Krafft, Barbara, geborene Steiner, Historien- und Portraitmalerin,
geb. zu Iglau 1764, gest. zu Bamberg 1825. Sie bildete sich
gemeinsam mit ihrem Vater, des österreichischen Hofmalers Johann
Nikolaus Steiner, zur Künstlerin, und mehrere Gemälde des Vaters
wurde von ihr angeloget. Sie begleitete ihn auch nach Wien, und
brachte sie ihr erstes Gemälde zur Ausstellung. Dieses
war das Bildnis eines französischen Adeligen, welches mit allem Erfolg
aufgenommen wurde, und die Folge davon war, dass mehrere
Personen sich von ihr malen ließen. Anfänglich gedachte die Künstlerin
in Wien zu bleiben, und sie verheiratete sich da mit
einem Apotheker, Namens Joseph Krafft, allein schon 1794 verließ
sie Wien , und ging nach Salzburg , wo sie jedoch für dieses Mal
lange verweilte. Sie reiste über Iglau nach Prag , und hier wurde
die Künstlerin bis 1803 auf vielfache Weise beschäftigt. Für das
Stift Emaus malte sie die büßende Magdalena und den weinenden
Petrus in Spagnolet’s Manier, im Baumgarten bei Prag das Ho
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Altarblatt mit 3t, Gotthard; den größten Teil ihrer Werke machen aber die Bildnisse aus. Sie malte zweimal den Baron Lederborn: auf der Bärenjagd mit seinen Jägern, und als Bergknappe. Auf einem großen Bilde stellte sie die Familie des Eisenhändlers Marz dar. Für die medizinische Facultät malte sie die lebensgroßen Bildnisse des Kaiser Leopold, Joseph und Franz, und den Grafen Colobrad malte sie als Landmann, ebenfalls in Lebensgröße. Die Bildnisse, welche sie in Prag malte, sind zahlreich, da die Künstlerin ungemeine Leichtigkeit besaß. So malte sie einmal in zwei Stunden vier Köpfe auf die Leinwand, weshalben sie in Mewsels Miscellen gerühmt wird. Der Dr. Prohaska wünschte damals ein Portrait von der Künstlerin anlegen zu sehen. Bei ihm war der Advokat Cernin, und diese beiden wurden sodann auf der Leinwand porträtiert. Dieser Arbeit sah der Mann Krafft zu, und auch er wurde abgemalt, so wie ein vierter, der Professor Steinsky, der, auf einem Schemmel sitzend, unter dem Arme Krafft’s durchblickte. Dann malte diese Künstlerin auch Generestücke, alles in einer dreisten Manier, so wie man dieses nie von einem Frauenzimmer gesehen. Eines stellt eine alte Böhmin mit dem Brantweinglase lachend dar, und das Gegenstück einen schmäuchenden Alten auf den Stock gelehnt, beide mit breiten Strichen gemalt, in einer effektvollen Weise. Dann malte sie einen lachenden Burschen mit dem Clue, und ein böhmisches Mädchen mit der Katze, alle diese Bilder in natürlicher Größe, so wie das Bild eines Alten, dem ein Weib zulächelt, im Besitze des Domherrn Grafen von Staremberg in Salzburg. Im Jahre 1803 begab sich die Künstlerin nach Salzburg, und hier verweilte sie bis 1821, während welcher Zeit eine Menge Bilder, besonders Porträts, aus ihrem Atelier hervorgingen. Sie malte mehrere Personen von Adel und vom reichen Bürgersande. Den Fürsten Salm stellte sie in Lebensgröße dar, und auch im Brustbilde; den Grafen Kühnburg malte sie in der Oberst-Stellmeister-Uniform, und die Gräfin mit dem Papagei. Auch den Grafen Lodron bildete sie ab, so wie den Großherzog von Toskana, als Architekten. Diesen malte sie aus dem Gedächtnisse für die Residenz in Würzburg. Den Grafen Daun malte sie mit seinen Hunden, und einmal, wie er einen HASEN an der Flinte trägt, in landschaftlicher Umgebung. Besonderen Beifall erwarb ihr das Gemälde mit einem französischen Husaren-Obersten, der sich im Wäldchen an sein Pferd lehnt, zu den Füßen die Dogge. Eben dieses malte sie auch in einer Landschaft mit Sonnenuntergang. In Salzburg malte die Künstlerin noch lange Zeit in ihrer angenommenen kühnen Manier, endlich fing sie aber an, mit größerer Sorgfalt zu Werke zu gehen. Mehrere ihrer Bildnisse sind über sehr fleißig ausgeführt, und besonders gefielen die kleinen Medaillons, die wie feine Miniaturen in Öl behandelt sind. Auch mehrere Madonnenbilder malte sie, alle in schöner Verschmelzung der Farben.
Im Jahre 1821 begab sich die Künstlerin nach Bamberg, wo sie zu ihrem 1825 erfolgten Tod noch 145 Bildnisse malte. Das letzte war ein Familienbild, in welchem sie den Vater mit Frau und drei Töchtern darstellte, ersteren erst zwei Jahre nach seinem Tode, bloß aus dem Gedächtnisse, und doch höchst ähnlich. Sehr nützlich ist auch das Bildnis des C. Hemmerlein, und jenes des C. Lindner, lebensgroß im Naturalien-Cabinet.
Barbara Krafft fand mit ihren Werken großen Beifall. Ihre Werke sind sehr zahlreich und ähnlich, in einer kräftigen Manier ausgeführt. Mehrere ihrer Bildnisse wurden als Meisterstücke be-
wundert. Schon Meusel erwähnt ihrer mit Lob, und Füssly rühmt
im Artikel des J. N. Steiner ihr Talent und ihre Kunst im Treß:
Sie hinterliess einen Sohn und eine Tochter.
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