Kreis seiner Kenntnisse zu erweitern; doch nur als große Begünstigung des Vaters hatte er es anzusehen, dass ihm gestattet wurde

Kreis seiner Kenntnisse zu erweitern; doch nur als große Begünstigung des Vaters hatte er es anzusehen, dass ihm gestattet wurde, die Akademie zu besuchen. Auch sollte er die Architektur nicht zum Brodstudium machen, sondern sich nur so weit damit vertraut machen, als dieses zur allgemeinen Bildung und in cameralistischer Hinsicht notwendig ist. Der Vater suchte ihn durchaus von einer Richtung abzubringen, nach welcher hin die Kunst das Ziel sein könnte, denn zu jener Zeit konnte man noch nicht ahnen, dass die Kunst einen Aufschwung nehmen werde, dessen sie sich mit dem Beginne des 16. Jahrhunderts erfreute, und dem Vater ist daher nicht zu verargen, wenn er den Sohn von einer Bahn entfernen sucht, auf welcher für ihn kein Ruhm zu suchen ist. Allein Klenze konnte unmöglich dem Willen des Vaters ganz sich fügen, als er jetzt auch im Hause des geheimen Oberbaurates Gilly Eingang fand. An den nachgelassenen Zeichnungen des zu früh verstorbenen Friedrich Gilly, des Sohnes des Baurates, hatte seine Liebe zur Kunst reichlich Nahrung gefunden, und in den Vorlesungen des Hofrathes Hirt gewann er für dieselbe nur noch höhere Achtung. Er erkannte die Architektur als die Bestimmung seiner Lebens, und so konnte ihn nichts mehr abhalten, derselben seine ganze Thätigkeit zu weihen. Nicht drei Jahre waren verflossen, da hatte der junge Künstler alle Prüfungen überstanden, und nun erfolgte die väterliche Zustimmung zu einer Reise durch Frankreich und England . Die Bauwerke, welche er auf seinem Wege traf, konnten weniger der Gegenstand seines Studiums werden, als später jene, welche er in Italien und Sicilien zu bewundern Gelegenheit fand, und wie sehr der Künstler von der Grossartigkeit der klassischen Monumente der Vorzeit ergriffen wurde, hat er später in seinem glänzenden Wirkungskreise oft bewiesen. Doch hatte er in Paris der polytechnischen Schule bereits früher schon viele zu verdanken, und der Unterricht eines Durand und anderer französischer Meister gab ihm einen Vorgeschmack von dem, was er in der Folge mit eigenen Augen geschaut. In Genua ordnete ein glücklicher Augenblick sein künftiges Schicksal. Als er mit Eifer in dem prachtvollen Vestibul eines Palastes zeichnete, trat der gefallige und kunstliebende Herr des Hauses hinzu, und dieser öffnete ihm nicht nur alle Gemächer, sondern er war es auch, der später als General-Intendant des neuen königl. Hofes von Westerthal den jungen Künstler beim Könige Hieronymus empfahl.

Im Jahre 1808 wurde v. Klenze Hofarchitekt und später Hofbau-Direktor in Kassel, aber er fand in jenen Verhältnissen nicht Gelegenheit, durch solche Schöpfungen sich zu zeigen, wie er in München es vermochte. Endlich entthronten die Ereignisse von 1813 den Jerome Napoleon, und auch der Künstler ward dadurch dem Privatleben zurückgegeben. In dieser Epoche kam Klenze nach München, wo er schon damals das Glück hatte, dem damaligen Kronprinzen Ludwig bekannt zu werden, aber v. Klenze war in München seines Lebens nicht. Er ging nach Wien, wo zu jener Zeit der Congress ein glänzendes Schauspiel bot, und von da begab er sich nach Paris, wo Ludwig von Bayern des Künstlers sich noch gnädigst erinnerte, und durch dessen Verwendung erhielt L. v. Klenze den Ruf an den Hof des Königs Maximilian nach München, unter dessen Auspizien sich die Kunst bereits eines großen Schutzes zu erfreuen hatte; eine eigene Glanzperiode aber führte König Ludwig für dieselbe herbei. Dieser Fürst hatte schon als Kronprinz weite ausschauende Plane für die Zukunft entworfen, und vor allen durch den Bau der prächtigen Glyptothek einen grossartigen Sinn für Griechenlands klassische Monumente einer großen Vorzeit an den

