Kügelgen, Carl Ferdinand von, Landschaftsmaler , der Zwilling des Bruders Gerhard’s, und mit diesem Künstler waren seine Lebensschicksale lange Zeit dieselben. Sie waren beide im Gymnasium zu Bonn, Carl aber sollte fortstudieren, was ihm so wohl zusagte, als dem Bruder, und nach seiner Äußerung wollte er lieber ein armer Maler sein, als Minister werden. Er erhielt Unterricht ertheilte ihm Schnülz in Frankfurt, dann kam er dem Bruder bei dem Maler Zick in Coblenz zusammen; großer Vortheil zog er aber aus dem Unterrichte des Malers Fesel, der sich der Jünglinge mit Liebe annahm. Dieses alles, und dass diese Zwillinge in Rom gewesen, haben wir im Artikel Gerhard berührt, und wir fügen hier bei, dass Carl in Rom das Copwrt bald aufgab, um sich der Natur in die Arme zu werfen, und die bot ihm besonders in Tivoli reichen Stoff. In der Folge fand er in Russland sein Glück, da ihn Kaiser Paul zum Hofmaler ernannte.
wählte, und aus Auftrag dieses Kaisers trat er mit dem Staats- rathe v. Röhler eine Reise nach der Krimm an. Hier nahm er gegen 150 Gegenden nach der Natur auf, und dem kunstlie- benden Alexander gefielen sie so wohl, dass Kügelgen selbe in Öl auszuführen gedachte. Doch beim Anfang der Arbeit glaubte er das Charakteristische mancher Gegend in der Zeichnung nicht tief genug aufgefasst zu haben, und er bat daher den Mo- zarchen, eine zweite Reise in die Krimm unternehmen zu dürfen, um seiner Arbeit die möglichste Wahrheit geben zu können. Der Kasergestattete die Bitte, und so durchzog der Künstler 1806 Taurien nach allen Richtungen. Er brachte 240 Zeichnungen zurück, aber erst später konnte er an die Herausgabe seiner krimm’schen Reise denken. Der europäisch-französische Krieg wälzte sich an die Grenzen Russlands, und die Künste des Friedens fanden wenig Unterstützung mehr. Kügelgen aber hatte sich des Schutzes des rus- sischen Edelmannes Slobin zu Wolsk bei Saratow zu erfreuen, bis dieser durch Napoleon selbst in Gefahr kam. Kügelgen betrieb jetzt mit dem Reste seines Vermögens die Zuckerfabrikation aus Run- kelrüben, ein anfangs glückliches Unternehmen, bis die Einfuhr der Colonialwaaren demselben ein Ende machte. Damit verlor der Künstler sein ganzes Vermögen, und nun war er auf die Kunst allein beschränkt. Schon in Wolsk hatte er 30 Ansichten der Krimm in Öl gemalt, und diese überreichte er jetzt dem Kaiser, der ihn mit 10.000 Rubeln und mit einem kostbaren Ringe be- lohnte. Auch bestellte er noch mehrere andere Bilder. Diese 30 Ölgemälde und 60 Sepiazeichnungen mit krimm’schen Ansichten wurden zur Verzierung eines großen Saales zu Kammoi Ostrof be- stellt, und diese bilden eine eigene Taurische Galerie. Hierauf fasste er den Entschluss zur Herausgabe einer malerischen Reise in die Krimm in 50 Folioblättern; allein das Werk kam nicht zu Stand. Im Jahre 1818 bereiste er auf Befehl des Kaisers zu ähnlichem Zwecke Finnland, und 55 nach der Natur gezeichnete Skizzen waren das Resultat. Alexander kaufte sie, und 1810–1822 führte sie Kügelgen auch in Öl aus. Zu jener Zeit erschienen von ihm zugleich 15 lithographierte Blätter finnländischer Natur- seen. Früher gab er 6 lith. Zeichnungen mit Baumstudien und 42 Ansichten der Krimm heraus.
Diese Lithographien arbeitete er auf dem Landgute Kurküll aus, und nur im Winter brachte er einige Wochen in St. Peters- burg zu. Im Jahre 1827 zog er nach Reval, wo er in seinem Friedenheim glückliche Tage genoss. Von den vier großen Ge- mälden, die ihm hier für das Zollgebäude in Petersburg aufgetra- gen wurden, vollendete er nur eines, aber dieses erklärte er für sein bestes. Im Jahre 1832 ereilte ihn der Tod in Reval.
Kügelgen’s erste Werke sind nicht frei von Härte, in der Kom- position ist er zu überladen; in der Folge aber verschwanden diese Fehler. Er liebte immer Reichthum des Ganzen, und über seine Bilder verbreitet sich eine freudige Ruhe, die den Beschauer fes- selte. Er verstand es, den Charakter der Gegend zu fassen, und dieser drückte er auch das Gepräge einer originellen Idealität auf. Am liebsten malte er idyllische Ansichten und Prachtscenen, und am meisten bewundert man seine Fernen und Mittelgründe. In Dar- stellung der Luft und des Wassers steht er hinter Vernet, das Grün und das schöne Lichterspiel ist aber unüberbietbar. Das Rot ist meistens warm, wenigstens immer durchsichtig und farbig. Seine trefflich ausgeführten Sepiazeichnungen wurden fast so teuer bezahlt, als die Gemälde. Bis zum Jahr 1832 hatte er 154 Gemälde und 258 Zeichnungen ausgeführt, ohne die Stu-
dien und Copien. Im Ganzen belaufen sich seine Gemälde auf 171 Stücke, und der Zeichnungen gibt es 200 ausgeführte. Zu seinen letzten und vorzüglichsten Werken gehören 10 Ideal-Lands- chaften in Öl, geniale Erzeugnisse.
Die ausführlichsten Notizen über den Künstler sind im neuen Nekrolog der Deutschen X. I, S. 17 @.
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