Kuppel, wo der Herr Israels, von Seraphim umgeben, als Mittel- punkt des ganzen alten Testaments erscheint. Mittelbar an die Seraphim schließt sich eine reiche Kranzverzierung mit acht Fel- dern, in denen die Schöpfungsgeschichte, das Paradies und die Vertreibung der ersten Menschen aus demselben vorgestellt ist. Den übrigen Umkreis der Kuppel nimmt die Geschichte Isaaks und
seiner Sühne bis zur Zerstreuung am Turme zu Babel, in vier
Hesls ‚ Heinrich Maria. — 2153
grösseren und kleineren Bildern ein. Noah’s Weinbau, dessen Schlaf, ham’s Fluch und Segen, und dann der Thurmbau, sind die kleineren Darstellungen zwischen den grösseren, mit dem Befehle Noah’s zum Bau der Arche, der Sündfluth, dem Ausgang aus der Arche und Noah’s Dankaltar. Außerhalb eines reichverzierten Bandes, wel- ches die Darstellungen umschliesst, sind an den vier Pfeilern und Zwickeln, welche die Kuppel tragen, die colossalen Gestalten der vier Erzväter angebracht, die Häupter der Offenbarung des alten Testaments.
Die erste Seitenloge enthält in der Mitte des Bandgewölbes den Bund Abraham’s mit Melchisedech und an der Hauptwand ist das Opfer Jsaak’s dargestellt, als Hauptvorbild des Opfers Christi, und daher mit der Kreuzigung correspondirend. Zur Rechten von diesem Bilde sieht Jakob im Traume die Himmelsleiter und gegenüber ist Jakob im Kampfe mit dem Engel. Zwei kleinere, grau in grau gemalte, Bilder stellen die Verstossung der Hagar und die Verheissung Abraham’s vor.
In der gegenüberstehenden Seitenloge zeigt Moses dem Volke die heiligen Gesetztafeln, die ihm der Herr zum zweitenmal gege- ben, und auf der Mitte des Bandgewölbes hat der Künstler den Moscheh dargestellt, wie er durch Wasser aus dem Felsen sein Volk vor Verschmachtung rettet, symbolisch die Rettung vom Tode der Sünde durch das Blut Christi. Mit kleineren Bildern, welche den Segen Isaak’s über Jakob, und Jakob’s über die zwölf Stämme enthalten, schliesst sich der gedrängte Cyclus aus der Geschichte der Erzväter, und man gelangt in die dritte Periode.
Das mittlere Bandgewölbe, welches die erste Kuppel von der zweiten scheidet, enthält vorbereitende Gegenstände für das neue Testament. Auf den beiden Enden über den Pfeilern sieht man die Hauptpropheten Jesaias, Eremias, Ezechiel und Daniel, als die er- sten Verkündiger des Heilandes. Über den beiden ersten ist die Predigt Johannes in der Wüste, über den andern die Verkündi- gung Mariä angebracht, und in der Mitte sieht man die Anbetung der Hirten. Im linken Seitengewölbe hat der Künstler in Logen den Herrn vorgestellt, wie er die Kleinen segnet, links am unteren Ende ist seine Taufe im Jordan und gegenüber betet der Heiland im Garten zu Gethsemane. Grau in grau gemalt sind die kleinen Bilder mit dem Einzuge in Jerusalem, und die Erwe- ckung des Lazarus. Auf der Hauptwand dieser Nische ist Chri- stus am Kreuze vorgestellt. Die Seitenloge gegenüber umfasst die Begebenheiten von der Auferstehung an, diese selbst, wie der Heiland der Magdalena erscheint, und Thomas vor ihm, die Fin- ger in die Wundmale legend. Die Hauptwand zeigt das Ende seiner irdischen Laufbahn, die Himmelfahrt. Ein Bild grau in
grau schildert die Jünger in Emmaus, und Christus bei ihnen, das
andere die Erscheinung des Herrn bei den Jüngern nach der Auf- erstehung.
