Kuntz, Carl, berühmter Tiermaler und Kupferstecher, geb. 1770 in Mannheim, gest. zu Karlsruhe 1830. Sein Meister im landschaftlichen Fache war Rieger in Mannheim , und Quaglio ertheilte ihm Unterricht in der Architektur und Perspektive. Nebenbei dienten ihm auch die Schätze der Mannheimer Galerie zum Studium, und auch der Umgang mit geschickten Künstlern trug nicht wenig zu seiner frühen Entwicklung bei. Im Jahre 1790 bereiste er die Schweiz , wo ihn die großartige Natur einige Jahre fesselte; dann besuchte er die Lombardei , und auch hier machte er reiche Studien. Endlich ging er ins Vaterland zurück und von da aus wurde er den Kunstfreunden zuerst durch Aquatinta-Blätter rühmlich bekannt, besonders durch die Landschaft nach van der Velde und durch Potter’s pissende Kuh. Kunz machte die Zeichnungen in Cassel nach den Originalen, die bekanntlich später nach Russland wanderten.
Nach dem Anfalle der Pfalz an Baden kam Kuntz, durch Weibrenner’s Vermittlung, nach Karlsruhe, mit dem Titel und der Anerkennung eines Hofmalers, und später wurde er Galleriedirektor. Hier verfertigte er den größten und besten Teil jener trefflichen Werke, die ihm eine bleibende Stelle unter den vorzüglichsten Landschafts- und Tiermalern sichern. Allenthalben ist in seinen Werken ein gründliches Studium nach der Natur sichtbar; außerdem war Potter das Vorbild, welchem er nachstrebte. Er machte sich das Individuelle dieses Meisters so zu eigen, dass er in Kopierungen desselben seine eigenen Werke schuf.
selben selbst das geübte Kernerauge zu täuschen vermochte. Aber nicht nur in der Nachahmung anderer großer Meister zeichnete sich Kuntz aus, er ist auch Selbstschöpfer genialer Werke, im Tier- und Landschaftsfache. Er eifert auch hierin glücklich mit Potter, dem er nur manchmal an Lebendigkeit und Wahrheit der Farben nachsteht. Seine Stiere, Kühe etc. pflegte er in Ton zu modelliren, und darin liegt es wohl, dass seine Umrisse bisweilen etwas hart erscheinen. Weniger gelangen ihm Schafe und Ziegen. Seine Landschaften sind Veduten, die er mit Sinn und Geschmack zu wählen und zu behandeln verstand. Überall liebte er in seinen Bildern die volle Klarheit des Tages; sein Colorit ist immer brillant, nähert sich aber doch zu sehr der Schmelzmalerei. Doch sind von diesem Fehler meist seine herrlichen Lüfte auszunehmen, Alles, bis ins geringste Detail, ist bei ihm mit Liebe und Fleiss ausgearbeitet, weshalben er auch nur langsam arbeitete, und im Ganzen keine sehr große Zahl von Bildern zu Tage förderte. Was ihm fehlte war die Gabe der Erfindung, und daher ähneln sich seine Dar- stellungen ziemlich. Seine Arbeiten, die gesucht und gut bezahlt wur- den, ziern die vorzüglichen deutschen Bildergallerien, besonders zeichnen sich die vier Tagszeiten in dem gräflich Hochbergischen Palais aus; vortrefflich sind seine Ansichten des Bodensees und die Bilder im Besitze des Hönigs von Bayern. Mehrere seiner Arbei- ten sind in Wien, Paris und Petersburg etc. Nur wenige sind in Karlsruhe. So wird der Künstler im Kunstblatte 1830 beurtheilt.
Auch die Aquatinta-Blätter dieses Künstlers sind trefflich, sorg- fältig und geistreich behandelt. Oft verband er die Radierkunst mit der Tuschmanier, und zwar so, dass erstere vorherrschend ge- blieben. Die Staffage steht durchaus mit der Scenerie im Einklang, und Kuntz bewies auch hier seine große Geschicklichkeit in Dar- stellung der Tiere.
Die pissende Kuh, nach P. Potter’s, berühmten Bilde, ein Hauptwerk in Aquatinta, gr. fol. Gute Abdrücke sind schon selten. In der fürstlich Schwarzenbergischen Auktion wurde ein Exemplar mit 25 Thlr. 8 gr. bezahlt. Bei Weigel 10 Thlr.
Le repas champetre, eine Hirtenfamilie mit ruhendem Vieh, nach J. H. Roos, qu. imp. fol. Bei Weigel 5 Thlr.
Landschaft mit grasenden Ochsen, ruhender Kuh und Schafen, nach A. van de Velde, qu. fol. Bei Weigel 1 Thlr. 10 gr.
Le repos, Viehstück nach J. van der 'Does, qu. roy. fol. Bei Weigel 3 Thlr. 8 gr.
Ruhe nde Schafe am Hügel, auf der Anhöhe des Hintergrundes ebenfalls solche Tiere. C. Kuntz f. 1790, gr. qu. 8.
Agar renvoyée par Abraham, Landschaft nach C. Lorrain, qu. roy. fol. Ladung_x;eis 6 Thlr. 8 gr.
Agar dans le desert, Landschaft nach demselben, Gegenstück, im gleichen Preise.
Calypso, nach Becker, fol.
Salomon Gessner’s Denkmal, gr. fol.
Ansicht von Mannheim, gr. qu. fol. Preis 22 fl.
Ansicht von Baden-Baden, gr. fol. Preis 22 fl.
Ansicht von Heidelberg, gr. fol.
Ansicht des Schlosses von Heidelberg, gr. qu. fol. Jedes dieser Blätter kostete 22 fl.
Die Ruinen der Frauenkirche zu Mainz nach der Belagerung von 1703, nach Schneider’s Zeichnung, gr. qu. fol.
Die Cathedrale zu Mainz, im ruinösen Stande, nach der- selben Belagerung, nach Schneider, gr. qu. fol.
Sechs grosse Prospekte im Garten zu Schweigen, nach seinen eigenen Gemälden, gr. qu. fol. In Gouache gemalt kosteten sie bei Artaria 132 fl.
Sechs Ansichten aus Graubünden: St. Luciensteig, Mayenfeld, Schloss Retzuns, Splügen, Reichenau, Anders, gr. fol.
Das Schloss zu Wörlitz, fol.
Das gotische Haus zu Wörlitz, geätzt, fol.
Der Venustempel, fol.
Der Rheinfall bei Schaffhausen, gr. qu. fol.
Ansichten aus der Gegend von Baden und dem Murgthal, die Aquatinta mit der Nadel vereiniget.
Einige schweizerische Schlösser und Aussichten, für Pfenniger’s Verlag gefertigt.
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