Koch, Joseph Anton, berühmter Zeichner, Landschaftsmaler und
Radierer, wurde zu Obergiebeln am Bach, im Lechthale, gebo-
ren. Sein Vater, Joseph Koch, war der Sohn armer Bauersleute,
die sich bei einer grossen Anzahl Kinder hart ernährten, weshalb
er selbst den Zitronenhandel nach Deutschland trieb, und sich 1760
zu Koblenz mit Anna Burdi verheiratete. Da ihm das Lechthal
gefiel, so wählte er Obergiebeln zu seinem Aufenthalte und nun
verfolgte er von hieraus seine Handelschaft. Die Ehe war mit elf
Kindern gesegnet, von denen jedoch acht in der Jugend starben,
so dass nur der gegenwärtige Künstler mit zwei Schwestern übrig blieb.
Der Schullehrer zu Elbigenalb, wo der junge Koch in die Schule
ging, bemerkte bald mit Verwunderung ein ausserordentliches Talent
zur Zeichenkunst an ihm, da er alte Blättchen Papier mit Zeich-
nungen zierte, und darauf mit seiner Feder auf eine leichte Weise
und nicht ohne Geschmack, Vögel, vierfüßige Thiere, menschliche
Figuren oder wohl gar Porträts seiner Schulkameraden anbrachte,
und dessen ungeachtet im Schulunterrichte selbst nicht zurückblieb.
Als Koch die Schule verließ, wurde er bei einem Feldmesser, wel-
cher damals im Gerichtsbezirke Ehrenberg beschäftigt war, als
Mandlanger angenommen, und jetzt konnte er seinen Hang zum
Zeichnen nach Wunsch befriedigen. Doch um ihrem geringen
Einkommen einige Unterstützung zu verschaffen, brachte es Koch’s
Mutter in Abwesenheit des Vaters dahin, dass der junge Zeichner
bei einer Schafherde in Lirabach als Schäfer bestellt wurde. Trau-
rig verließ er die Mappierer und trat sein beschwerliches Amt bei
der unfolgsamen Herde an. Doch wusste er auch hier manche
freie Stunde zum Zeichnen zu gewinnen, und kritzelte, in Ermang-
lung von Papier und Feder, seine Figuren auf Baumrinde, Steine
oder das sandige Ufer des wilden Krabach’s. Aber – wenn ihm auch
eine solche Beschäftigung auf kurze Zeit sein widriges Schicksal
vergessen ließ, so ergriff ihn zu anderer Zeit wieder desto heftiger
der Missmut. Inzwischen sah der Weihbischof und General-Vikar
von Augsburg, Freiherr von Umgelder, der in geistlichen Geschäf-
ten das Lechthal besichtigte, Zeichnungen des jungen Koch. Er
erkannte das Gepräge eines ausserordentlichen Talentes; die Zeich-
nungen verriethen einen hohen Grad von Fleiss, und hatten viel
Auszug und Haltung. Besonders überraschte ihn eine mit der
Koch, Joseph Anton.
Feder bearbeitete Landschaft, welche das ganze Lechthal in reicher Perspektive und mit bewunderungswürdiger Mannichfaltigkeit des Natur-Charakters und Beobachtung des Heiligen dunkels darstellt.
