Kieser, Eberhard, Kupferstecher zu Frankfurt am Main , wo er am 1612–1650 arbeitete. Er zierte den Thesaurus Philopol. des Meisner mit schönen Kupfern von 1620–30. Auch im Krönungs- Diarium des Kaisers Mathias von 1614 sind Blätter von ihm; ferner in J. von Wallhausen’s Ritterkunst. F. a. M. 1616 in 8., und in dessen romantischer Kriegskunst etc. 1618, fol. St. Georg zu Pferde, Copie nach Dürer, hier als Franz von Sickingen argestellt, mit lat. Versen. H. 5 Z. 3 L., Br. 4 Z. 4 L. Allegorie auf die Thorheit, Copie nach Dürer, mit der Ueber- schrift: Der arme, gemeine Esel etc. Unten in 5 Abth. ein deutsches Gedicht: Eine grosse Thorheit etc. E. Kiefer exc. H. 10 Z. 3 L., Hülscher stach auch Porträts im Geschmacke von S. Furk, wie jene von Fettmilch, Schopp und Gerngros. Seine Folge verschiedener Fürsten zu Pferde beläuft sich auf 78 Blätter in 1/2.
Hresewetter, V. W., Maler, der um 1832 zu Berlin unter der Lei- tung von C. Röthig stand. Er malt Blumen und Früchte in Öl.
Hülsch, L. B. O., berühmter Bildhauer, geb. zu Schärding in Österreich 1770, gest. zu Wien 1827. Nach dem Tode seines Vaters, eines Glashändlers, der sich mit seiner Familie in Wien niederließ, kam er als 14jähriger Knabe aus Vermögenslosigkeit zu einem Tischler, bei welchem er seinen Unterhalt bis in das 21. Jahr hart verdienen musste. Hierauf führte ihn das Schicksal, das um diese Zeit die Prüfung mit seiner erwachten Lieblingsneigung begann, zu dem Bildhauer Joseph Straub, bei dem er, als Tischler - gesell aufgenommen, in dieser Eigenschaft drei volle Jahre ausharrte, obgleich er daselbst frühzeitig einen unwiderstehlichen Trieb zur Bildhauerei fühlte und in diesem Kunstfache aus eigenem Antriebe in verschiedenartigen Materialien manche kleine Arbeiten versuchte. Nachdem er sich durch den verstorbenen Grafen von Saurau vom Militärstande befreit sah, trat er in die Arbeit zu dem Verzierungs- bildhauer Joseph Schrott, der zuerst sein Kunsttalent erkannte und desswegen ihm täglich einen zweistündigen Besuch der kaiserl. königl. Akademie der bildenden Künstler — ohne den min- desten Abzug von dem bedingten Arbeitslohn — erlaubte.
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Kiesling, Leopold.
Allein seine Vorliebe zur eigentlichen Bildhauerkunst, die sich mehr mit Figuren beschäftigt, griff nach und nach so weit, dass er nicht bloß zwei Stunden, sondern ganze Tage und Wochen dem akademischen Museo verweilte, wo er, von keinem Vermögen den Gönner unterstützt, die grossen Meisterwerke der Alten mit noch grösserer Aufmerksamkeit studierte und nachzeichnete, um sie dann in den häuslichen Nebenstunden abzuförmeln. Manches Urbild der Akademie, bloß in dem Vorstellungsvermögen aufgefasst, war zu Hause aus dem Gedächtnisse nachgezeichnet, abgeformt, und das so vollendete Nachbild erst dann mit dem Urbilde sorgfältig verglichen, wenn er jenes mit seinem Ideale übereinstimmte. Die Vergleichung eines solchen Nachbildes mit