Kurz nach Beendigung seiner Arbeit kehrte Hess in das Vaterland zurück, als ordentlicher Professor der Malerei an die königliche Akademie der Künste nach München berufen

Kurz nach Beendigung seiner Arbeit kehrte Hess in das Vaterland zurück, als ordentlicher Professor der Malerei an die königliche Akademie der Künste nach München berufen, wo ihm ein seinem Talente würdiger Wirkungskreis angewiesen wurde.

Nach seiner Rückkehr malte er im Göttersaale in der königlichen Glyptothek nach Cornelius Zeichnung Daphne, in den Armen des Apollo niedersinkend, neben ihr ist Eros, und der Lorbeerbaum, welcher hinter ihr emporsteigt, windet seine Zweige um Apollo’s Haupt. Auf einen Liebling des Apollo, den Cyparissus , deutet die im Grunde stehende Cypresse. In diesen Götterhallen waltete indessen P. v. Cornelius als unumschränkter Herr, doch bald gewann auch Hess ein freies Feld, um seine Eigenart zu entwickeln. Um der alten Kunst der Glasmalerei, welche seit einiger Zeit wieder die Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte, aber größtenteils bei unvollkommen gebliebenen Versuchen stehen geblieben war, Gelegenheit und Anmutung zu ausgezeichneter Entwicklung zu verschaffen, hatte König Ludwig 1827 beschlossen, einen Teil der Fenster im Dome zu Regensburg mit neuen Glasgemälden zu versehen, und Hess erhielt den Auftrag, die Cartons dazu auszuführen. Für den ersten Versuch der Glasmalerei wurden die zwei Fenster in der Fassade ausgewählt, zu beiden Seiten des Kreuzes befindlich, mit der hinter demselben angebrachten Rose ein Ganzbild bildend. Da jedes dieser Fenster außer den Verzierungen, welche die Spitze des Bogens füllen, seiner Breite nach in vier schmale Felder geteilt ist, so wählte der Zeichner für die vier Mittelfelder die Gestalten der Evangelisten als Hauptfiguren. In dem ersten Fenster wurde Matthäus und Lukas, in dem zweiten Markus und Johannes in beinahe 5 Fuss hohen Figuren nebeneinander dargestellt, und über ihnen ihre Attribute in altdeutschen Rahmen gelb in Gelb gemalt. Die beiden Seitenfelder eines jeden Fensters wurden mit Brustbildern verschiedener Heiligen in kleiner Lebensgröße, z. B. der vier Kirchenlehrer, Hieronymus, Gregorius, Ambrosius und Augustinus; dann einige der ersten Märtyrer und Märtyrerinnen, als Stephanus, Laurentius, Catharina u. s. w. ausgefüllt, welche gleichfalls in goldartigen, gemalten Rahmen gefasst, je vier und

Hess, Heinrich Maria.

vier übereinander zu stehen kommen. Die Räume zwischen den Rahmen und um die Figuren, wurden theils mit altdeutscher Ar- chitektur, theils mit Mosaik von rothen, grünen, violetten und gelben Stücken verziert, zumeist im Einklang mit den Ornamenten an den noch vorhandenen alten Fenstern des Domes, um dadurch einige Übereinstimmung der späteren Arbeit mit der früheren her- vorzubringen. Diese Cartons, mit Wasserfarben ganz in der Vol- lendung ausgeführt, welche die Glasgemälde erhalten sollten, er- warben sich durch die Correktheit der Zeichnung, die Einfachheit und Würde des Styls, den schönen, tiefen und frommen Ausdruck

der Köpfe und zudem noch durch ihre, für die Mittel und Grän- zen der Glasmalerei, äußerst zweckmäßige Anordnung den ausge- zeichnetsten Beifall. Frank und Schwarz haben die Fenster aus- geführt. Die übrigen Cartons wurden unter seiner Leitung von Ruben u. a. gefertigt.

Ein glänzendes Werk des Künstlers sind die erhabenen Male- reien in der Allerheiligen-Capelle, der neuen Hofkirche zu Mün- chen, welche durch L. v. Klenze auf ausdrücklichen Befehl des Königs im byzantinischen Style erbaut wurde. Hess stellte hier die Hauptmomente der mosaischen Geschichte und der christli- chen Dogmen in schöner und bedeutsamer Verbindung dar. Die malerische Verzierung musste dem Charakter des Gebäudes ge- mäß sein. Die Gemälde erscheinen daher auf dem Goldgrunde der Gewölbe und Kreise, in strengem Style gehalten, an die Mo- saiken des späteren griechischen Kaiserreichs erinnernd. Der

Wille des Königs war es, den oberen Teil der Kirche durch die

Malerei verziert zu sehen, und so erscheinen Pfeiler, Wände, Ge- wölbe und Kuppeln, so wie die Chornische mit reichen Darstel- lungen christlicher Gegenstände, nach Art der alten Basiliken, ohne farbige Hintergründe. Alles ist hier in schöner und bedeut- samer Verbindung, überall spricht sich ein tiefer religiöser Ernst aus, und der großartige Styl, welchen der Künstler sich für die- ses Werk gebildet hat, entspricht vollkommen der alterthümlichen Einfachheit der Anordnung.

Da das Schiff der Kirche in zwei Kuppeln, jede mit zwei Sei- tenlogen versehen, und in das Presbiterium sich teilt, so hat der Künstler den Cyklus seiner Darstellungen in drei Abschnitte ge- fasst; das alte und neue Testament und die symbolische Verklä- rung beider in der ecclesia triumphans,

Der Musikchor enthält zwischen reichen Verzierungen mehrere

allegorische und symbolische Gestalten der Künste und Wissen-

schaften in Bezug auf Religion. St. Cäcilia, die Repräsentantin der heiligen Musik, spielt die Orgel, und St. Lukas, der Altva- ter der christlichen Malerei, ist im Begriffe, die Madonna zu ma- len. Salomon mit dem Plane des Tempels von Jerusalem repräsen-

tirt die heilige Baukunst. St. Gregor mit der symbolischen Taube

ist der Vertreter der geoffenbarten Lehre und David, das Haupt der heiligen Poesie, dichtet seine Psalmen. Vier kleinere Figuren bezeichnen die Cardinaltugenden,

Das eigentliche große Epos beginnt in der Mitte der ersten

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