Tag gelegt. L. v. Klenze erhielt den Auftrag, den Plan zu diesem Werke zu machen, und so hatte er als junger Mann das beneidens- werthe Glück, seinen Namen an eines der herrlichsten Bauwerke Europa’s zu zeichnen. Klenze hatte hier die gelungensten Resultate seines Studiums der griechischen Architektur geliefert, so wie er denn stets jene Bauform, welche in der griechischen Geschichts- und Bildungsgeschichte ihre Vollendung erhielt, als das Höchste er- kannte. Die übrigen Bauarten erscheinen ihm nur als Nachklänge des Trefflichen und nur die griechische Baukunst ist ihm allgemein zweckmässig, charakteristisch und schön. Als bedingt nur erklärt er den Werth jener Bauart, welche wirklich zu einer religiösen, nationellen und technischen Entwicklung gelangt. Bei solchen Ge- sinnungen kann man annehmen, dass v. Klenze bei jeder Gelegen- heit im griechischen Stil baute, und nur davon abwich, wo es dem höheren Willen gebot. Seine Gebäude sind immer Kunst- werke von reinster Harmonie, und namentlich ist dieses mit der Göttlichkeit der Fall, durch welche echter griechischer Geist weht. Und dazu noch der reiche Bilderschmuck eines Cornelius, der hier das griechische Eros im Bilde zum zweitenmal geschaffen, so muss Alles zusammen den Eindruck der höchsten Bewunderung erregen. Dieses Gebäude mit seinen Zierden wird auch jeder Beschauer mit höchster Befriedigung verlassen, da er hier ein echtes Kunstwerk schaut, in voller Schönheit der Form, in reinster Harmonie aller Theile. Es existirt davon auch eine Beschreibung, von welcher L. v. Klenze selbst den architektonischen Theil, und Dr. Schorn den archäologischen besorgte.

Ein Gebäude, wie dieses, müsste allein hinreichend seyn, den Namen des Architekten mit Ruhm auf die Nachwelt zu bringen; dieses ist aber nur das erste grossartige Werk unsers Künstlers, dem in einer Reihe von Jahren noch viele andere folgten. Von den Palästen, welche in der frühesten Zeit seines Wirkens ihren Ursprung fanden, erwähnen wir vor allen das Hotel des Herzogs v. a Leuchtenberg, welches vor dem ehemaligen Schwabinger Thore zu einer Zeit angelegt wurde, als man sich’s noch nicht träumen konnte, welche grossartige Schöpfung jenem Boden, der Strasse nach Schwabing entlang, entsprechen werden. Das herzügliche Palais ist in reinem Stil erbaut, doch ist im Allgemeinen bei Privatgebäuden der Künstler oft durch die Bedingnisse des Bau- herrn, und nur zu oft auch durch räumliche Verhältnisse an einer freien Schöpfung gehemmt, und es entsteht ein Werk, das kleinlichem Klügeln einige Ritzen zum Tadel bietet, aber häufig bedenkt der Tadelnde Schuster nicht, dass bei anderen Bedingnissen und Lokalverhältnissen der Künstler auf ganz andere Weise verfahren ware; was nämlich auch bei Klenze öfter der Fall war. Ein anderes Werk, dessen Ausführung in jene Zeit fällt, ist die k. Reitschule, ein im schönen Stil errichtetes Gebäude, mit grossem, doch nicht zum Eingange bestimmtem Thore, dessen oberer Theil mit Büsten der Dioscuren und mit Reliefs geziert ist, den Kampf der Lapythen und Centauren vorstellend. Unter dem Gesims der Fassade hin zie- hen sich grosse Medaillons von Pferdeköpfen, und so erhielt das Ganze eine charakteristische Verzierung. Ausserdem lieferte L. v. Klenze in dieser seiner ersten Periode auch noch mehrere Plane zu Privathäusern, in denen sich ebenfalls das Streben äussert, mit Berücksichtigung der klimatischen Verhältnisse und jener der Bau- speculanten, den reinen italienischen Stil auf bayerischen Boden zu verpflanzen. Klenze ist überhaupt der erste, welcher den herr- lichen Stil florentinischer Wohngebäude zuerst in Deutschland in Anwendung brachte. Auch bei Herstellung alter Denkmäler wurde

