Klosters Miraflores , dass ein Maler Juan Flamenco, Johann der Flamänder, diese Gemälde im Jahre 1496 begonnen und vollendet habe. Er erhielt dafür, ausser den dazu nötigen Holztafeln, die ihn vom Kloster geliefert wurden, noch 26.735 Maravedis für sich und seine Gehilfen. Nun aber ist außer Hans Hemling in jener Zeit kein niederländischer Maler bekannt, der die Lobsprüche ver- dienen könnte, welche Don Alonzo jenen Gemälden in Miraflores zubilligte. Der Vorname des Meisters, die Wahl des Gegenstandes, die Eigenschaften, welche vorzugsweise an jenen Tafeln gerühmt werden, Alles dient dazu, uns in der Vermuthung zu bestärken, dass Hemling sie wirklich malte. Vielleicht haben selbst die- erwähnten deutschen Baumeister , Johann, oder dessen Sohn Simon von Cöln, Hemling früher gekannt und dessen Ruf nach Spanien veranlasst. Auch ist es denkbar, dass der junge Philipp von Spa- nien bei seiner Huldigung als Herzog von Brabant , welche in Lö- wen selbst vor sich ging, den berühmten Hemling dort ken- nen lernte, und ihn mit sich nach Spanien führte, einem Lande, wo auch späterhin die Meister seiner Schule in hohen Ehren ge- halten wurden. Vielleicht hat Hemling dort im Jahre 1499 sein letztes Werk vollendet, und liegt, da bei seinem hohen Alter keine Rückkehr in die Heimat denkbar ist, unter den Ruinen von Miraflores, neben den Gräbern der stummen Brüder begraben. Auch seine Gemälde existiren schwerlich noch in Miraflores; Feuer und Schwert haben oft dort gewütet, und man weiss gewiss, dass ein französischer General im Kriege den Befehl gab, das Kloster anzuzünden.
Wenn wir Descamps und selbst noch die neueste Beschreibung
von Antwerpen lesen, so finden wir auch in dieser Stadt dem Hemling Werke zugeschrieben; nämlich die Darstellungen aus dem Leben des heiligen Rochus in der St. Jakobskirche. Schnaase hält jedoch diese Bilder dieses Meisters unwürdig. Auch tragen sie die Jahrzahl 1517, während Hemling kaum den Anfang des 16. Jahrhunderts überlebt hat. Auch ist nicht bekannt, dass er in Antwerpen gelebt habe; auf dem einen der Bilder aber sieht man den Turm des Domes in Antwerpen und eine Säulenhalle des vormaligen Palastes der Inquisition, des jetzigen Justizgebäudes. Die Wache, welche den Heiligen ins Gefängnis führt, trägt die gelbe Kleidung der Wallonengarde, welche Antwerpen bis zu den neuesten Zeiten hielt. Der Maler dieser Bilder hat also hier ge- lebt, aber dieses ist Hemling nicht gewesen,
Bis jetzt war von Gemälden Hemling’s die Rede, welche teils die Niederlande, teils südlichere Gegenden bewahren, doch auch die Boisserge’sche Sammlung, jetzt ein Teil der königl. Pinako- thek in München, hat herrliche Tafeln dieses hohen Meisters, deren Anblick jedem die Wahrheit dessen verbirgt, was zum Lobe der übrigen gesagt werden kann. Zwei Flügelbilder in dieser Samm- lung, zu denen das Mittelbild fehlt, bildeten mit diesem einen, auf das Abendmal Bezug habenden Cyklus. Auf dem ersten dersel- ben erblicken wir den Patriarchen Abraham, der an der Spitze sei- nes Haushalts dem Könige Melchisedech entgegentritt. Die zweite Tafel zeigt uns den die Israeliten vom Hungertode errettenden Manna-Regen. Die Farbenpracht und der Effekt des Lichtes ist blendend. Ein anderes großes Gemälde Hemling’s in dieser Samm- lung ist vielleicht die reichhaltigste seiner Epopeen, welche er je malte. Dieses Bild allein für sich bildet eigentlich eine ganze Gallerie, worauf sich 1500 verschiedene Gestalten entdecken lassen. Dieses Bild ist kaum eine Landschaft zu nennen, es ist die treueste Abbildung des Lebens und der Welt, ihrer Herrlichkeit und Pracht, ihrer Mühe und Arbeit. Dem unbewaffneten Auge kaum sichtbar, stehen im fernsten Hintergrunde die weisen Könige des Morgenlandes, jeder auf seinem Berge, den wunderbaren Stern beobachtend. Sie ziehen herab, sie kommen näher und näher zu Lande, auf Strömen, wir sehen ihren ganzen Weg, ihr ganzes reiches Gefolge. Auf dem Calvarienberge sehen wir sie, wie auch die Legende es erzählt, alle drei, wenn auch auf verschiedenen Wegen angelangt, im nämlichen Moment zusammentreffen. Sie
erkennen Jerusalem, sie erblicken Jerusalem zu ihren Füßen lie- gend, und eilen nun vereint weiter. Wir sehen sie auf Brücken über breite Ströme ziehen, wir sehen sie bei Herodes einkehren, der ihnen den Weg nach Bethlehem bezeichnet. Dazwischen geht das Leben der Bewohner des Landes immerfort den gewohnten Gang; die Leute säen, ernten und tragen das Korn zur Mühle. Wir sehen Städte, Dörfer, Paläste u. s. w. Endlich erblicken wir im Vorgrunde die Könige am Ziel, seitwärts eine unbeschreiblich reizende Gruppe von Hirten, denen Engel das Heil der Welt ver- künden. Dann erblicken wir die heilige Familie auf der Flucht nach Ägypten, wir sehen die Krieger des Herodes, welche die Flüchtigen zu erforschen suchen; es folgt der Kindermord zu Bethlehem, und so nach und nach alle Hauptepochen des Lebens und Leidens Christi, bis zu dem Momente seiner Himmelfahrt. Nun folgt die Ausgießung des heiligen Geistes. Alle diese viele hundert, oft kaum einen Zoll hohen Figürchen bewegen sich, gruppieren sich, in unbeschreiblicher Wahrheit; keinem fehlt es an Ebenmass und Ausdruck, alle, bis in die kleinsten Einzelhei- ten, sind ausgeführt wie die feinste Miniatur. Nichts ist bunt
Vorsicht
Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.
Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.
Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_1ITrAAAAMAAJ