Hiermit ist der geschichtliche Cyklus des neuen Testamentes in diesen zwei Logen geschlossen und in der Kuppel führt uns der Künstler die triumphirende Kirche vor. In der Mitte erscheint Christus mit den Wundmalen im Siegeskleide von vier Gruppen singender Engel umgeben. Dann reihen sich die zwölf Apostel, symbolisch die Gemeinschaft der Heiligen. Gleich der ersten Kup- pel erscheinen hier, durch die symmetrische Anordnung bedingt, an den Pfeilern, welche diese Kuppel tragen, die vier Evangelisten mit ihren Symbolen, als Stützen der heiligen Ueberlieferung.
An diese Kupfer schließt sich das Heiligste, der Hauptchor, welcher vor der Nische zwei Bandgewölbe hat. An diesen sind die sieben Gaben des heiligen Geistes als ebenso viele „allegorische Figuren dargestellt, und die sieben Sakramente, in der Weise, wie sie gespendet werden. In der Nische selbst ist die Dreieinigkeit dargestellt, nach der älteren christlichen Weise. Christus im weißen Gewande, eine überlebensgrosse Gestalt, schwebt, von an- betenden Seraphim umgeben, und über ihm tritt die Halbfigur des Vaters mit dem Symbol des Geistes hervor. Unter dem Hei- land sitzt Maria auf dem Throne mit gefalteten Händen und halb- erhobenem Blicke. Zu den Seiten stehen, symmetrisch geordnet, Petrus mit dem Schlüssel und Paulus mit dem Schwerte, und ne- ben ihnen Moses und Elias, diese das alte, jene das neue Testa- ment andeutend. Als Seitenaltäre dienen zwei andere Nischen mit den zwei Heiligen: Ludwig und Therese, Georg und Hubertus, alle auf Goldgrund, wie die übrigen Bilder. Über den Heiligen ist der Heilands und die heilige Jungfrau.
Die Aufgabe, welche Professor Hess hier zu lösen hatte, war zu groß, als dass er im Stande gewesen wäre, innerhalb der be- stimmten Zeit mit der malerischen Ausschmückung allein fertig zu werden. Das Ganze ist von seiner Erfindung; zur Ausführung bediente er sich aber der Künstler Johann und Claudius Schraudolph, Karl Koch, Joh. Bapt. Müller, M. Seitz und Linden’s.
Die Malereien der Allerheiligen Kirche sind als die neuesten Werke unsers Künstlers zu betrachten, denn erst am Tage Aller- heiligen 1837 wurde die Kirche dem Publikum geöffnet. Den er- sten November 1826 wurde der Grundstein zur Kirche gelegt.
Die Wirkung dieser Malereien ist außerordentlich, und überhaupt sind die Gemälde dieser Kirche vielleicht das Beste, was die Kunst in dieser Sphäre hervorgebracht hat. Sie stimmen zur An- dacht und Begeisterung. AHess ist überhaupt einer derjenigen Künstler, welche den Sinn der Kirchenmalerei am tiefsten ge- fasst haben. Vor kurzer Zeit verlieh ihm der König den Orden des hl. Michael.
Die Madonna mit dem segnenden Kinde und zwei Engeln, aus der Anbetung der heil. drei Könige in dieser Kirche, hat H. Merz für den Frankfurter Kunstverein gestochen, fol. G.: Schreiner hat die Madonna der Hauptnische lithographirt.
Zu der Sammlung von Originalhandzeichnungen lebender bayerischer Künstler hat Hess selbst eine Madonna mit dem Kinde und zwei anbetenden Engeln in einer Landschaft lithographirt, fol.
Über die Frescomalereien der Allerheiligen Kirche in München existiert eine kleine Schrift (von G. H. von Schröter) München 1836.
