Lairesse, Gerhard von

Lairesse, Gerhard von, Historienmaler , geb. zu Lüttich 1642,
gest. 1711. Den ersten Unterricht ertheilte ihm sein Vater Regnier,
wollte ihn aber nicht zu einem gewöhnlichen Maler bilden und
gab ihm daher eine zweckmässige Erziehung. Bertholet Fleman
war jetzt sein Meister in der Malerei, und nebenbei musste er
Geschichte studiren, so wie die Theorie der Dichtkunst. Auch
der Musik wurde er unterrichtet, und für diese Fächer blieb er
sein ganzes Leben so sehr eingenommen, dass er Malerei und Musik
für fürstliche Künste erklärte, als wesentliche Veredlungsmittel des
Charakters. Lairesse ist daher zu den gebildetsten Künstlern seiner
Zeit zu zählen, jedenfalls einer der ausgezeichnetsten, die damals lebten,
und man nahm keinen Anstand, ihn den niederländischen Rafael zu nennen.
In allen seinen Compositionen offenbart sich ein Mann von vielem Wissen,
der nach seiner Weise dichterisch zu Werke ging. Seine Bilder sind sowohl
in historischer, als in malerischer Hinsicht verständig, und in der Zeichnung
ist er edler, als viele seiner Landsleute, obgleich auch bei ihm niederländische
Manier bemerkbar ist. Er sah Italien nicht, wurde durch das Studium der
Antike nicht auf eine edlere Form hingewiesen. Seine Figuren entbehren
der Grazie , der leichten Bewegung, wenn auch nicht des bezeichnenden
Ausdruckes. Wenn er im Grunde Architektur anbrachte, war er nicht im
Stande dieser Grossartigkeit zu verleihen. Seine Muster waren Poussin und
P. Testa; er erreichte aber ersteren nicht, so dass Watelet ihn den durch
schlechte Studien verbildeten Poussin nennen zu dürfen glaubt. Immerhin
hat Lairesse auch seine Verdienste, wie man sie in den Werken der
italienisch-französischen Schule findet. Er und Boucher liessen die

Zeitgenossen die Allegorie und Idylle bewundern, und in diesem Gebiete verfuhren sie mit großer technischer Fertigkeit. Die An- zahl seiner Gemälde ist bedeutend; einige sind von großem Um- fange, andere zur Zierde der Zimmer gemalt. Auch verschiedene Deckenstücke führte er aus. Sehr gerne malte er nach Art der Basreliefs. Seine Werke sind in Galerien zerstreut, und ehedem wurden sie zu hohen Preisen erworben. Die Churfürsten von Köln und Brandenburg beschäftigten ihn viel. Nach Berlin kam er durch Johann Gregor %Iemhard, der damals im Rufe eines geschmack- vollen Architekten stand. Er war Lairesssens Freund, und daher empfahl er ihn dem Churfürsten, und zwar zu einer Zeit, als Lairesse noch nicht 20 Jahre zählte. Im k. Museum zu Berlin sind schöne Gemälde von ihm. Die meiste Zeit seines Lebens verlebte Lai- resse zu Utrecht und dann in Amsterdam, wo er starb.

Er führte nicht den erbaulichsten Wandel; er war schwelgerisch und in der Liebe ausschweifend. Trotz seiner hässlichen Larve sahen ihn die Weiber gern, und es scheint fast, dass ihm irgend eine Dirne den Verlust der Nase verursacht hat, wenn nicht jene Wirthshausscene mit Emanuel de Witte bloß ein böswilliger Aus- fall war. S. Fiorillo Gesch. der zeichnenden Künste in Deutschland II S. 218. Sei dem wie ihm wolle, Lairesse erhielt zuletzt doch noch eine Frau, weil ihm das Leben mit Kebsweibern nicht mehr gerathen schien. Ein böser Mensch war er nicht, und was ihm die Natur vorenthielt, das ersetzte sein feiner Geist. Er war beständig froh und heiter, ein Mann von Energie.

Lairesse hat auch über Malerei geschrieben, und in der späte- ren Zeit seines Lebens hatte er das Unglück, zu erblinden. Sein Werk soll ihm damals im Alter zur Unterstützung gedient haben, wie d’Argensville, der den Künstler kannte, behauptet. Descott und Andere wollen die Sache besser wissen. Nach ihrer Angabe erblindete der Künstler 1600, und in diesem Zustande soll er wö- chentlich eine Malergesellschaft gehabt haben, in welcher er seine Ideen diktierte, die dann von seinem Sohne gesammelt und mit ei- ner Menge Kupferstiche begleitet, nach seinem Tode in zwei Bän- den erschienen wären. Dieses ist unrichtig, und d’Argensville, wenn er sagt, dass das Werk im Alter des Künstlers erschienen, hat das Rechte getroffen, denn die erste Ausgabe erschien 1707 zu Am- sterdam, unter dem Titel: Het groot schilderboek door G. de Lai- resse. 2 Deelen. Met printverbeeldingen, in 4. Die zweite Ori- ginaleAusgabe ist von 1712. Sein Zeichenbuch wurde in die deutsche, französische und englische Sprache übersetzt, und seine Werke und Schriften übten durch die Einführung in allen öffentlichen Kunstschulen einen großen Einfluss auf die Kunstweise. In Com- position, Zeichnung und Ausführung wurde lediglich nach gewis- sen Regeln verfahren, und in den nach diesen Principien ange- fertigten Bildern verschwand nun allmählich alles eigenthümliche Gefühl, so dass sie den Beschauer, ohnemachtig großer technischer Verdienste, und einer gewissen Glätte und Eleganz in der ganzen Erscheinung, innerlich kalt lassen.

