XVIII.
28 Blätter sind von Lanfranco, alle aber ähneln sich; sie sind vermischt, nicht die eines jeden Meisters geschieden. H. 4 Z. 10 L., Br. 6 Z. 5 L.
Die zweite Ausgabe: Mich. Colyn Amstelodami. Ao. 1614,
Der Inhalt von Lanfranco’s Blättern ist:
Die Erschaffung von Sonne und Mond.
Die Schöpfung der Thiere.
Gott stellt dem Adam die Eva vor.
Eva theilt dem Manne von der Frucht mit.
Die Vertreibung aus dem Paradiese.
Beide bei der Arbeit.
Der Bau der Arche.
Das Opfer Noah’s.
Abraham und die drei Engel.
Loth zieht aus Sodoma.
Gott befiehlt dem Isaak nach Ägypten zu gehen.
Der Segen Isaak’s.
Die Himmelsleiter.
Die Rückkunft des Jakob zu Isaak.
Joseph erzählt den Brüdern den Traum.
Joseph’s und Putiphars Frau.
Moses beim brennenden Busche.
Moses erhält auf Sinai die Gesetztafeln.
Gott spricht zu Moses.
Das goldene Kalb.
Die Einnahme von Jericho.
Josua befiehlt der Sonne Stillstand.
Die Salbung David’s.
Der Triumph David’s.
Das Urtheil Salomon’s.
Die Anbetung der Hirten.
Die Anbetung der Könige.
Die Taufe im Jordan.
Die heil. Maria von Ägypten mit einem Crucifixe {in der Rechten, zu den Füßen der Löwe, H. 6 Z. 2 L., Br. 4 Z.
Triumph eines römischen Kaisers, reiche und grosse Com-
Lang, Joseph.
Alabaster, einen Schuh hoch, und den Einzug der Kaiserin Maria Theresia’s und Franzens vorstellend. Mit diesem Werke, das sich jetzt im Ferdinandeum zu Innsbruck befindet, reiste Lang nach Wien, und dafür belohnte ihn die Kaiserin mit 50 Dukaten, und sodem, dass er von jezt an eine jährliche Unterstützung von 40 zur weiteren Ausbildung an der Graveur- und Bossierschule erhielt. Im Jahre 1781 und 1784 gewann er den ersten Preis, und zuletzt wurde ihm auch das Diplom eines Mitgliedes der Akademie zugestellt. Von dieser Zeit an lieferte er zahlreiche Werke: Basreliefs und Statuen in Erz und Stein, dann Bildwerke in Wachs bossirt, verschiedene Medaillen, das Majestäts-Sigill, Formen und Pressen der Schildkröten-Dosen. Seine Verdienste um das österreichische Fabrikwesen sind wesentlich; er war der erste, welcher Knopfstangen und Walzen zu Metallarbeiten gravirte, dann fertigte er alle Modelle zu den Oefen, welche im Gräflich Wittelsbachischen Gusswerke in Böhmen aus Eisen gegossen wurden. Zu seinen vorzüglichsten Wachsgebilden gehören: Das Bad der Diana, das Urtheil des Paris, der Ursprung des Schauspiels, figurenenthaltende Composition. Im Ferdinandeum befinden sich drei Wachsformen, die auch in Erz erhoben gravirt sind: Ulysses und Penelope, Orestes und Pylades, das goldene Zeitalter, eine seiner letzten trefflichsten Arbeiten. Dann finden sich von seinen Werken auch weiße Gypsabdrücke, und rothe Schwefelabdrücke.
Lang wurde nach dem Tode des berühmten Hagenauters rektor der Graveur- und Medaillenschule an der k. k. Akademie, und war auch akademischer Rath.
Vorsicht
Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.
Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.
Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_QFMTunOF6koC