S. Peter, Ritter, berühmter Schlachtenmaler, wurde 1792 zu Düsseldorf geboren und gleichsam in der Schule der richtigen Anschauung der Natur und des Lebens zu einer Stufe der Kunst herangebildet, welche nur den trefflichsten Landschaftern und Schlachtenmalern zu erreichen gegönnt ist. Sein Ruf ist europäisch geworden, und er bedarf keines weiteren Rühmens; nur führen wir aus seiner früheren Zeit, dass er die Feldzüge von 1813–1815 im Generalstabe des Fürsten von Wrede gegen Frankreich mitgemacht hat, um das Leben in den mannichfaltigsten Situationen zu erfas- sen, und im ruhigeren Kreise begegnete es ihm später in Wien, in Italien und der Schweiz, wo ihm überall auch die landschaftliche Scenerie reiche Studien bot. Als Resultate seiner scharfen Beob- achtung hat der Künstler eine bedeutende Anzahl trefflicher Bil- der geliefert, von denen ein großer Theil kriegerische Scenen und solche aus dem weniger bewegten militärischen Leben vorstel-
Hess, Peter. E. i$5
len, Er hat mehrere grosse Schlachtgemälde geliefert, umfassende
Bilder aus der bayerischen Kriegsgeschichte, und Hess selbst ist dadurch zum Historiker seines Faches geworden, der an Ort und Stelle seine Urkunden gesammelt hat. Bei ihm erscheint das Le- ben in tiefster Aufregung, oder wenn es gilt, auch in kalter Be- sonnenheit und Ruhe, Menschen und Thiere tragen in seinen Ge- mälden das Gepräge der lebendigen Natur, bis auf die geringsten physiognomischen Eigenheiten. Man erkennt in seinem Schlacht- gewirre Völker und Stämme, jede Pferderasse; Alles erscheint in seiner Eigenart. Dieses zu leisten ist aber nur ein Künstler im Stande, der seine Kunst nicht in der Werkstätte studiert, sondern gleichsam praktisch an Ort und Stelle der Darstellung selbst, in den Schlachten, kleineren Gefechten und anderen Sze- nen des Gräuels, denen Hess beigewohnt hat, so dass er das Leben im schrecklichsten Kampfe und in verschiedenen anderen Situationen mit ansehen konnte. Sein damaliges Leben mit und unter Völkern verschiedener Nationen war auch die Ursache, ihre Physiog- nomien, Formen, Bewegungen und Costüme mit dem sicheren Blick seiner genialen Einbildungskraft sich völlig eigen zu ma- chen. Dies alles zusammengenommen setzte ihn in den Stand, seinen kriegerischen Schilderungen so viel Wahrheit, Natur, Man- nichfaltigkeit und eigenartiges Leben mitzuteilen, das in allen seinen Werken den Beschauer anspricht und festhält. Auch in der Ausführung des Ganzen legt er hohe Meisterschaft an den Tag. In der Zeichnung der verschiedensten Lagen und Wendun- gen des Körpers, auch der schwierigsten, zeigt sich eine unge- meine Gewandtheit und Sicherheit. Die Figuren sind zu deutli- chen Gruppen verbunden. Seine Art der Beleuchtung ist äusserst wirksam; die Teile der Landschaft, das Wasser, der Vorgrund, die Luft mit dem aufwirbelnden Pulverdampf, Alles ist vortrefflich im Tone und in der Behandlung, mit der grössten Sicherheit und Leichtigkeit des Pinsels, breit, glänzend und bestimmt vorgetra- gen; im Grossen, wie im Kleinen, jeder Zug, jedes Pünktchen so ganz an der rechten Stelle, voll Bedeutung. Hess hat daher auch wahre Meisterstücke geliefert, und man kann sagen, dass er aus jeder neuen Schlacht mit neuen Lorbeeren eines frischen Trium-
phes zurückkehrte.
Bis zum Jahre 1817 malte Hess nur kleinere Bilder, verschie- dene ländliche, auch grösstentheils militärische Auftritte, ausge- zeichnete Werke ihrer Art, wie die polnischen Pferdehändler, die Reiter in der Scheune vor dem Gewitter Schutz suchend, die Rück- kehr der bayerischen Offiziere aus Russland, die Cosaken, welche ein französisches Dorf überrumpeln etc. Das letztere Gemälde stellte er 1817 zugleich mit der Schlacht von Arcis-sur-Aube aus, das erste Schlachtgemälde in grosser Dimension. Dieses ausgezeich- nete Bild enthält alle Vollkommenheiten, die wir oben ruhmten, und nicht weniger verdienstvoll ist die Vertheidigung der Kinzig- brücke bei Hanau durch den General Grafen von Pappenheim. Man sah dieses grosse Gemälde 1820 auf der Kunstausstellung in Mün- chen, neben vier anderen Bildern, welche abruzzische Bauern mit Packpferden und Eseln vor einer Schenke, ein Scharmützel zwi- schen französischen Dragonern und österreichischen Husaren, do- nische Cosaken mit gefangenen französischen Bauern und den Markt Partenkirchen mit der Aussicht auf die Zugspitze vorstellen. Auf der 1823 stattgehabten Kunstausstellung sah man von ihm ge- malt einen Bivouac österreichischer Truppen, die italienische Land- schaft mit der Kapelle bei Marino, und den wallachischen Pferde- fang. Ein Bild von grosser Dimension war 1829 wieder zu sehen.
