Krafft, Adam

Krafft, Adam, berühmter Bildhauer zu Nürnberg , über dessen Geburtsjahr und den Geburtsort uns die alten Nachrichten in Unwissheit lassen, und genaue und ausführliche Nachweisungen bekannter und Muthmasslicher verdanken wir erst der deutschen Zeit, nämlich dem Werke: Die Nürnbergischen Künstler, geschrieben nach ihrem Leben und ihren Werken, I Heit, 1822–1825. Werke sind wir teilweise gefolgt. Der Verfasser des angezogenen Werkes nimmt an, dass Krafft ein Alter von 70 Jahren oder etwas mehr erreicht hatte, als er seine Kunst wegen zunehmender Schwäche aufgeben musste, und zu Schwabach 1507 oder 1508 starb, und so dü

man mit ziemlicher Gewissheit sein Geburtsjahr ungefähr um vermuten. Auch ist nirgends bestimmt angegeben, aber auch nir- gends ein Zweifel darüber, dass er aus Nürnberg gebürtig gewesen. Es ist also glaubhaft, dass Geburts- und Aufenthaltsort ein und der- selbe sind. So wissen wir gleichfalls nicht, ob auch sein Vater ein Steinhauer war, und er um deswillen sich diesem Gewerbe wid- mete, oder ob ihn bloß eigene Lust und der innere Drang des sich verlaugnenden Genius darzu führte, oder wer sein Meister war. Ebenso lässt sich bloß vermuten, er habe sich auf Wanderungen als Steinmetzgeselle zu den bedeutendsten Bauhütten, wie z. B. Mainz oder Straßburg, gewendet, und dort zum Künstler gebil- det. Das Jahr, wo er zuerst als Künstler in Nürnberg auftrat, kann man nach dem Datum seines frühesten Werkes um an- nehmen. Dies ist der Giebel des Michaelichors über der Ein- gangshalle der Frauenkirche, die freilich nur ein Steinmetzen- und kein eigentliches Bildnerwerk war. In der darauf folgenden Zeit mögen ihn Arbeiten in Privathäusern beschäftigt haben, und erst in der letzten Periode seines Lebens, von 1470 an, zeigte er sich als Bildhauer, und hatte die Reife in seinem Fache erlangt, die sich in früheren Jahren noch nicht entwickelt darstellt. Um desto bewunderungswürdiger aber verdient sein Talent zu heißen, da sich erst im späten Mannes- und Greisenalter alle die wahrhaft bedeutsamen Leistungen dieses Meisters zusammendrängen, welche ihn einen bleibenden Ruhm als Künstler sichern. Unermüdlich im Stadium seiner Kunst übte er noch in seinem Alter sich alle Fein- heiten mit Peter Fischer und Sebastian Lindenau im Zeichnen; von einem näheren Verhältnisse mit Albrecht Dürer oder Wilibald Pirk- heimer ist keine Spur, worin nicht mit Unrecht ein Zug von Krafft's zurückhaltendem etwas eigenwilligem Charakter zu suchen ist, der sich, wie aus Neudörffer’s Nachrichten hervorgeht, besonders darin zeigte, dass er nur den ungebildetsten Handlanger und nie den geschickteren Gesellen fleißigen Unterricht in seiner Kunst gab. Aus eben jetzt auch gedrucktem, Manuskripten erfahren wir auch, dass Krafft die Fertigkeit besessen habe, mit der Linken, wie mit der Rechten, zu arbeiten; ferner, dass er sich zum zweitenmal mit einer Wittwe verheiratet habe, die sich, obgleich Magdalena getauft, in zu Gefallen Eva nennen musste. Ebendaselbst zeigt sich aber ein Irrtum in der Jahresangabe in Hinsicht seiner zweiten Ver- heiratung. So wenig als 1507, was sein wenigster angenommenes Todesjahr ist, als 1570, was durch einen Druckfehler bei Sandrart führt, sondern ohne Zweifel 1470 feierte er seine zweite Verheiratung, doch scheint seine Ehe kinderlos gewesen zu sein, und seine Frau vor ihm das Zeitliche gesegnet zu haben, woraus sich das ver- muthete Ende Krafft’s im Spital zu Schwabach begreifen lässt. Übrigens hielt man damals den Aufenthalt im Spital gar nicht für entehrend, ja man kaufte sich sogar in ein solches ein, um im Alter von Sorgen für Lebensunterhalt und alles andern überhoben zu sein. An der Spitze seiner Arbeiten steht der Giebel des Michaelichors vom Jahre 1462. Zu welcher Zeit und wie vielen Helfern Krafft daran hatte, darüber herrscht in den Nachrichten grosse Verwirrung und Unbestimmtheit. Einige schreiben das ganze ihm zu, was offenbar unrichtig ist. Die andern, und an ihrer Spitze Neudörfler, sagen, er habe das künstliche Messwerk an den Gesichtsbildern gemacht. Unstreitig ist der Giebel mit den daran angebrachten Bildern und den zu dem Ganzen der Kirche passen- den Verzierungen die Arbeit dieses Meisters. Unter K. Heideloffs Anleitung wurden 1823 die kunstreichen Portale der Frauenkirche, die zuvor gelitten hatten, wieder hergestellt. Die früheste unter