dem Urmuster, von dem er es im Geiste gleichsam abgeprägt hatte, war für ihn die belehrendste Schule, und für seine Einbildungskraft später die reichhaltigste Quelle von eigenen originellen Ideen. Zwei Jahre setzte er bei dem genannten Biedermanne dieses praktische Studium dem Scheine nach, als Nebensache fort, bis nämlich der rühmlich bekannte Prof. M. Fischer, der an seiner ausserordentlichen Betriebsamkeit ein grosses Genie ahnete, den ganzlichen Uebertritt von der Verzierungsbildhauerei zu der Figurenbildhauerkunst veranlasste. Kiesling glaubte nun den Grund zu seinem Glücke gelegt zu haben, ungeachtet der Uebertritt in das Studium Fischer’s seinen vorigeren Arbeitslohn um die Hälfte verminderte. Dieser Verminderung in sei- ner vermögenslosen Lage und dem so kostspieligen Privatfleisse für dessen Fruchtgenuss er alle Vergnügungen und nicht selten Speise und Trank entbehrte, ist es zuzuschreiben, dass er einmal zur Rettung seiner Lebensfrist einem sogenannten Freunde für vierzehn Gulden durch ein ganzes Jahr monatlich zwei Gulden Interesse und darauf auch das Kapital zahlte; ein anderes Mal aber (und zwar nachdem er für den in halber Lebensgrösse nachgeformten Germanikus den Gundel’schen Stiftungspreis von 24 Gulden empfangen hatte) ihn bei dem feierlichen Austritte aus dem akademischen Rathssaale — noch unter der Thüre seine Gläubiger empfingen, die, ungehalten, dass der Stiftungspreis nicht die Schuldsumme ausglich, einstweilen mit den 24 Gulden abzahlen Wollten. Weit entfernt, durch eine so sonderbare Überraschung missmutig Gemacht zu werden, spornte sie den Künstler vielmehr zur neuen Thätigkeit, und er genoss dafür bald das Vergnügen, manches Modell, an welchem andere weniger Geübte mehrere Wochen künstelten, von seiner Hand binnen einigen Tagen vollendet zu sehen. Dies sichtbare, ununterbrochene Streben zur höheren Kunstvollkommenheit, das auch seinen sittlich guten Charakter veredelte, und die oftmalige Aussprache des Prof. Fischer: „Wenn Kiesling nicht ein exakter Bildhauer wird, so wird es keiner,“ konnte den übrigen Professoren nicht unbemerkt bleiben; sie empfahlen ihn alle ihrem Curator, dem Grafen Ph. Cobenzl, einem als Kunstkenner und Menschenfreund gleich schätzenswerthen Manne. Kaum hatte der Edle Kiesling’s vortreffliche Fortschritte und vielleicht auch seine Dürftigkeit wahrgenommen, als er ihn zu sich beschied und durch Lubeserhebungen, denen er das Versprechen, ihn zu unterstützen, beigesellte, jeden Funken in seinem Talente zur hellen Flamme anheizte. Von Zeit zu Zeit zeigte ihm Kiesling die Früchte seiner Bemühungen, welche der- selbe jedesmal mit besonderem Wohlgefallen krönte; da aber die Unterstützung verzögert wurde, und Kiesling — auf das zwar un- bestimmte Versprechen — seine noch immer missliche Lage durch Geldaufnehmen verbessern zu dürfen glaubte, ward er endlich ge- nöthigt, das Wort des menschenfreundlichen Protektors in Erinne-
Kiesling, Leopold.