Lairesse hat auch mehrere Blätter radirt, die teilweise sehr schätzbar sind. Wie in seinen Gemälden, so findet man auch hier Stoff zu Lob und Tadel, und Füssly geht zu weit, wenn er das Werk dieses Meisters den jungen, studirenden Künstlern als et- was außerordentlich Lehrreiches empfiehlt. Die meisten seiner Blätter sind in großem Formate, und besonders die von 1 — 6 reich in der Composition.

  1. Joseph von seinen Brüdern erkannt. H. 15 Z. 2 L., Br.

3 Z. 5 L. 16*

Lairesse, Gerhard vom. 2) Die Salbung Salomo’s, 1668. H. 15 Z., 0 L., Br. 19 Z. 3) Hektor und Andromache, H. 11 Z. & L., Br. 15 Z. 6 L.

  1. Antonius und Cleopatra an der Tafel. H. 13 Z. % L., Br. 17 Z. 6 L.

  2. Die Opferung der Iphigenia. H. 11 Z. 6 L., Br. 14 Z. 6 L.

  3. Der ungläubige Thomas. H. 12 Z. 11 L., Br. 8 Z. 5 L.

  4. Der Zug der Amazonen zu Pferde, Selten.

  5. Das grosse Bacchanal, mit Silen und Bacchus sitzend.

  6. Drei Allegorien auf den Ruhm des Prinzen Wilhelm von Oranien.

  7. Die Geschichte der ersten Menschen, 6 Blätter in qu. 4.

  8. Abraham an der Tafel mit der Sara.

  9. Die Heimsuchung der hl. Jungfrau.

  10. Die heil. Theresia in Extase.

  11. Die Träume, welche einen Schlafenden ängstigen.

  12. Die vier Jahreszeiten, qu. 4.

  13. Jupiter und Calisto.

  14. Sechs kleine Vorstellungen aus der Fabel der Jo.

  15. Diana betrachtet in Wolken den schlafenden Endymion.

  16. Die Ruhe der Diana mit ihren Nymphen.

  17. Venus, von Amoretten umgeben, beweint den Adonis.

  18. Venus zeigt dem Aeneas die Waffen.

  19. Creusa und Ascanius bemühen sich, den Aeneas zurückzu- halten.

  20. Ulysses bei Calypso.

  21. Der schlafende Silen, wie ihm Nymphen Traubensaft auf den Kopf träufeln.

  22. Bacchus presst Trauben in einen Napf.

  23. Die Orgien des Bacchus.

  24. Der Tanz der Nymphen.

  25. Die Nymphen vor dem an den Baum gebundenen Satyr.

  26. Sechs Darstellungen aus der Geschichte des Aeneas und der ido, qu. 8.

  27. Das Opfer der Polyxena.

  28. Semiramis auf der Löwenjagd.

  29. Der Erwachte Jesus, seinen Eltern den Willen Gottes er- klärend.

  30. Hektor entreißt sich den Armen der Andromache, um in den Kampf zu gehen.

  31. Ein römischer Feldherr, der die Gefangenen mit Güte be- handelt.

  32. Jupiter raubt Europa.

  33. Venus und Cupido auf dem Meer.

  34. Venus füllt dem Amor den Köcher mit Pfeilen.

  35. Venus mit dem Apfel schwebt mit Cupido in der Luft.

  36. Venus und Aeneas.

  37. Aeneas und die Sibylle.

  38. Merkur befiehlt der Calypso, den Ulysses ziehen zu lassen.

  39. Perseus befreit die Andromeda.

  40. Das Opfer eines jungen Mannes an eine Göttin zur Sühne eines Verbrechens: Übi necessitas spiranda benignitas.

  41. Ein Krieger, der durch einen andern fällt, 1662.

  42. Ein römischer Feldherr, wie er die Gefangenen enthauptet.

  43. Venus in der Werkstatt des Vulkan.

  44. Die Königin von Saba besucht Salomon, kl. Blatt.

  45. Cybele sucht ihre Tochter.

  46. Venus auf dem Wagen, von Tauben gezogen,

  47. Der Triumph der Amphitrite..

  48. Kinder, welche Musik machen, kl. Blatt.

  49. Ein Mädchen hindert den Satyr, sich einer schlafenden Frau zu nähern, kl. Blatt.

  50. Apollo begeistert eine Muse; im Grunde Cyclopen.

  51. Bacchus und Ariadne. I

  52. Eine Bacchantin mit dem Tamburin, .“

  53. Cäsar weiset den Mann mit dem Kopfe des Pompejus zurück.

  54. Die heil. Familie, nach C. Bertholet. Selten.

  55. Fünf Blätter verschiedene Kinderspiele, ohne Namen des Stechers. i S N