Der Bischof versprach, den talentvollen Koch bei jeder Gelegenheit zu unterstützen und auf den Weg der Kunst führen zu lassen. Die Mutter achtete jedoch damals wenig darauf, sondern fasste, da sie ihren Sohn zu einem höheren Stand bestimmt glaubte, insgeheim den Entschluss, ihn künftig studieren zu lassen. Von allem dies erfuhr Koch auf seiner Alpe nichts, von wo er erst beim Eintritt des Herbstes mit seiner Heerde zurückkehrte. Auf Antrieb der Mutter musste er nun den Winter über im väterlichen Hause die Anfangsgründe der lateinischen Sprache erlernen, um sich zu dem von ihr gewünschten Berufe vorzubereiten. Doch unterließ er nicht, in freien Stunden, seine Zeichnungen fortzusetzen. Im Jahre 1742 nahm ihn der damalige Prokanzler Schnöller zu Dillingen und die Studirenden auf, erkannte aber bald seinen vorherrschenden Trieb zum Zeichnen und Malen, und da sich sein Talent immer entscheidender aussprach, nahm ihn auf Bitten Schnöller’s der Weihbischof von Umgelder nach Augsburg, und gab ihn dort bei einem Zeichenmeister in Unterricht, wobei er alle Kosten für Koch dortige Unterhaltung bestritt. Hier übertraf er bald den Lehrer, dessen eigenem Erstaunen, daher auf sein Bitten Schnöller, der bei ihm die Vaterstelle vertrat, den Weihbischof bewog, ihn nach Stuttgart zu empfehlen. Seine vortheilhaften Zeugnisse verschafften Koch sogleich bei seiner Ankunft in Stuttgart die Aufnahme in die Karls-Akademie, wo er während eines siebenjährigen Aufenthaltes Ruhm und Belohnung im vollsten Maasse erntete. Koch ging hierauf nach Frankreich, und von hier aus durch die Schweiz nach Italien, studierte in Mailand und Florenz die Werke alter und neuer Kunst, und fand endlich sein Ziel in Rom, wo ihm verschiedene Empfehlungen eine gute Aufnahme verschafften. Er erwarb sich bald den Beifall der Kunstfreunde und Kenner, und die Belohnungen, die er für seine Arbeiten erhielt, setzten ihn in den Stand, nicht allein seine Eltern und Geschwister reichlich zu unterstützen, sondern auch sich mit einer Rümerin zu verheiraten. Nach einigen Jahren brach das Unglück des französischen Krieges über Rom aus; Bonaparte liess den heil. Vater die starke Hand des Eroberers fühlen, und unter diesen Bedrängnissen verloren auch die Künstler Beschäftigung und Verdienst. Koch verließ daher den Sitz der Künste, wandte sich mit seiner Familie nach Deutschland, und hielt sich mehrere Jahre hindurch in München, Dresden und Wien auf. Im Jahre 1808 kehrte er endlich wieder nach Rom zurück, und von dieser Zeit an widmete er sich dort unausgesetzt seiner Kunst. Seinen Ruhm begründete er in München mit seinem Gemälde, welches das Opfer Noah’s vorstellt. Dieses Bild wurde damals aufgestaunt, und ein zweites: die wiederkehrende Beruhigung der Natur nach einer großen Bewegung, hatte die Akademie der Künste selbst gekrönt. Diese sind Werke seiner früheren Zeit und auch sie lässt sich eine Reihe anderer, die ihm von einer Seite ebenso grossen Beifall erwarben, von der anderen aber nicht vorstanden, werden. Eine prachtvolle Composition ist seine Ansicht der Küste Griechenlands. Ebenso charakteristisch als bedeutungsvoll, für den Minister von Stein ausgeführt, ist sein figurenreicher Quellbild, welches die Befreiung Tirol’s durch Hofer vorstellt, und als eine seiner schönsten Werke erklärt man den Fall des Schmadri-Baches: eine Schweizer Landschaft, in welcher Koch die Natur der Alpen, die mit Wolken bedeckten, himmelanustrebenden Berge mit ihren eisigen Hauptern mit ergreifender Wahrheit dargestellt hat. In den
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sen hat. Koch noch mehrere andere meisterhafte Schweizerlandschaften geliefert, die wir aber nicht alle verzeichnen können. Seine Bilder gingen in verschiedenen Besitz über; mehrere kamen nach Russland und England. Die Rom besuchenden Engländer beschäftigten ihn häufig. Für sie führte er mehrere Landschaften in Bister aus. Der russische General-Consul von Krauze besitzt drei grosse Landschaften von Koch, die ebenfalls zu den trefflichsten des Meisters gehören. Es ist dieses ein Wasserfall aus seiner früheren Epoche (1706), mit der Figur eines Hirten, welche Thorwaldsen ält hat; das Haslh-Thal und eine Landschaft mit der Flucht des . Auch die Villa Massini in Rom verkündet Koch’s Kunst, Er arbeitete hier gleichzeitig mit Overbeck, Schnorr, Veith und Führig an den Fresken dieser Villa, und ihm wurden die Darstellungen aus Dante zu Theil. Wie sehr er den Geist dieses Dichters durchdrungen war, werden wir noch in der Folge erwähnen.