ung zu bringen, der ihn sogleich, nebst der Bezahlung der Schuld aus eigenem, mit einem jährlichen Gehalte von 200 Gulden aus dem akademischen Fonde entschädigte. Außerdem verschaffte er ihm für in- und ausländische Kunstfreunde vom hohen Range die vorteilhaftesten Arbeiten, deren einzelnen Werth er von jeder Übergabe fast immer um ein Viertel höher anschlug, als ihn die zu gewissenhafte Demuth des nun geborgenen Künstlers bei dem Vorzeigen eines Werkes bestimmt hatte. In diesem für Kiesling so günstigen Glückswechsel erwarb er sich auch durch ein Modell von Gips, das den an der Aschenurne des Patroklus trauernden Achilles vorstellt, den zweiten historischen Preis: eine silberne Schaumünze mit der Beilage von vierzig Gulden; allein da der Forscherblick des Protektors und einige andere zu Rate gezogene Kunstrichter ihm nach der Hand den ersten Preis zuerkannten, ließ ihm die Gerechtigkeitsliebe des Erstern im Geheim und unver- mutet den Werth der goldenen Schaumünze in Geld von seiner Hauskasse auszahlen, und um ihn auch öffentlich auszuzeichnen, vermehrte er seinen akademischen Jahresgehalt mit 200 Gulden. Diese damals nicht unbedeutende Summe von 400 Gulden genoss Kiesling ein Jahr lang, und schon traf ihn das schönste Loos eines zur Vollkommenheit reifenden Kunsttalentes. Der Graf Cobenzl erkannte ihn nach eingeholtem Urtheile der Professoren und Kunst- kenner unter den übrigen geschickten jungen Bildhauern zu einer Reise nach dem klassischen Mutterlande Roms. Die Dauer seines Aufenthaltes daselbst war auf drei Jahre fest- gesetzt, mit dem bald schriftlich erhaltenen Antrag, nach Verlauf dieser Zeit als österreichischer Pensionär auch nach Paris zu reisen, wohin schon viele der lehrreichsten Denkmäler der alten Roma und anderer Städte, welche die Geisel des Krieges erreichte, bereits ausgewandert waren. Die zwei ersten Jahre beschäftigte sich der feissige Künstler damit, dass er die vorzüglicheren Meisterwerke der alten Griechen und Römer, die noch ihren ursprünglichen Ehrenplatz behaupteten, skizzierte, und teils in Ton, teils in Gips und Marmor nachbildete; das dritte Jahr verfertigte er nebst mehreren Basreliefs Gruppen und Figuren in Lebensgröße — einen Hymen, einen Ganymed, drei Köpfe nach berühmten Autotypen, nämlich den Merkur, Achilles und Ajax in Marmor, und in Lebens- größe eine Gruppe, die den Merkur darstellt, wie er die von der
enus grausam verfolgte Psyche zur Vermählung mit Amor eilig in den Olymp führt.
Nicht lange darnach begann der dritte Krieg mit Frankreich (1805) und sein Lavastrom hinderte den beinahe reisefertigen Künstler an der seinem Verdienste zugedachten Bestimmung nach Paris, dagegen erhielt er aber die Erlaubnis, in Rom oder dessen Umgebungen sein Studium noch ein Jahr zu benützen, auf welches jedoch zuerst zwei und dann sogar drei Jahre folgten, ehe er den vaterlandischen Boden wieder betreten, und seinem grossen Kaiser die Beweise seiner dankerfüllten Huldigung in einem Kunst- werke darstellen konnte, von dem er die Idee, während jenes Krieges gefasst und gezeichnet, an den Protektor der Akademie ein- sandte. Mittlerweile ereignete sich der angenehme Fall, dass der Ritter Canova wegen des von ihm gefertigten Grabmales der Erz- herzogin Christine nach Wien sich begab. Vor der Abreise beehrte er seinen ihm wohlbekannten „Nebenbuhler“ (er selbst nannte so unsern Kiesling) und bot ihm auf die offizielle Weise seine Dienste an. Kiesling teilte ihm offenherzig sein Vorhaben und Anliegen mit, zumal da die schon in Gips geformte Idee Canova’s Beistand und Bewunderung erregte, und — was Cobenzl als Protektor be-
Kiesling, Leopold.
dem Kaiser bereits eingeleitet hatte, ward von demselben auf Canova’s gewichtvollen persönlichen Vortrag genehmigt. Kiesling bekam nämlich den gewünschten Auftrag, auf Rechnung des k. k. Hofes, die Gruppe: Mars, Venus und Amor in cararischem Marmor auszuarbeiten. Die Bearbeitung dieser Gruppe, die nachher bei ihrer Vollendung (1810) das am 11. März erfolgte, für Frankreich und Österreich gleich erfreuliche Ereignis in den Augen des römischen Publikums zu dem Kunstwerke eines prophetischen Geistes erhob, war nun das Hauptgeschäft der drei letzten Jahre seines Aufenthaltes in Rom. Inzwischen wurde er doch, so wie die vorhergehenden Jahre, bei anderen Hauptarbeiten manchmal genötigt, nur einen Stillstand zuzugestehen. So verfertigte er während dieser Zeit das colossale Brustbild eines vornehmen Reisenden aus Jassy, Georg Bogdan, wofür ihn derselbe königlich beschenkte. Um eben diese Zeit schlug er aus Liebe zu seinem Kaiser die lockendsten Anträge, die sein Glück lebenslänglich gesichert hätten, nach Jassy, Paris, London, und selbst nach Brasilien standhaft aus, und nahm nur solche Ehrenbezeugungen an, die den Patriotismus keineswegs herabwürdigen, z. B. die Ernennung zum Mitglied der von Napoleon verordneten Commission in Betreff der öffentlichen Ausstellung schöner Kunstwerke u. s. w.