Klenze, Leo von.

die Kunst dieses Architekten schon frühe in Anspruch genommen. Im Jahre 1820 wurde der Dom von Speyer restaurirt, und da auch das Innere seinen vorigen Schmuck als Grabstätte deutscher Kaiser wieder bekommen sollte, so ertheilte der Kaiser von Österreich und der Herzog von Nassau - Weilburg dem Künstler den Auftrag, Entwürfe zur Wiederherstellung der völlig zerstörten Denkmäler Kaiser Rudolphs von Habsburg und Adolphs von Nassau zu ma- chen. Von ihm ist auch die Zeichnung zum architektonischen Theile des Monuments des Herzogs von Leuchtenberg in der St. Michaels - Kirche. Ueberhaupt wurde Klenze auf mannichfaltige Weise in den Kreis architektonischer Unternehmungen gezogen. So verdanken wir ihm auch den Plan zur Constitutions -Säule, welche der Graf von Schönborn bei seinem Schlosse Gaybach er- richten liess. Dieses schöne Werk ist uns auch durch Heinzmann's Lithographie bekannt.

Durch dieses Alles hatte L. v. Klenze schon unter der Regierung

des höchstseligen Königs eine Tüchtigkeit bewiesen, von welcher

man die Lösung jeder, selbst der schwierigsten Aufgabe erwarten konnte, und er wurde daher 1810 zum k. Hofbau-Intendanten, zum Oberbaurathe und zum Chef dieser Bau-Branche beim Ministerium des Innern ernannt. Im Jahre 1822 schmückte ihn der König auch mit dem Civilverdienst-Orden der bayerischen Krone.

Die zweite Periode, und die einer grösster Wirksamkeit, beginnt für L. v. Klenze mit dem Regierungsantritte des Königs Ludwig, unter dessen glorreichen Auspizien die Kunst in München ihren Triumph feiert. Alle Künste finden hier gleichen Schutz, und die Baukunst hat sich einer Pflege zu erfreuen, wie vielleicht in wenigen Orten Europas. Von Klenze’s Kunst zeugt das k. Odeon, welches gegenüber dem erwähnten herzoglichen Gebäude auf einem gegebenen Platze und im Aeusseren mit jenem harmonirend, erricht- et ist. Die Lokalität bot grosse Schwierigkeiten, besonders bei Ableitung des Zu- und Ausganges, und so ist auch dieses wieder ein Gebäude, bei dessen Herstellung die schöpferische Kraft des Künstlers beengende Fessel empfand. Ein Meisterstück seiner Art, auch in akustischer Hinsicht, ist aber das Festlokale, und die Wirkung des 130 Fuss langen, 75 Fuss breiten und 54 Fuss hohen Saales ist in seiner grandiosen Säulenstellung überraschend.

Ein anderes Gebäude, welches dieselbe Strasse ziert, ist der neue Flügel des k. Kriegsministeriums, bei welchem zwar die hemmenden Umstände nicht in solcher Anzahl entgegentraten, wie beim Bau der neuen Reitschule und des Odeons, aber auch hier wirkte die tiefe Lage des älteren Gebäudes störend ein. Der Architekt lieferte im Ganzen ein Meisterwerk, das in allen seinen Teilen Charakter und Wahrheit des Gedankens ausspricht. Hier ist architektonische Bedeutsamkeit, Schönheit der Verhältnisse, und die gewaltigen Massen erregen durchaus nicht das Gefühl des Schwerfälligen. Der Architekt sah sich aber bei der Ausführung dieses Flügels durch die niedere Lage des anderen Ministerialgebäudes, mit welchem dieser ein grosses Ganze bilden sollte, in die Notwendigkeit ver- setzt, diesen Teil gegen die neue Strasse hin etwas tiefer zu stellen, als man es nach dem Terrain derselben wünschen möchte. Allein der Architekt war hier in einer Lage, welche ihm nicht er- laubte, dieser Auforderung ganz zu entsprechen, wenn er nicht auf der anderen Seite durch Erhöherung des Erdgeschosses die Harmonie des ganzen Gebäudes, zu welchem dieser neue Flügel als integrierender Teil gehört, hätte stören wollen. Im Ganzen steht aber dieses Gebäude in schönem Kontraste mit den neuen Bauwerken, in welchen uns v. Gärtner so schöne Erinnerungen

