Kellerhoven, Moriz

Kellerhoven, Moriz, Maler und Kupferstecher , geb. zu Altenrath im Herzogthum Berg 1758, gest. zu München 1830. Er wurde nach dem frühzeitigen Tod seines Vaters von seinem Oheime in Düsseldorf erzogen, und von demselben, einem Geistlichen, zu gleichem Stande bestimmt. Daher widmete er sich bis zu seinem siebzehn- ten Jahre den wissenschaftlichen Studien, folgte aber nach dem Tode des Oheims seinem Hang zur Kunst, und vertauschte die Wissenschaft mit ernsten und eifrigen Übungen an der Akademie zu Düsseldorf, deren damaliger Direktor, Krahe, gerne des talent- vollen Schülers sich annahm. Nachdem er hier den größten Theil seiner Ausbildung vollendet hatte, ging er auf einige Zeit nach Antwerpen , und dort, im Anblick der großen Muster der nieder- ländischen Schule, mag er sich hauptsächlich für die Portraitmale- rei entschieden haben, die später sein ausschließlicher Beruf wurde. Ob er von hier aus nach London und Paris gegangen, ist nicht mit Gewissheit auszusprechen. Im Jahre 1779 ging er nach Wien, und nur die vielen Aufträge, die er dort fand, vermochten ihn 1782, eine Gelegenheit, Italien zu sehen, unbenutzt zu lassen. Der Bei- fall, womit er schon damals arbeitete, bewog endlich im Jahre 1784 den Churfürsten Carl Theodor, ihn nach München zu berufen und zu seinem Hofmaler zu ernennen. Seine meisten Werke bestanden bis dahin, außer einigen Gesellschaftsstücken in niederländischer Art und wenigen historischen Gemälden, in Portraiten, und am bayerischen Hofe ward nun dies letztere seine einzige Beschäftigung, da man allgemein die Treue seiner Auffassung und die Wahrheit seines Colorits bewunderte, und eine Menge von Bestellungen seiner Thä- tigkeit reichlichen Stoff und Gewinn bot. In Nebenstunden radirte er auf eine geistreiche Weise kleine Portraite in Rembrandt’scher Manier, welche von Kupferstichsammlern noch jetzt sehr geschätzt und gern aufbewahrt werden. Noch zahlreichere Aufträge erhielt er nach dem Regierungsantritte des Königs Maximilian Joseph. Das Portrait dieses Königs und der Königin Carolina ist häufig von ihm gemalt zu finden, und eines seiner größten und vollendetsten Bildnisse ist das für die hohe Schule zu Landshut gefertigte, welches den König im Krönungsornate darstellt, gegenwärtig im Sitzungsraume des Senats der Universität zu München. J. Rausch- mayr hat das Bildnis des Königs und der Königin gestochen. Ebenso malte er den König Gustav Adolf IV. und die Königin von Schweden während ihrer Anwesenheit in München, und neben mehreren Mitgliedern des königl. bayerischen Hauses malte er auch den Erzherzog Carl von Österreich, welchen Schiavonetti gestochen.

Als im Jahre 1808 die k. Akademie der bildenden Künste in München neu organisiert wurde, fand auch Kellerhoven, neben sei- nem ehemaligen Mitschüler an der Akademie zu Düsseldorf, dem Direktor von Langer, an derselben eine verdiente Stelle. Er ward zum ersten Professor der Malerei ernannt und mit der besondern Aufsicht über die Schulen beauftragt. Von nun an teilte sich sein Beruf in die Stunden, die er der Akademie, und in die, welche er seinen Privatarbeiten widmete. Ungeachtet seiner gemessenen Zeit entstanden unter seiner Hand noch zahlreiche Bildnisse, jedes spätere vorzüglicher als das frühere an Zeichnung, Colorit, pla- stischer Rundung und lebendiger Auffassung des Charakters, so