Leidensstationen des Erlösers von des Stifters Martin Küze

Krafft, Adam.

Krafft’s Rilddauerarbeiten und zugleich eine der bedeutendsten fallt in’s Jahr 1490. Die sieben Wandsäulen mit den Darstellungen der

’s Haus bis zum Kirchhof St. Johannes, und an demselben die drei grossen Kreuze, den Calvarienberg vorstellend. Dieses Werk besteht aus sieben Hautreliefs, in denen Krafft seine grosse Kunsterfahrenheit an den Tag legte. Die Breite beträgt mit den beiden einschliessenden Seitenpteilern 6 Fuss 3 Zoll, die Höhe 5 Fuss. Bemerkenswert bleibt die Geschicklichkeit und Sorgfalt, mit der die Füsse der zuvorstehenden Figuren ganz frei und los vom Grunde ausgehauen sind, so dass man sie auch von der zweiten und dritten dahinterstehender Personen ausgearbeitet findet.

An der Aussenwand der Sebalduskirche, dem Rathhause gegenüber, durch Gitter und kupfernes Obdach sorgfältig verwahrt, ist die grösste, der Figurenzahl nach reichhaltigste, dem Kunstwerth nach auch wohl die vollendetste unter Krafft’s Arbeiten. Nach einem Teil der Darstellung nennt man dieses Hautrelief nur die Grablegung Christi. Zu beiden Seiten ist aber auch die Abführung des Heilandes zum Kreuze und die Auferstehung dargestellt. Man nahm ohne Grund nur die Grablegung als Krafft’s Werk an. Der mittlere Teil des Kunstwerkes misst 18 Fuss in der Länge, die beiden andern an den Seitenwänden der zwei Pfeiler jeder 8 Fuss die Höhe des Ganzen 5 Fuss.

Sebald Schreyer, der fromme und reiche Kirchenmeister bei St. Sebald, ist der Stifter dieses Kunstdenkmals, welches um 1492 er richtet wurde. Dieses Hautrelief ist das besterhaltene von Krafft’s Werken und trägt noch Merkmale stattgefundener Bemalung. Kein anderes Relief (1490) von Meister Krafft befindet sich jetzt über einem Nebenaltare in der Sebalduskirche. Es stellt eine Kreuz tragung vor; ehemals befand es sich auf der Mauer des Stadtgrabens. Die Breite des Reliefs beträgt 3 Fuss 6 Z., die Höhe 5 Fuss.

In den Jahren 1496 bis 1500 verfertigte Krafft das berühmte Sakra menthäuslein in der Lorenzer Kirche, welches Hans Imhof mit einem für jenes Zeitalter bedeutenden Kostenaufwand von 770 Goldgulden stiftete, nach unserem Gelde über 5000 Gulden. Neudörffer, Sand rart, und alle folgenden geben an, dass Krafft eine sonderbare Wissenschaft gehabt, die harten Steine zu erweichen und in die auf Leimen und gestossenen Steinen zubereiteten Formen zu gießen und dann wieder zu härten. Gestützt auf das alte Zeugnis war das Sakramenthäuslein von allen, die es bisher beschrieben, als ein Werk gehalten, bei welchem Krafft von dieser Kunst Gebrauch gemacht habe. Nach der neuesten Untersuchung ergab sich aber, dass das Kunstwerk von festem klarem Steine zierlich und kunst reich gehauen, nicht blos die Basreliefs daran im ersten und zweiten Absatze und die übrigen Figuren, sondern auch die Zierate und Bögen, die dem Ganzen einen solchen reichen Schmuck ver leihen. Das in allen früheren Beschreibungen angegebene Höhe: maass von 64 Fuss trifft bis auf etliche Zolle zu. Dieser zierliche Tabernackel ist mit Aesten, Pfeilern, Säulen und gotischen Thürr chen geziert, nebst Darstellungen aus den Lebensereignissen Jesu welche sich auf das Abendmahl beziehen; er spitzt sich nach unten nach mehr und mehr zu und hört zuletzt in einem Blumenstengel auf, der gleich einem Bischofsstabe gekrümmt ist. Das Ganze schuf Krafft und seine zwei Gesellen; lebensgroße Figuren, an jeder Seite eine, an deren Zeichnung und Ausdruck gleiches Lob verdiente.