an den Stil des früheren Mittelalters vorüberführt. Überhaupt bietet die neue Ludwigsstraße, an welcher der größte Teil der Gebäude die Altstadt zu gelegenen Häuser dem Plane nach unserem Künstler angehören, in architektonischer Hinsicht so viel Schönes, wie wenige andere Städte dieses aufzuweisen haben. Klenze fand hier Gelegenheit, eine große zusammenhängende architektonische Anlage zu begründen und durch Abwechslung des Stils das Auge durch schöne Mannichfaltigkeit zu ergötzen. Ein wahres Fürsten- haus, in welchem sich großartige Verhältnisse mit Bequemlichkeit vereinigen, ist das Palais des Herzogs Maximilian in Bayern. Hier hatte der Künstler die günstigste Lage, und die völlig freie Anordnung, welche man dem Architekten liess, lässt auch auf ein Werk von architektonischer Vollkommenheit schließen. Das Erd- geschoss bietet eine dreifache Einfahrt dar, das erste Stockwerk ist mit vollständiger ionischer, und das zweite mit korinthischer Pila- sterordnung geschmückt, und mit einem Consolengesimse gekrönt. Das Innere dieses herrlichen Palastes ist auf das prächtigste ver- ziert. R. von Langer und Kaulbach trugen das ihrige zum maleri- schen Schmucke bei.

Auf der anderen Seite der Ludwigsstraße, dem Hofgarten entlang, zieht sich das Kaufhaus (Bazar) hin, ein Werk unsers Künstlers, im venetianischen Stil erbaut, mit den herrlichen Landschaften Rott- manz's in seiner Arkaden-Reihe, die sich an die historischen Fresken des Hofgartens anschließen. Auch dieses Gebäude trägt den Charak- ter der Grossartigkeit, und es ist eine Zierde der prächtigen Straße,

Ein anderes Werk dieses Künstlers, welches mit Stolz auf seine gleichfalls glänzende Schwester, die Glyptothek hinüberblickt, ist die Pinakothek, welche sich nördlich von der ersteren erhebt. Der Baustart derselben begann 1826, und schon geraume Zeit steht das Gebäude vollendet da, im reinsten schönsten Stil, in einer be- wunderungswürdigen Einheit bei aller Mannichfaltigkeit. Die Mauern sind aus Backsteinen, und alle architektonischen For- men: Säulen, Gesimse, Archivolte aus Quadern erbaut. Die groß- artig angelegte Ein- und Ausfahrt ist in der Mitte der Süd- und Ostseite angebracht, und der für die gewöhnliche Benützung be- stimmte Eingang liegt gegen Osten. Durch diesen gelangt man in ein großes Vestibulum, von wo aus die breite Treppe zu den Ge- waldesalen führt. Die schmäleren Räume des Erdgeschosses auf der Süd- und Nordseite, so wie die des westlichen Flügels sind für die Aufnahme der Schätze von Kupferstichen und Handzeichnungen, von Vasen und Musiven bestimmt. Dieses Gebäude, mit seiner dekorativen Pracht, mit den sinnreichen Compositionen des be- rühmten Cornelius, der uns in den Loggien die Kunstgeschichte bildlich vorüberführt, ist ein neuer Glanzpunkt Münchens, ein vollkommen schönes Kunstwerk, sowohl nach der äusseren Form, als nach der inneren Eintheilung.

Ein anderer glänzender Auftrag, welcher diesem Künstler zu Theil wurde, ist der Bau der neuen Residenzflügel mit der Aller- heiligsten-Kirche. Der eine, gegen das Theater hin, führt den Namen des Königsbaues, der in seinem Inneren gleichsam eine Galerie moderner Kunst bildet. Der Architekt fand bei der Anlage die grössten Schwierigkeiten, welche ihm die lokalen Verhältnisse ent- gegensetzten; aber der Künstler ging siegreich vom Kampfplatze, und dieses prächtige Königshaus ist jetzt längst bewohnt. Welt- berühmt ist der Palazzo Pitti in Florenz, aber sein moderner Neben- bau in München, der anscheinlich von jenem die äussere Form erbaut, im Ganzen aber wesentliche Veränderungen zeigt, hat ihn überstrahlt. Über den plastischen und malerischen Schmuck eines

Klenze, Leo von.

