Kolbe, Karl Wilhelm

Kolbe, Karl Wilhelm, Historien- und Genremaler, der Neffe des Obigen von mütterlicher Seite, wurde 1781 in Berlin geboren, und hier machte er auf der Akademie der Künste seine Studien,

Kolbe, Karl Wilhelm.

Diese bestanden im Zeichnen nach der Antike und nach der lebenden Modelle, für die Malerei waren ‚damals in Berlin kein Schulen. Ein jeder übte sich daher so gut als möglich und suchte sich mit den Hilfsmitteln vertraut zu machen, die zur Bildung eines Künstlers gehören. Die Geschichts-Studien verdankt Kolbe der k. Bibliothek. Seine erste Composition, eine grosse Kreide- zeichnung, stellt die Schlacht bei Fehrbellin dar, und diese erhielt bei der Ausstellung unter Chodowiecky’s Direktorat den Preis. Sein erstes, schon ziemlich gelungenes Bild (1802), eine Schlacht, nach niederländischer Weise gehalten, kam nach England , und 1803 malte er jenes 5 Fuss grosse, gerühmte Bild, welches Albrecht Achilles vorstellt, wie er in Nürnberg die Fahne erobert. Dieses Gemälde kam später nach Holland als Geschenk der Stadt Berlin bei der Vermählung der Prinzessin Louise von Preussen. Im Jahre 1804 malte er auf Bestellung des Königs für die Garnisonskirche zu Potsdam ein acht Fuss hohes Bild der Himmelfahrt Mariä, und 1810 verfertigte er gemeinschaftlich mit Dähling die Cartons für den Bildern im Concertsaale des neuen Schauspielhauses in Berlin. Das grosse Wandbild und einige von den kleinen Deckenstücken führte er daselbst auch in Farben aus. Diese Bilder erwarben ihretwegen Urheber grossen Beifall, aber auch verschiedene Ölbilder rühren aus jener Zeit her, die nicht geringeres Lob erhielten, wie die Wasserfahrt, der Jäger in der Laube, die reisenden Pilger im Laternenschein, der Föhn und die Dogaresse, die Böttcher-Werkstatt u. s. w.

Ein höchst ehrenwerther Auftrag war die Anfertigung der Cartons zu den neuen Glasfenstern im Schlosse zu Marienburg, da durch die Vorsorge des Königs von Preussen wieder in sein ursprüngliches Beschaffenheit versetzt wurde. Kolbe hatte damals bereits durch verschiedene Zeichnungen und Gemälde aus dem Ge biete der heiteren Feenwelt und Romantik, wie in Gestaltungen der mannhaft tapferen Ritterzeit ein für dieses höhere Genre ausge zeichnetes Talent bewiesen, und dieses fand jetzt in den Bildern der Marienburg neuen Stoff, den er auf gewohnte geistreiche Weise behandelte. Er zeichnete die Cartons in der Grösse der Fenster und die Farbenskizzen malte er in Öl. Zehn Fenster prangen in solchem Schmucke, und da sieht man die Kämpfe und Siege der deutschen Ordens. Es zeigt sich in diesen Fenstern die bildlich Darstellung der Gründung Torhoffs, die Anwesenheit der englischen Gesandtschaft, die Schlacht bei Tannenberg, der Sturm der Pale auf Marienberg, die Krankenpflege in Jerusalem, Ludwig der Hei lige, wie er dem Hochmeister Hermann von Salza die Familien- Wappen gibt, Innocenz III., Verleihung des Ringes an denselben, die Bitte Bischofs Christian an Hermann um Hilfe gegen die He den, der Einzug Siegfried’s von Feuchtwangen in Marienburg, Markgraf Albrecht von Brandenburg, wie er auf dem Reichstag zu Worms den Luther vertheidiget. Alle diese Bilder führte der Künstler für den Prinzen Friedrich von Preussen auch in Öl aus, und zum zweitenmale für einen Privatmann.

Nach Beendigung dieser Arbeiten malte er eine Fürstin, auf die Falkenjagd zieht, und dieses Gemälde fand auf der Berliner Kunstausstellung vollen Beifall. Der Kunstverein kaufte das Bild, und bei der Verlosung fiel es der Prinzessin Wilhelm zu. Dieselbe Darstellung, mit einigen Veränderungen, musste er auch für die ältere Prinzessin Wilhelmine malen.

Bei der neuen Einrichtung der kronprinzlichen Wohnung im Schlosse zu Berlin fertigte er die Zeichnung zu mehreren der runden Wandgemälde mit mythologischen Darstellungen. Zwei davon:

selben hat er auch in Öl gemalt. Diese Bilder sind fünf Fuß gross. Im Jahre 1828 erhielt er vom verstorbenen Staatsminister von Stein den Auftrag, in einem 8 Fuß hohen und 11 Fuß breiten Gemälde die Schlacht Otos des Grossen gegen die Hunnen am Lech- felde bei Augsburg darzustellen, und hierauf malte er ein reiches, sechs Fuß grosses, mit unvergleichlicher Sorgfalt behandeltes Bild, welches ein Weinfest im Mittelalter darstellt. Den Carton dazu hatte er schon 1806 gezeichnet, aber erst 1834 stand das Gemälde fertig da. Auf Bestellung des Kunstvereins malte er Karl den Grossen bei dem Köhler, und viele andere Bilder. Sie gingen in ver- schiedenen Besitz über. Es sind diese Historien, romantische Dar- stellungen aus der Feen- und Ritterwelt, aus dem bürgerlichen Leben des Mittelalters, Idyllen, Schlachten, Jagdstücke, Landschaften u. a. Diese seine Werke erfreuen durch die Schönheit der Form und die Zierlichkeit der Anordnung. Dabei ist Ausdruck und Stellung immer charakteristisch, überall Freiheit und Reichthum des Gedankens, und die schönste Harmonie der Farben. Kolbe ergreift seinen Gegenstand mit poetischem Gefühle, und sein Fleiss und seine Sorgfalt ermüdet nie. Wir erkennen in seinen Werken einen Künstler, der gross geworden, ohne das Vaterland verlassen zu haben. Kolbe wurde schon 1815 Mitglied der k. Akademie zu Berlin, und 1810 Professor an demselben Institute. Eine eigentliche Schule hat er nie gehalten, sondern nur einige Leute herangebildet, die selbst bereits mit Achtung genannt werden, wie: Stielke, Boyterwek, Langheim, Grothe, Eckel, A. Karst.

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