Kneller, Gottfried

Kneller, Gottfried, berühmter Bildnismaler, geb. zu Lübeck 1641, gest. zu London 1723. Mit den Anfangsgründen der Kunst vertraut ging er nach Holland , um die Schulen von Rembrandt und Bouel zu besuchen, und dann beschloss er nach Italien zu reisen, damit er auch Titian’s und Annibale Carracci’s Werke studieren könnte. In jener Zeit war es die Historienmalerei, die ihn be schäftigte, aber schon in Venedig fing er an, nach dem Ruhm eines Bildnismalers zu streben. Da malte er den Cardinal Bessadone, den Dichter Joseph Carrera und andere Männer. Die Rückreise in’s Vaterland trat er durch Deutschland an, und bei dieser Gele genheit malte er in Bayern und zu Hamburg viele Porträts, und um 1675 begab er sich mit seinem älteren Bruder nach London, wo sein glanzendster Wirkungskreis zu suchen ist. Damals war Lely im Ruhme, allein Kneller verdunkelte diesen dermassen, dass Lely aus Gram zu Grunde ging. Karl I. ernannte ihn zu seinen ersten Malern, Wilhelm III. zum Ritter , und Georg I. zum Baron et, und die Königin Anna bestätigte seine Wahl zum Präsidenten der Akademie der Künste. Kneller war der erste, der den Gedanken, ein solches Institut zu gründen, aussprach, und die angesehensten Künstler jener Zeit unterstützten den Plan. Im Jahr wurde in der Great-Queen-Street eine Art Akademie eröffnet. Doch löste sich das Institut bald wieder auf. Auch Thornhill und Van der Bank’s Unternehmungen hatten keinen günstigen Erfolg, und endlich trat der Akademien Verächter Hogarth als Direktor derselben auf. Kneller war bei aller seiner künstleri schen Thätigkeit auch noch Friedensrichter, allein es traf sich manchmal, dass er über dem Malen den Richter vergass. In mehreren Jahren war er ein Mann von Geist und Herz, rechtlich, nur kein eifriger Bibelleser. Nach seinen Glaubensartikeln war ihm Goethe das genialste aller Wesen, das eben desswegen alle genialen Menschen liebte. Die Malerei war ihm die genialste aller Künste, und sich selbst hielt er für den genialsten aller Maler. Walpole erzählt viele Anekdoten aus seinem Leben.

Sir Goffrey Kneller malte eine außerordentliche Anzahl von Gemälden, die fast alle Grossen und berühmten Männer seiner Zeit vorstellten. Auch viele Damen des Hofes malte er, und die meisten derselben waren ihm seiner feinen körperlichen und geistigen Bildung wegen

zugethan. Carl II. schickte ihn nach Paris, um Ludwig XIV. zu malen, allein dieser starb während der Anwesenheit des Malers. Für Wilhelm II. malte er die schönsten Hofdamen, und eine gol- dene Kette mit Medaille, an 300 Pf. St. werth, war der Lohn des Künstlers. Dann malte er den grossen Czar Peter und Carl VI. von Spanien. Er malte 10 Souveraine, und die grössten Männer Englands: Marlborough, Newton, Dryden, Godolphin, Somers etc., die Herzogin von Grafton, Lady Ranelagh u. a., alle Häupter des brittischen Adels. Das Bildnis eines getauften Chine- sen erklärte er für seine vollkommenste Arbeit, Walpole meint aber, das Bildnis Gibbon’s sei noch vorzüglicher. Dallaway will den Bildnissen des Dr. Wallis und des Lord Crew den Vorzug einräumen. Letzteres ist im Ausdruck und Farbenton so meister- haft, dass es Reynolds bewunderte und studierte. Die Köpfe von Addison und Nelson werden der geistreichen Pinselführung wegen gerühmt; und als bemerkenswerth erklärt man auch die Bildnisse des Bibliothekars Humphrey Wanley, des Mr. Knight, als Büssender vor dem Crucifixe; Georg II. als Prinz von Hannover; Richard Temple, Simon Harcourt, Charles Lenox, Herzog von Richmond; der Graf von Peterborough etc. Bei seinem Tode waren 500 Bildnisse unvollendet da; der Künstler hatte sein Atelier in der späteren Zeit zu einer Portraitfabrik erniedrigt, wozu ihn der un- zügliche Durst nach Reichtum verleitete, der selbst malte in letz- terer Zeit nur mehr die Gesichtszüge, und dieses mit einer un- glaublichen Geschwindigkeit. Seine Gesellen malten dann die Perücken, die Hüte, Röcke, jeder etwas anderes, vom Knopfe bis zur Manschette. So entstand ein Flickwerk ohne Harmonie der Farbe, ohne Korrektheit der Zeichnung, ohne Charakter in Stellung und Gebärde, ohne vortheilhafte Vertheilung von Licht und Schatten, und dennoch nahm man keinen Anstand, solche Fabrikate für Werke des berühmten Kneller zu halten. Seine besseren Werke hören der früheren Zeit des Künstlers an, dazu sind aber seine historischen Darstellungen nicht zu rechnen. Doch ging er auch in früher Zeit mit grosser Leichtigkeit zu Werke; ungleich er einst mit Lely den König zu gleicher Zeit malte, war Kneller fertig, bis der andere die ersten Linien auftrug. Doch solche Bravourstücke waren damals Bewunderung und Alles war gethan, wenn dazu noch die Perücke recht elegant aufgeputzt, die Weste zierlich nach- gemacht und andere Stücke der Zopfperiode gut angepasst waren. In seinen besseren Werken erkennt man eine Nachahmung Van Dyck’s. Von ächter Kunst kann wohl in wenigen seiner Werke die Rede sein; allein er befriedigte seine Zeit vollkommen, und die unsrige weiß, dass sie ihren Maassstab nicht an dieselben legen darf, da Kneller den neuen Anforderungen nicht genügen kan. Seine Zeitgenossen schätzten ihn unendlich hoch, und an seinem prächtigen Monumente in der Westminster-Abtei steht Rafael’s Grabschrift in’s Englische übersetzt. Es wurden mehr wie 300 Bilder dieses Künstlers gestochen, besonders von John Smith und John Faber. Dann stachen nach ihm J. Simon, J. Becket, F. Kyte, Drevet, A. Miller, P. Schenk, J. Verkolje, G. Vertue, R. White, B. Picart, G. Faithorne, V. Green, van der Gucht, P. van Gunst, Houbracken, G. Valk, P. van der Bank, P. Dupin, Bowles, J. Gole u. a. J. Smith bat sein Bildniss in schwarzer Manier gestochen.

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