Schwanthaler, Schnorr, Kaulbach etc. gibt ein eigenes Werk von Dr. E. Förster Aufschluss,

Nach Vollendung dieses Königsbaues erhielt das k. Residenzschloss nach der Seite des Hofgartens hin eine Erweiterung und Umgestaltung, nur der dazwischen liegende ältere Theil gegen die Theatinerstraße hin sollte nach dem erhaltenden Sinne des Königs als Wohnsitz erlauchter Vorfahren völlig unangetastet bleiben: Selbst ein Teil gegen den Hofgarten ist nicht neu aufgebaut, sondern nur architektonisch ganz neu eingetheilt und mächtig erweitert, so dass die Fassade eine Länge von Fuss erhielt. Der Plan des Gebäudes ist wieder von der Erfindung des L. v. Klenze, und in kurzer Zeit wird das mächtige Ganze vollendet dastehen.

So wie der sogenannte Königsbau an Brunelleschi’s Kunst erinnert, so zeigt sich in der prachtvollen Fassade gegen den Hofgarten ungefähr der Stil des Palladio. In der Mitte erhebt sich eine große Säulenstellung auf massivem Unterbau, und das Ganze gewährt einen imposanten Anblick. Mächtigen Eindruck erregen auch die herrlichen Thron-, Ball- und Festsäle dieses Gebäudes, mit den grossartigen Erzstatuen nach Schwanthaler’s Modellen von Stiegelmayer gegossen, so wie der Obelisk, nach dem Plane desselben Architekten.

Auf der östlichen Seite dieses k. Schlosses erhebt sich die Allerheiligste Kapelle, welche v. Klenze schon früher vollendet hatte, als die Fassade gegen den Hofgarten. L. v. Klenze erbaute diese in den Malereien des Prof. Heinrich Hess prangende Kirche im vor- goliischen Stile, und die ganze Verzierung ist diesem gemäss.

Die Kirche hat keinen Turm, jede der beiden runden Kuppeln ruht auf einer vierfachen Bogenstellung und diese selbst auf marmor- nen Säulen, durch welche die unter den Logen erweiterten Nebenschiffe vom Mittelschiff getrennt sind. Diese Kirche ist in den Umfang des Schlosses mit aufgenommen, und schon geht der Bau des östlichen Flügels der Vollendung entgegen. So ist jetzt dieses Residenzschloss das grösste in Europa, und seinem Umfang nach kann man es als eine Reihenfolge von herrlichen Palästen betrachten, die, jeder für sich gesehen, ein herrliches Ganze bilden.

Noch erwähnen wir den neuen Flügel des k. Postgebäudes mit den dorischen Säulenstellung und den Malereien nach alter griechischer Weise. Dieses Gebäude bildet eine grosse Säulenhalle, die sich dem Königsbaue gegenüber erhebt. Der Architekt derselben ist ebenfalls Klenze, aber auch bei diesem Gebäude traten demselben so viele Umstände, Bedingungen und Rücksichten in den Weg, Schwierigkeiten, welche ein ungünstiges Urtheil mildern müssen. Dieser Flügel ist zum Teil auf, zum Teil an einen alten Palast gebaut, und dann musste die Fassade mit dem Königsbaue und mit dem Theater in Übereinstimmung gebracht werden, ohne diese Prachtbauten zu beeinträchtigen oder gar zu wiederholen. Nach seinen Angaben und Zeichnungen wurde im englischen Garten auch der auf einem 45 Fuss hohen Hügel sich erhebende Monopteros erbaut. Die Säulenzahl dieses runden ionischen Tempels beträgt sich auf zehn, und die Bemalungen mit enkaustischen Farben sind ebenfalls in der Weise der alten Griechen gehalten.