Ein in dieselbe Zeitperiode fallendes Werk Krafft’s befindet sich über dem grossen Einfuhrthore der ehemaligen Frohn oder sonst genannten kleinen Waage, vom Jahre 1497. Es stellt eine Kaufmann

Krafft, Adam. 4149

Waage vor, daneben einen Knecht, der ein Gewicht hineinlegt, den Waagmeister, und den Kautherrn im Begriff auszuzahlen. Der Ausdruck an diesen Figuren ist meisterlich. Die Größe des Haut- reliefs beträgt der Breite nach fünf Fuss, in der Höhe etwas mehr.

Neudörffer schreibt dem Meister Krafft auch den Oelberg zu, den Peter Harsdörffer 1498 stiftete, und welcher jetzt aus dem Carthäu- ser Kloster nach dem Burgberg geschafft ist; er scheint aber als Krafft's Arbeit zu gering zu seyn.

Vom nämlichen Jahre 1498 befindet sich ein vortrefflich steingehauenes Bildwerk Krafft’s in der Frauenkirche, ehemals im Augustiner-Kloster, Maria als Himmelskönigin mit dem Christuskinde darstellend, unter deren von zwei Engeln emporgehobenen Mantel nde Figuren von allen Ständen knien. Das Hautrelief erreicht eine Höhe von 6 — 7 Fuss und ist auf die würdigste Weise mit Kapellen und Blumen verziert.

Kleiner und einfacher, aber nicht weniger trefflich in Hinsicht der künstlerischen Behandlung, ist ein anderes Werk Krafft’s vom Jahre 1500, das aus dem Kreuzgang des Prediger-Klosters ebenfalls in die Frauenkirche versetzt wurde. Es stellt die Krönung Mariens dar.

Im Jahre 1501 bearbeitete Krafft drei Hautreliefs von gleicher Größe, jedes fünf Fuss hoch und eben so breit, welche nebenein- ander an der inneren Chorwand der Sebalduskirche sich befinden, und das Abendmahl, Christus am Oelberge und die Gefangennah- mung Christi schildern. Das erstere ist die Abbildung eines von Paul Volkamer, des Stifters, in Nürnberg gehaltenen Gastmahls; unterschiedliche Köpfe sind Portraits. Gabriel Nützel ward als Christus vorgestellt, auch der Bildner selbst soll darauf vorkommen. Auf dem dritten Relief ist der Kopf des Heilandes wiederholt.

Im Kreuzgange bei St. Egidien befindet sich von Krafft eine Krönung Mariä, und an einem Hause neben der Sebalduskirche der englische Gruss vom Jahre 1504.

Ferner befinden sich noch an Werken Krafft’s in Nürnberg: ein Georg, der den Lindwurm tödtet, am Paumgärtner’schen Haus in der Dielinggasse; ein muthmasslich für Krafft’s Werk zu halten- des jüngstes Hochrelief in der Sebaldus-Kirche; endlich das kleine Sakramenthäuschen in der Augustiner-Kirche, das bei der 1816 erfolgten Abtragung dieses Gebäudes zu Grunde ging.

Als das letzte von Krafft’s Werken wird in dem oben erwähnten Werke über die Künstler Nürnbergs die Grablegung Christi in der Holzschaher’schen Kapelle auf dem St. Johannis-Gottesacker in Nürnberg bezeichnet. Dieses Werk, eine grosse Gruppe von 15 Figuren über Lebensgrösse, mit Spuren ehemaliger Bemalung und Vergoldung, wurde 1507 aufgestellt, und der Meister soll der Sage nach aus Altersschwäche die Ausführung zum Teil seinen Gesellen überlassen haben. Dieses dürfte wenig Grund haben, im Gegenteil der Meister noch kräftig gewesen sein zur Ausführung wichtigerer Werke. In der St. Martins-Kirche zu Schwabach be-

findet sich ein Sakramenthäuschen von etwa 50 Fuss Höhe, welches

Tradition und mehrere Kunstkenner als das Werk unsers Meisters bezeichnen. Dieses Sakramenthäuschen ist mit seltener Meisterschaft behandelt, und es dürfte außer jenem in der Lorenz- Kirche kaum seines Gleichen in der Umgegend zu finden sein. In der Konstruktion erinnert es an das berühmte Werk dieser Art in Nürnberg. Auch in Kalchreuth ist ein Altarhäuschen, 30 Fuss

ein zweites zu Katzwang 21 Fuss hoch, und ein drittes wurde erst 1830 in Fürth als Krafft's Arbeit erkannt. Dieses hält 3 Kuss in die Höhe, und es ist zwar nicht mit dem Namen des Meisters bezeichnet, aber der Ausführung nach, wie andere, wohl