Es stellt dieses den Engpass des Bodenbühls an der Tyroler Grenze, vor, wo 1805 eine kleine Schaar Bayern ein Unternehmen von seltener Kühnheit ausführte. Es ist dieses ein drittes Meisterwerk, das auf einem 11 Schuh breiten und 7 Schuh hohen Raume bis auf das kleinste Detail ein für Bayern merkwürdiges Ereignis schildert. Auf diesen Schlachtbildern sind immer zahlreiche Por- traite angebracht, und in einem anderen herrlichen Gemälde, wel- ches Graf Schönborn zum Andenken an die Grundsteinlegung der von ihm errichteten Constitutions-Säule ausführen liess, sind 30 der Anwesenden porträtmäßig gehalten und in lebendige Gruppen vertheilt. Bei Gelegenheit der Kunstausstellungen von 1832 sah man in München sein Gefecht bei Wörgl in Tyrol, das 1800 vorfiel, ein treffliches Bild, wie der Engpass des Bodenbühls im Besitze des Königs Ludwig, und genau beschrieben im Kunstblatt 1834. Im Jahre 1833 bot sich dem Künstler eine neue Gelegenheit, um Ruhm zu erringen, darin jenem Jahre zog Prinz Otto von Bayern in Nauplia als König von Griechenland ein, und Hess erhielt den Auftrag, diesen Einzug an Ort und Stelle zu zeichnen, und ihn dann zu malen. Im Jahre 1835 sah man dieses grosse Bild zuerst auf der Kunstausstellung in München, und es gewann allgemeinen Beifall, beim Volke wegen der interessanten Neuheit des Gegen- standes, und von dem gebildeten und verständigen Theile neben- bei auch wegen der meisterhaften Anordnung und Ausführung des Ganzen. Es ist dieses ein Gemälde voll des herrlichsten Contrastes in Mannigfaltigkeit des Costüms und der Physiognomik, in den scharf markierten griechischen Zügen, und den überseeischen Uni- formmännern. Hess verweilte neun Monate in Griechenland, und zu den Arbeiten, die er sich zur nächsten Ausführung machte, ge- hört neben diesem, von Hohe lithographirten Einzug Otto I., die Landung der bayerischen Truppen in Griechenland, die Huldigung und andere interessante Momente. Die Anzahl der Bilder, welche er geliefert, ist bedeutend, und wir können sie hier nicht alle verzeichnen. Jedes findet ungetheilten Beifall. Eines seiner neueren Genrebilder stellt eine Jagdgesellschaft vor, wie sie im
Walde gelagert ist, mit Portraitfiguren, und darunter auch jene des Künstlers selbst.
Hess ist Pensionär und Mitglied der Akademie der Künste in München, und wie sein Bruder Heinrich unter den Genossen, die auf die Wiedererweckung der ächten Kirchenmalerei hinarbei- teten, eine der ehrenvollsten Stellen einnimmt, so ist P. Hess das Haupt der Genremaler in München, so wie er denn überhaupt zu den ausgezeichnetsten deutschen Genremalern gehört. Er ist ne- ben den gefeierten Künstlern H. Vernet, Granet, Robert und D. Wilkie zu nennen.
Mehrere seiner Bilder sind durch Lithographie bekannt. In sei- ner früheren Zeit hat er auch einige Blätter mit Pferden und an- deren Thieren nach A. Van der Velde, Dujardin etc. radirt.
Ein späteres Blatt stellt das Innere einer Alpenhütte dar, in wel- cher ein junger Mensch die Sennerin liebkoset und ein anderer raucht. Links bläst ein Bauer die Flöte, und im Grunde sitzt ein Weib neben der Thüre, durch welche eine Kuh den Kopf reicht. Im Rande liest man: Die Maler auf der Alpe. H. 4 Z. 3 L., Br. 5 Z. 8 Z.
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