  56. Sieben kleine mythologische Darstellungen.

  57. Das Weib sitzend, in denkender Stellung, qn 4.

  58. Ein Mann, der einen Felsen zu durchbohren sucht, schr kieines Blatt. _ . i i

  59. Der Spion, kl. 4.

  60. Venus und Amor, kleines Oval,

  61. Ein Scharmützel, kleines Blatt in die Länge.,

  62. Ein tanzender Harlequin, ein Satyr und ein Bär, 4.

  63. Ein Weib opfert auf einem Altare,

  64. Die Malerei und Sculptur.

  65. Die Malerei in einer Glorie';, zur Seite Minerva, der Neid und die Unwissenheit fliehen, gr. 4 ‚

  66. Die Frömmigkeit und die Weisheit, letztere unter der Ge- stalt der Minerva, wie sie eine Büste malt,

  67. Die Musik: Musica. ’ :

  68. Das Schweigen: Eximia est virtus — tacenda loqui.

  69. Virtus est, vitium fugere,

  70. Nox etc. Amor etc.

  71. Sperne voluptates.

  72. Foecundi calice ete.

  73. Choreae honestae licitae at turpes abominandae.

  74. Quod caret alterna requie durabile non est.

  75. Übi dissensio est, ubi invidia est; ibi Chorus non est.

  76. Wilhelmo Henrico principi austriaco ob fugatos hostes et rempublicam restitutam, grosse Allegorie,

  77. Eine andere Allegorie auf derselben. ,

  78. Ein Krieger auf Wolken mit Schild und Flammenschwert vertreibt die bösen Genien

  79. Das Österreichische Wappen vom kaiserlichen Adler gehal- ten: Apographum emblematis in pacificationem Caroli V. et Francisci Galliae Regis 1544. |

  80. Das Wappen in Wolken von zwei Genien gehalten.

  81. Bildnis Wilhelm II. von Oranien, Königs von England, in einer Einfassung, vom Ruhme getragen; fol.

  82. Ein anderes Bildnis des Königs, ä

  83. Die Blätter in G. Bidloo anatomia humani corporis. Centum et quinque tabulis per artificios. G. de Lairesse ad vivum delineatis etc. Amstelod. 1685. fol,

  84. Eine Sammlung von antiken Statuen aus dem Cabinet Reynst, 110 Blätter, die man unter Lairesse’s Arbeiten zählt.

Es gibt überdies noch mehrere andere Blätter von diesem Meister: Allegorien; Büchertitel und andere Darstellungen. Nicolaus Visscher hat diese Werke herausgegeben, unter dem Titel: Gerh. dg Lairesse Leodiensis Pictoris Opus Elegantissimum Amstelodami ipsa manu tam aere incisum, quam inventum ‚, et per N. Visscher c. privilegio Ord. Gen. Belg. fecundatac editum.

Dann haben auch fremde Künstler nach Lairesse Blätter gestochen. Darunter bildet der triumphirende Einzug Alexanders in Babylon eine Folge von 12 Blättern, Lairesse malte diese Darstellungen an den Lambris im churfürstlichen Schlosse zu Mannheim en camayeu, und die Platten stachen D. Rosetti, P. A. Pazzi, C. Faucci, F. Polanzant und G. D. Campiglia, in qu. imp. fol. Dieses Werk ist selten, weil der Churfürst die Platten vergolden liess. Es kam nicht in den Handel, sondern wurde nur verschenkt.

Dann stachen nach ihm: Blooteling, Munichhuysen, Folkema, J. Glauber, dem er öfter die Figuren in seine Landschaften malte; P. Schenk, L. Zucchi, die beiden Bause, Duflos, Gregori, J. H. Mortimer, Gole, W. Vaillant, G. Valck, v. d. Berge, N. Verkolje, B. Picart u. a.

J. C. Philips stach das Bildnis des Künstlers, nach dessen eigenem Gemälde, Peter Schenk stach ihn mit Pinsel und Pallette als Kniestück, und 1707 stach er seine Büste in ovaler Einfassung. Van Gunst gab dessen Bildnis in einer Einfassung von Genien getragen; Vivitur ingenio etc. Dieses Blatt ist in grossem Formate, und schätzbar, so wie jenes von Schenck.

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