Mit unserm Koch, dem Nestor der deutschen Kunst in Rom, und mit Reinhart hat sich in Rom eine landschaftliche Schule gebildet, als deren Mitglieder Rhoden, Steinkopf und Reinhold anzusehen werden können. Das Streben dieser genialen Männer geht auf genaue Darstellung des Natur-Charakters, auf poetische freie Auffassung der Erscheinungen, die sich bei ihnen in grosser Kraft der Farben abspiegeln. Koch hat jedoch nur einzelne Beispiele von glänzender Farbenwirkung gegeben, und vielleicht gerade deswegen wurden seine Bilder nicht immer nach Verdienst gewürdigt, weil ihnen diejenigen Eigenschaften fehlten, welche ein Theil des Publikums als erste Bedingung seiner Bewunderung fordert, — Eleganz der Farbe und hohe Meisterschaft der technischen Behandlung der neueren Meister. Koch ist aber genial, poetischen Geistes, und sein Hauptvorzug besteht in einer ungewöhnlichen Art der Auffassung; er ist Dichter, Meister jeder Form, welche ihm die Natur bietet, so ganz Herr über den Stoff, dass es ihm ziemlich gleichgültig ist, ob er ihn irgendwo in der Wirklichkeit zusammen sucht, oder selben dieser gemäss in seiner Phantasie nachbildet. Er schildert niemals die Natur in ihrer realen Erscheinung, wie sie theilmweise dem Auge sich zeigt, er sieht sie im Grossen und Ganzen, wie sie einen eigenen Gedanken ausspricht, welchen er auf dem kurzesten Wege und mit den einfachsten Mitteln zur klarsten Anschauung bringt. Dieser Hauptgedanke beherrscht alle Teile und durch ihn gestaltet sich Alles zur schönsten poetischen Einheit. In den Formen und Linien sind seine Bilder unübertrefflich, meisterhaft in Anordnung und Verbindung. Seine Färbung ist zwar nicht glänzend, aber wahr und charakteristisch bei ihrer Bescheidenheit. Dann ist Koch auch Meister in der Perspektive, überhaupt im Besitze solcher Mittel, die einen Künstler in den Stand setzen, Ausgezeichnetes zu leisten. Er ist immer gleich trefflich, im Landschaftlichen, wie im Historischen; überall beherrscht ein grossartiger, tiefbezeichnender Gedanke das Ganze. Seine vielseitige Originalität und die Grossartigkeit des Styls wird stets ein Vorzug vor vielen neuern Landschaftern bleiben.
Ganz besonders zu rühmen ist Koch auch als Zeichner. Er hat Dante’s berühmtes Gedicht mit bewunderungswürdiger Gewandtheit in Zeichnungen übersetzt. Die Hölle allein hat ihm Stoff zu mehr als 12 Bildern gegeben. Dabei suchte er alle noch existirenden Bildnisse der Menschen sich zu verschaffen, von denen Dante spricht. Diese Kompositionen sind ganz im Geiste des grossen Dichters entworfen, und Koch ist hierin dem Flaxman weit vorausgekommen. Seine Zeichnungen sind ausgeführter und mehr Gemälde, als jene des Engländers.
Wer sich von seinem Talente zum Schriftsteller überzeugen will, lese: Moderne Kunstchronik oder die Rumfordische Suppe gekocht von J. Koch, 1834. In dieser modernen Kunstchronik hat der Koch das Salz nicht gespart, er bringt uns manches derartiges Gericht auf die Tafel, welches er in übler Laune zubereitete. Das Buch könnte auch heißen: Chronica scandalosa der neuern Kunst.
Dann hat Meister Koch auch Blätter radirt, die ebenfalls merkwürdig sind.
Vier Blätter zu Dante's Hölle: Der Wald mit den allegorischen Tieren; der höllische Charon; der Kampf des heiligen Franziscus mit dem Teufel um die Seele des Grafen Guido von Altdorf; die Höllenstrafe der Tyrannen, qu. fol. Preis bei Thl.
Der Schwur der Franzosen bei Montenesino, reiche und geistvolle Compositionen. H. 14 Z., Br. 25 Z.
3–25) Landschaften: Ansichten von Rom und der Umgegend, mit Figuren geziert, numerierte Folge von 20 Blättern mit Unterschriften, qu. fol. Preis bei R. Weigel 6 Thl. 8 gr.
26–50) Les Argonautes selon Pindar, Orphee et Apollonius de Rhodes, 24 Blätter, nach A. J. Carstens Zeichnung. Neben Text. Rom 1799, qu. fol. Bei Weigel 8 Thl.
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