Ein mächtiges Werk, welches ebenfalls Klenze’s Namen verdient, ist die Walhalla, welche der König Ludwig dem deutschen Ruhme erbauen liess. Den 18. Oktober 1830 wurde der Grundstein gelegt, und die dabei stattgehabten Feierlichkeiten verkündet ein eigenes Werk, unter dem Titel: Ratisbona und Walhalla. Regensburg 1831, 8. Durch dieses Gebäude waltet ein grossartiger poetischer Gedanke, der es sowohl nach der inneren, als nach der äusseren

Anlage durchdrang. König Ludwig hatte schon als zwanzigjähriger

Jüngling, zur Zeit der tiefsten Erniedrigung Deutschlands, die Idee zu diesem unsterblichen Werke gefasst, und diese Idee, da- mals in ahndungsvoller Seele erzeugt, erscheint nun in der grossar- tigsten Form verwirklicht. Die Walhalla erhebt sich am Gipfel eines Berges nächst Donaustauf, ein grossartiger Tempel von weissem Marmor, zu welchem sich den Berg hinauf prächtige steinerne Treppen erheben. Die Halle des Berges prangt in corin- thischer Ordnung auf cyclopischen Mauern, und im Innern des Saales tragen weibliche Caryatiden die aus Metallplatten cassettirte Decke mit dem eisernen Dachstuhl. Dieses Werk mit dem reichen tischen Schmuck, der uns einerseits die Hauptmomente der deutschen Geschichte verkündet, anderseits die Bilder grosser Männer, die das deutsche Vaterland mit Ehrfurcht nennt, unserm Blick vorüberführt, ist grandios in hohem Grade, ein rührendes Denkmal des ächten deutschen Sinnes. Einen ähnlichen Zweck, wie dieses Werk, wird durch die Anordnung des Königs auch ein anderes erfüllen. Es wird nämlich nach dem Entwurfe des einen Raths von Klenze auf der Anhöhe bei Sendling ein dem Ruhme Bayerns gewidmetes Baudenkmal sich erheben, wel- ches in mehreren Säulenhallen die Brustbilder berühmter Bayern einschliessen wird, gleichsam unter dem Schutze der Bavaria, einer mächtigen Gestalt, welche in colossalen Verhältnissen sich erhebt. Das Modell zu diesem Werke hat Schwanthaler bereits vollendet, und dieses wurde unter Hohe’s Leitung lithographirt. Es bieten sich in München die Architektur, die Plastik und die Malerei immer die Hand, in schönstem Streben, gegenseitig ihren und des Fürsten Ruhm zu erheben. Im Jahre 1834 reiste L. v. Klenze in Angelegenheiten seines Hofes nach Griechenland, und hier erhielt er von der Regierung den Auftrag, die Prüfung und die theilweise Umarbeitung des Plans der neuen Hauptstadt zu übernehmen. Ein anderer Theil seiner Thätigkeit war der Vorsorge für die Erhaltung des Alten gewidmet, und nebenbei entwarf er den Plan zur Aufräumung und theilweisen Restauration der Monumente der Akropolis. Nach erfolgter Genehmigung ging man sogleich an’s Werk, dessen Be- trieb dem Ingenieur Hauptmann Spies übertragen wurde. Ein ande- rer ehrenvoller Auftrag, welcher dem Künstler in Griechenland zu Theil wurde, war die Anfertigung eines Planes zum neuen Königs- schloss, so wie des National-Museums, da die Ausführung der von Oberbaurath Schinkel mitgetheilten Plane im Terrain unüberwind- liche Hindernisse gefunden hatte. Die Plane dieser Künstler sind beide Meisterwerke, und es ist nur zu bedauern, dass finanzielle und lokale Rücksichten keinen derselben zur Ausführung kommen lassen. Oberbaurath v. Gärtner hat die Ehre, das neue Residenz- schloss nach seinem Plane erbaut zu wissen. L. v. Klenze gab in neuester Zeit über seine Bemühungen in Griechenland ein eigenes Werk heraus, in welchem sich des Interessanten viel findet. Er hat sich indessen schon früher als Schriftsteller bewiesen. Im Jahre 1823 erschien zu Braunschweig sein Entwurf zu einem Denk- mahl Martin Luthers, und 1823 gab er Abbildungen der schönsten Ueberbleibsel griechischer Ornamente der Glyptik, Plastik und Malerei heraus, ein Werk in gr. fol., 8 Hefte, jedes zu 6 Blättern. Dieses Werk ist sehr verdienstvoll, und es reiht sich den besten dieser Art an. Ueberhaupt war Klenze stets bedacht, auf seine Umgebung wohlthätig einzuwirken, und besonders hob sich in München die Kunst-Industrie, seit hier die Liebe zum Bauen ein- heimisch geworden. Andere seiner Werke erschienen, ausser der erwähnten Beschreibung der Glyptothek, unter folgenden Titeln:

  1. Sammlung architektonischer Entwürfe, welche ausgeführt oder für die Ausführung entworfen sind, 1—5. Lief, München 1831—32, Imp. fol. 2) Über das Hinwegführen plastischer Kunstwerke aus dem jetzigen Griechenland und den neuesten Unternehmungen dieser Art. München 1821, gr. 4. 3) Versuch einer Wiederherstellung des toskanischen Tempels nach seinen historischen und technischen Analogien. München 1822, gr. 4. 4) Der Tempel des olympischen Jupiters zu Agrigent. Stuttgart, gr. 4. 5) Anweisung zur Architektur des christlichen Cultus. Nebst 39 Kupfertafeln, München 1831, roy. fol. 6) Aphoristische Bemerkungen, gesammelt auf seiner Reise nach Griechenland, gr. 8, Mit 6 Ansichten und Grundrissen, roy. fol. Berlin 1853. In seiner Sammlung architektonischer Entwürfe finden sich seine eigenen zahlreichen Bauwerke und Entwürfe. Dann müssen wir dieses Künstlers auch als Maler erwähnen. Anfangs malte er mit ausgezeichnetem Talente Landschaften in Aquarell, und um 1825 fing er auch an, in seinen Nebenstunden, die ihm bei seinen großen architektonischen Arbeiten nur spärlich zugemessen seyn konnten, solche in Öl zu malen. Er ist in dieser Gattung nur Dilettant, aber man muss staunen über die Vollendung, die er in kurzer Zeit erlangte. Klenze ist ein scharfer Beobachter der Natur, und sein Hauptstreben geht auch auf Naturnachahmung. Seine Färbung ist fröhlich, und in der Gesamtwirkung sind seine Bilder immer von schönster Harmonie. Seine Zeichnung fällt bis ins Detail. Meisterhaft ist z. B. die Aussicht auf der Aussicht von Porto Venerie, bis in seine kleinsten Teile mit ausnehmender Treue und Genauigkeit behandelt. Ein kleineres, ebenfalls sorgfältig behandeltes Bild, stellt die Ansicht von Palermo bei frischem Morgenlicht dar. Dann malte er auch den Jupitertempel zu Agrigent, wie sich dieser nach der Ausgrabung zeigte. Ein Künstler wollte in diesem Bild einen Anklang an Elsheimer finden, allein Klenze hat keine Ähnlichkeit mit jenem häufig manierierten Künstler. Ein anderes Gemälde gibt die Ansicht der hohen Burg von Massa di Carrara, mit dem bezaubernden Reichtum der Vegetation und der belebenden Heiterkeit jenes südlichen Himmels. Eine Aussicht bei Amalfi ist im Besitze des Königs Ludwig. Auf der Münchener Kunstausstellung von 1835 sah man die Ansicht des von ihm projizierten Residenzschlosses auf dem Platze des ehemaligen inneren Kerameikos in Athen, von der Gartenseite dargestellt. Wir haben bereits oben erwähnt, dass schon König Maximilian den Künstler mit Ehrenstellen beglückt habe, aber auch König Ludwig belohnte seine erfolgreichen Bestrebungen. Im Jahre 1827 wurde er geheimer Oberbaurath, 1830 Vorstand der obersten Baubehörde, und 1831, nach Vollendung der Glyptothek, wirklicher Geheimer Rath. Auch erhob ihn der König in den Adelstand des Reiches und in die Reihe der k. Kämmerer. Dann ist er Kommandeur und Ritter mehrerer Orden, so wie Mitglied mehrerer Akademien.

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