dass man von ihm mit Wahrheit sagen kann, er gehöre zu den wenigen Künstlern, die bis in ihr spätestes Alter nicht nur keinen Rückschritt, sondern fortwährend die merkbarsten Fortschritte ge- macht haben. Ausgezeichnet waren besonders in den letzten Jahren die Bildnisse mehrerer Mitglieder des höheren Clerus in ihrem Amts- ornate, grösstentheils in halber Figur, namentlich das des Bischofs

von Streber, welchem an Ähnlichkeit, markiger und kräftiger Be- handlung und täuschender Nachbildung der mannichfaltigen Stoffe von Seide, Samt, Blondin, Email und Edelsteinen, wenige zur Seite gesetzt werden können. Kellerhoven’s Pinsel liebte jenen brei- ten, freien und pastosen Farbenauftrag, welcher den großen Nieder- ländern eigenthümlich ist; es gelang ihm vorzüglich, in den späte- ren Jahren auf diesem Wege den vollkommenen Schein der Kör- perlichkeit und eine leuchtende, dabei aber durchaus wahre Färbung zu erreichen.

Bei dieser so glücklichen künstlerischen Thätigkeit lag er stets seinem Amte mit grösster Treue und Pünktlichkeit ob, und bis zu seinen letzten Tagen ermüdete seine Thätigkeit nicht. Wie in allen Verhältnissen, so äußerte sich seine edle Natur auch noch während der letzten Jahre seines Lebens in der warmen und lebendigen Theilnahme an allem, was Kunst und Wissenschaft, und das Leben der Völker betraf. Seine Kenntniss mehrerer Sprachen hatte ihm

schon seit langer Zeit den ehrenvollen Auftrag von der Königin

Caroline von Bayern verschafft, die Ankäufe für ihre reich ausgestat- tete Kunstbibliothek zu besorgen und hiedurch blieb er im bestän- digen Verkehr mit den neuesten Erscheinungen seines Fachs. Er hinterliess mehrere Töchter und einen Sohn, Joseph Kellerhoven, der sich ebenfalls der Malerei mit Erfolg gewidmet hat. Sein Bild- niss aus jüngeren Jahren befindet sich unter seinen radierten Blät-

tern. Sein Nachfolger in der Akademie ist Professor Joseph Schlott-

hauer geworden. Das Bildnis des Erzbischofs Frhr. v. Gebsattel

in München hat N. Muxel radiert, und jenes des Herzogs Wilhelm von Bayern Thelot gestochen.

Das des Bischofs J. A. von Riegg in Augsburg hat Hanfstängel lithographiert.

Kellerhoven’s Blätter sind theils mit breiter und fester Nadel

radiert, theils in Lavismanner ausgeführt, nach eigener Zeichnung

und nach anderen Meistern. Diese Blätter gab er jedoch nur als Versuche aus.

  1. Der Weise und der Knabe vor dem Spiegel, halbe Figuren, nach B. Manfredi, gut radiert, qu. fol. . Im ersten Drucke vor der Schrift,

  2. Die Alte, welche einem Jüngling Geld bietet, halbe Figuren, nach demselben, qu. fol. Gut radiert; im ersten Drucke vor der Schrift,

  3. Die Halbfigur eines Kapuziners, nach R. Mengs radiert, in 4,

  4. Rembrandt’s Vater in jungen Jahren, mit Stock und Pelzhaube, mit dem rechten Arm aufgelehnt, nach einem Gemälde in München radiert. H. 11 Z., Br. 8 3 Z.

  5. Der Mann mit der Pelzwüste, auf einen Stein gelagert, nach demselben radiert, 4. Im ersten Drucke vor der Schrift.

  6. Die Alte mit dem Buche in beiden Händen, nach Rembrandt, radiert, A

  7. Der alte Orientale im Lehnstuhle sitzend, nach Rembrandt’s Bild in München, 1795. M. 11 Z. 10 L., Br. 8 Z. 9, L. Radiert und Aquatinta, r m Üg

  8. Igie (lj):xzme mit dem Federhut, nach demselben, H. 7 Z. 10 L.,

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