Kessels, Matthias

Kessels, Matthias, berühmter Bildhauer, wurde 1784 zu Maastricht geboren, und nach dem frühen Tode seines Vaters zur Goldschmiede- kunst bestimmt. Allein Kessels hing mit ganzer Liebe der Plastik an, und daher ergab er sich in Paris derselben ausschliesslich. Zuletzt unterbrach hier eine Krankheit seine Studien, und der junge Künstler begab sich nach Hamburg , wo sein Bruder Architekt ist. Im Jahre begab er sich nach St. Petersburg zu Camberlain, der ihm beinahe 8 Jahre Arbeit verschaffte, und endlich kehrte er 1817 wieder nach Maastricht zurück. Von da aus ging er wieder nach Paris, wo er Gelegenheit fand, vier Monate Girodet’s Schule zu besuchen, bis er endlich seine Reise nach Rom antrat, wo Kes- sels sich neben den berühmten Bildhauern jener Stadt ebenfalls einen rühmlichen Namen erwarb. Er führte im Atelier Thorwaldsen’s, nach den Modellen dieses Meisters die zwei schönen Basreliefs aus, die unter dem Namen von „Tag und Nacht“ bekannt sind. Auch bewarb er sich um den von Canova ausgesetzten Preis, der ihm auch zu Theil wurde, mit dem Bilde des hl. Sebastian, wel- cher in de Bast’s Annales du Salon de Gand p. 87 im Umriss ge- stochen ist. Der König der Niederlande begünstigte ihn auch mit einer Pension, und nun blieb dem Künstler volle Muse, seine Ausbildung zu vollenden. Man sah von jener Zeit an mehrere Werke, deren einige in den Privatbesitz übergingen. Berwich d’Alba erhielt einen allerliebsten Amor, der seinen Pfeil schärft, und für M. Poublon in Florenz stellte er den Genius der Künste in Marmor dar. Grossen Beifall fand sein ruhender Dioscuros, und noch allgemeineres Lob erwarb ihm später ein stehender. Die lebendige Bewegung aller Glieder, die gut gewählte Stellung, die Schönheit der Form mit ihren schwellenden Muskeln geben diesem Bilde hohen Werth. In Rom fertigte Kessels auch die Büste des Admirals Tromp, und hier entstand später die vortreffliche Gruppe, welche eine Scene aus der Sündfluth darstellt, Mann, Weib und Kind in colossaler Grösse, für einen Engländer ausgeführt. Der Vorwurf ist schwierig, aber Kessels hat seine Aufgabe auf geniale Weise gelöst, und in der ausserord. Beilage zur Allg. Zeitung 1836 No. 154 heisst es sogar, dass man, ohne in Uebertreibung zu fallen, behaupten dürfe, seit Michel Angelo sei in der christlichen Kunst kein so grossartiges Werk entstanden. Composition, Gefühl für schöne und richtige Zeichnung erheben diese Gruppe in die Reihe der ersten Werke der alten, wie der neuen Kunst. Allein nicht nur dieses sein letztes Werk verdient eine rühmliche Erhebung, auch sein Discuswerfer, den er für den Herzog von Devonshire ausge- führt, zeigt, dass Kessels die griechische Kunst, nicht nur verstand, sondern sie in ihrer ganzen Schönheit und Naivetät auffasste, und auf eine bewunderungswürdige Weise sie anzubieten wusste. Selbst Thorwaldsen, der erste lebende Bildhauer, hätte diese Figur nicht schöner geben können. Sein Kopf des Erlösers ist vielfältig wiederholt, und Abgüsse in Gips sind nicht allein in Italien, son- dern auch über ganz Europa verbreitet. Auch Christus an der Säule und der Madonnenkopf sind ausgezeichnet. Eine Venus von ihm ist seinen übrigen Leistungen in Nichts nachzustellen, und seine Kühnheit des Geistes offenbarte auch das Monument der Gräfin De Celles in einer Kirche Rom’s. In seinen Erholungsstunden mo- dellirte er Thiere mit einer Wahrheit und Lebendigkeit, die ihn auch in diesem Zweige der Kunst als Meister zeigt.

Kessels wurde in seinem Leben nicht durch glückliche Umstände begünstigt; eiserner Fleiss, ausdauernde Geduld, religiöses Gefühl und sein hohes Talent machten ihn zu dem ausgezeichneten Manne, der 1850 in der Kraft der Jahre durch den Tod von seiner Laufbahn

Ein Künstler, wie er, kommt selten oder nie in einem Jahrhunderte bei einer Nation zum zweiten Mal vor.

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