Krafft, Adam.

unter seinem Einflusse und mit seiner Mitwirkung entstanden. Die Sacramentarien tragen keine Jahrzahl; jenes in Schwabach wurde 1505 vollendet. In einer Säulenhalle dieses Tempelchens ist Brustbild eines hochbetagten Mannes, und dieses erklärt die Sage als Portrait des Adam Krafft. Allein damit hat es so wenig Richtigkeit, wie mit der Bildnissfigur Kraffts, als eine der Stützen

Sakramenthäuschens bei St. Lorenz in Nürnberg.

Was das an diesem Sakramenthäuschen in Stein gehauene Porträt des Künstlers betrifft, so hielt man von Sandrart an den nördlichen Kopf für Adam Krafft. Dieser ist in Sandrart’s deutscher Akademie wiewohl schr ungetreu und viel älter und greisenhafter abgebildet, er findet sich wieder in dem oben angeführten ersten Heft der Nürnberger Künstler von Fleischmann gestochen; ihn hat Campe in den 1828 abgedruckten Neudörffer Nachrichten wieder gegeben; ihn hat Pfarrer Hilpert in dem zweiten Hefte der Würdigkeiten und Kunstschätze Nürnbergs gleichfalls wieder Adam Krafft gehalten. Aber während Neudörffer’s Andeutung die westliche Figur bezeichnet, während eine sorgfältige Beschauung der Darstellung, des Costüms, des Charakters kein Zweifel übrig lässt, so ist man über dieses Alles weggegangen und hat sich bloß an Sandrart’s Zeichnung gehalten. Diese Portraitfigur ist eine schöne, kräftige Gestalt, auf das rechte Knie niedergesunken, während der linke Fuß leicht auf dem Boden aufsteht. Sehr natürlich ist die linke Hand auf den Schenkel dieses Fusses gestützt, indess die rechte den Klöppel ruhend auf den andern Schenkel sinken lässt. Der Kopf ist mit ungemein viel Fleiß und scharfer Individualität ausgeführt. Diese Figur allein ist als Steinmetz costumirt; sie allein trägt die Schürze und den Klöppel; sie augenscheinlich, wie die gegen Süden stehende, Portrait, während die gegen Norden eher lächerlich zu sein scheint. Offenbar wollte der Künstler diese Figur als den Meister und Schöpfer des ganzen Werkes darstellen.

In diesem Portrait erblicken wir einen Vierziger oder höchstens Fünfziger, was der allgemeinen Annahme, dass Krafft nach Fertigung des Sakramenthäuschens wenigstens sechzig Jahre alt war, widerspricht. Allein Krafft’s Werke zeigen es deutlich genug, dass kein sechzig-, ja gar siebenzigjähriger Mann sie gefertigt habe, vorher weiter keine andere als Steinmetzarbeiten getrieben hätte. Sie verrathen zu gut den Mann in der Blüthe seiner Kraft, Mann von einer reichen Erfindungsgabe, einer lebendigen Phantasie, einer klaren Auffassung der Natur, einem unermüdeten und geschickten Weiterstreben. Dass er, als er das Sakramenthäuschen fertigte, nicht im Greisenalter stehen konnte, beweist auch sein Verhältniss zu Peter Vischer und Lindenast, wovon jener 1520, dieser 1520 starb, und von welchen Neudörffer sagt, dass sie einander aufgewachsen und wie Brüder gewesen seien. Folglich in Jahren niemals bedeutend von einander verschieden sein konnten. Nun aber hat Peter Vischer an seinem 1510 vollendeten Sebaldusgrab sich noch als einen stattlichen und kräftigen Mann dargestellt und seinem Bild selbst die Unterschrift „1500“ gegeben; wie aber sein Jugendgenosse und der Freund seines männlichen Alters sich 1507 ein Greis gewesen sein? Schon um seines Alters Willen der bisher dafür gehaltene Kopf nicht Adam Krafft angehören. Der jenige Kopf in der Darstellung des Abendmahls, den eine bildliche Schriftliche Sage noch für Krafft’s Bild nimmt, ist weder dem Kopf an der nördlichen, noch an der westlichen Seite ähnlich. Neudörffer schweigt davon. Das oben Erwähnte über das Portrait Kraffts ist das Ergebniss neuerer Revision. Ausser diesen Bildnissen

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