Kirner, Johann Baptist, Maler von Furtwangen im Großherzog- thum Baden, wurde geboren und von der Natur mit reichen Kunsttalenten begabt. Er folgte auch schon frühe ihrem Rußfe, und seine ernsten Studien begann er im 18. Jahrre auf der Akademie der Künste in München , wo man bald erkannte, dass der junge Künst- ler Treffliches leisten werde. Zu dieser Annahme berechtigten seine Arbeiten schon 1827, und damals schien er sich ausschliesslich der Historienmalerei zuzuwenden. Man sah bald nach jener Zeit ein
Altarblatt von seiner Hand gemalt, eine heilige Familie mit lebensgroßen Figuren, im einfachen, ernsten, wahrhaft kirchlichen Stil der alten Florentiner. Dieses Bild wurde im Kunstblatt 1830 No. 12 näher besprochen, und bei der Münchener Kunstausstellung desselben Jahres sah man ein anderes, welches den Schmelzofen nach Hebel’s Gedicht vorstellt. Kirner hat schon früher durch seine Darstellungen zu Hebel’s allemannischen Liedern die Aufmerksamkeit der Kenner auf sich gelenkt, da diese ein ganz bestimmtes volksthümliches Gepräge an sich tragen, und überhaupt neigte er sich von jener Zeit mit Vorliebe der Genremalerei zu, immer aber in ihrer besseren Art. Besonderen Beifall erwarb ihm seine Wirthsstube, worin ein Tabuletkrämer einen beweglichen Hanswurst produziert, und dann war es die Heimkehr des Schweizergardisten von der Julius-Revolution, welche mit Auszeichnung genannt wurde. Dieses Bild, jetzt in der Gallerie zu Karlsruhe, gestattete einen Vergleich mit den gepriesenen Werken des Engländers Wilkie, und an Naivetät, Reichthum der Motive und in Hinsicht auf Adel der Form hat er Wilkie sogar übertroffen. Der Julius-Held sitzt im Inneren eines schweizerischen Bauernhauses und erzählt den staunenden Genossen die Begebenheiten jener Revolution. Die ausserordentliche Wahrheit der Charaktere und des Ausdruckes, die Schönheit der Färbung und die meisterhafte Behandlung des Ganzen reihen dieses Gemälde den besten Erzeugnissen der modernen Genremalerei an. G. Bodmer hat es lithographiert, und eben dieser, zu früh verstorbene Künstler, hat auch Kirner’s komische Wirthshaus-Scene auf Stein gezeichnet.
Im Jahre 1832 verließ Kirner München, um in Rom seine Studien fortzusetzen, und auch in Italien gingen aus seinem Atelier bereits Gemälde hervor, die seinen Ruhm bewährten. In Rom malte er das schöne Bild, welches Rafael in der Michelangelo-Kneipe dem Blicke vorführt, und ein anderes stellt Frauen aus der Umgebung Roms dar, wie sie bei dem am Wege befindlichen Muttergottes-Bilde ausruhen. Im Jahre 1835 sah man seine Italienerin, die an der Wiege mit der Schildkröte spielt, ein allerliebstes Bildchen, von unendlichem Reize in seiner Einfachheit. So wie Kirner früher durch seine Scenen aus der Schweiz und dem Schwarzwalde den Ruhm eines der vorzüglichsten neuern Genremaler sich erworben hatte, so entwickelte er in Italien in einer neuen Weise gleiche Meisterschaft und Originalität. Er bewegt sich überall mit grosser Leichtigkeit, und bei einer einfachen, geläufigen Anordnung erfreut die Freiheit und Sicherheit der Behandlung. Seine Färbung ist gesättigt, ernst und lieblich, je nachdem es der Gegenstand erfordert.
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