Im Jahre 1810 kehrte der treffliche Künstler endlich nach Wien zurück, und brachte ausser der genannten sieben Schuh hohen Gruppe aus einem Marmorstück, nebst der Kenntniss der italieni- schen Sprache, dem erworbenen Ideenreichtum für die Kunst, und der ausgezeichneten Achtung aller, die ihn kannten, eine junge Röme- rin als seine Gattin mit, und noch an Kunstwerken ein colossales marmornes Brustbild des Erzherzogs Karl; drei bereits bekannte Antikenköpfe; einen schönen Jüngling mit der hochzeitlichen Fackel in der Hand; den Genius der Künste, der die Natur in ihren Schöpfungen entschleiert, und eine bestimmte Anzeige der aufgefunde- nen Stellen, wo inländischer Marmor von allen Gattungen und Far- ben mit nicht sehr grossem Aufwande in grossen Stücken gebrochen werden kann. Jetzt wurde er zum k. k. Hofbildhauer ernannt.
Dass Kiesling, besonders in Hinsicht der großen Gruppe, Alles geleistet habe, was der Monarch und die Kunst zu fordern berech- tigt sind, verkündigten schon die mündlichen Lobsprüche der ersten römischen Kunstrichter und die ehrenvolle Kritik in dem Werke: Memorie encyclop. romane sulle belle arti etc. Tom. 1, 24—26 (Hormayr’s „Archiv.“ 1811 No. 4.) Zu seinen vorzüglichsten in Wien ausgeführten Werken gehören (ausser zahlreichen Eben- bildern von Männern, Frauen, Kindern, in jeder Materie) das Grab- mal seines Wohlthäters, des Grafen Philipp Cobenzl, mit Basreliefs- Verzierungen und Inschriften, das Grabmal des Grafen Ludwig Cobenzl, beide über acht Schuh Höhe und vier Schuh Breite; eine Büste der Fürstin Kinsky, lebensgross; die Büste des Kaisers, über- lebensgross, der Stadt Brünn verehrt; die Büsten des Kaisers und des Erzherzogs Johann im Johanneum zu Graz, von Metall; eine
leiche Büste des Monarchen von Metall, überlebensgross, im stän- dischen Saale zu Klagenfurt; eine lebensgrosse Büste des E. H. Karl im Stifte St. Florian; das Denkmal der Baronin von Arnstein; das Denkmal des Frh. von Dalberg; die drei Grazien aus weichem Metall, in Ungarn; Amor und Psyche, einzelne Figuren von Gips, im Besitz der Grafin Särenthein zu Botzen; das Grabesdenkmal, welches Hofrath von Hammer sich in dem romantischen Weilting setzen lässt. Ein meisterhaftes Werk ist das colossale Marmor Brustbild des Kaisers, wel- ches der Fürst Sinzendorf zu Ernstbrunn setzen liess. Die Büste misst mit dem Sockel 22 Fuss, und ist von vollkommener Ähnlichkeit (Archiv
Kiessling. — Kihan, Lucas. ‚9
- No. 30). Ausser dieser Büste verfertigte er noch mehrere andere Büsten des Monarchen, die hinsichtlich der Ähnlichkeit und der sonstigen Ausführung gelungen sind. Auch vollendete er 1822 das Grabmal des berühmten Arztes und russischen Staatsraths Frank.
Nachrichten über diesen Künstler findet man in Hormayr’s Archiv 1821 No. 30, und einen Auszug in der Oesterr. National-Encyklopädie.
H16351111g » Landschaftsmaler in Düsseldorf, ein jetzt lebender Künst- ler, der sich Schirmer zum Muster nahm. Im Jahre 1836 lasen wir, dass er sich diesem seinem Vorbilde immer mehr nähere, was schon grosses Lob ist. .
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