Kessel, Johann van, Maler, der Jüngere dieses Namens, angeblich des älteren Johann Sohn, geb. zu Antwerpen 1604, gest. zu Madrid 1708. Schon durch Johann des Älteren Namen empfohlen, zeichnete er sich bald in Madrid durch die gelungenen Bildnisse der Familie eines seiner Landsleute aus, der daselbst lebte und den Künstler in Schutz nahm. Eben dahiin wirkte auch ein von ihm ausgeführtes historisches Gemälde, in welchem er sein eigenes Bildnis anbrachte. Bald gewann er den vorzüglichsten Ruf als Portraitmaler, wurde mit Bestellungen überhäuft und erhielt selbst den Auftrag, die Königin Donna Maria Luisa von Orleans zu malen. Dieses letztere Werk gelang ihm so ausgezeichnet, dass ihn der
König 1686 zum Hofmaler ernannte. Doch beschränkte sich seine Kunstfertigkeit nicht auf das Portraitiren allein; er entwarf und malte ebenfalls historische Gegenstände, und zeichnete sich neben- bei auch in den leichteren Gattungen der Landschafts-, Tier-, - Blumen- und Früchtemalerei aus. Im Alcazar zu Madrid malte er Psyche, von Cupido in einen glänzenden Palast eingeführt, und Psyche in der Einöde von wilden Tieren umgeben, von denen ihm besonders die letztere Darstellung gelang. — Selbst der Tod der Königin Marie Luise brachte den Künstler nicht um die Gunst des Hofes, denn auch die nachfolgende Gemahlin des Königs, Donna Maria von Neuburg, schätzte ihn ungemein. Er malte sie und den König Karl II. zu verschiedenen Malen, und genoss die vorzüglichste Auszeichnung. Jetzt aber fing er an, von Kranklichkeit befallen zu werden. Er begleitete zwar nach des Königs Tod die Königin nach Toledo, konnte ihr aber nicht nach Bayonne folgen, sondern musste nach Madrid zurückkehren, und wurde durch seine Kranklichkeit in seinen Arbeiten und seinem Glück schwer gehemmt. Zwar machte er das Bildnis König Philipps V., allein sein Auge und seine Hand unterstützten ihn nicht mehr wie sonst, und es misslang. Palomino versichert aber, dass sich van Kessel van Dyck’s Styl so genau angeeignet habe, dass seine Portraits von denen dieses Meisters kaum zu unterscheiden seien, und auch häufig mit ihnen verwechselt würden.
Obgleich J. van Kessel der Jüngere nach den spanischen Quellen als Sohn des berühmten niederländischen Künstlers gleichen Namens angeführt ist, so entsteht doch gegen diese Behauptung ein nicht zu überwindender Zweifel daraus, dass Descamps einen gleichnamigen Sohn dieses Letztern gar nicht, wohl aber einen im Jahr 1660 gebornen Kessel, mit dem Vornamen Ferdinand, nennt. Erwägt man ferner, dass Van Kessel der Ältere im Jahr 1626 geboren, mithin nur 18 Jahre früher als sein angeblicher Sohn, geboren war, so möchte man wohl auf die nicht ungegründete Vermutung geführt werden, dass letzterer vielmehr sein Neffe gewesen sein könne, worauf dann die übrigen Zeitbestimmungen recht wohl eintreffen. Kunstblatt 1822, Meisel.
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