Kapeller, Joseph Anton

Kapeller, Joseph Anton, Maler und Kupferstecher , geb. zu Imst in Tyrol um 1760, gest. 1806. Er war der Sohn eines Malers gleiches Namens, erhielt aber im Jahre 1774 bei Johann Georg Wibber oder Witwer zu Imst den ersten Unterricht, da sein Vater frühzeitig starb. Im Jahre 1775 kam er in die Schule des J. J. Zeiler zu Reute, blieb bei demselben bis zum Jahre 1782, und gegen das Ende des Jahres 1782 begab er sich nach Wien auf die k. k. Akademie, wo er die Mauer’sche Schule besuchte, auch andere Zweige des Unterrichtes sich zu Nutzen machte, und bald für einen der fähigsten und ausgezeichnetsten Zöglinge galt. Im Jahre 1782 gewann er durch einen in Öl gemalten schläftenden Faun den ersten Preis. Neben der Ölmalerei übte er sich in dieser Zeit auch mit vielem Glücke und Beifall im Miniatur-Malen. Nicht minder verlegte er sich auf die Kupferstecherkunst; er versuchte sich in verschiedenen Zweigen derselben; und hat hierin vorzüglich im Radieren gelungene Beweise seiner Geschicklichkeit gegeben. Sein nach Füger in Kupfer gestochenes Portrait des berühmten Laudon halten Einige für das Beste dieses Feldherrn.

Im Jahre 1787 erhielt er von dem fürstlichen Hause Jablonovsky unter sehr vortheilhaften Bedingungen den Ruf nach Warschau , um der durch die glücklichsten Anlagen zur Kunst und in der Folge durch eine hohe Ausbildung in derselben ausgezeichneten Prinzessin des Hauses Unterricht im Zeichnen und überhaupt An- leitung zur Kunst zu geben. Das leicht fassende Talent seiner Schülerin machte, dass ihm auch viele Zeit zu eigenen Studien und Arbeiten frei blieb; und so malte er eine grosse Anzahl Por- traite in Öl und Miniatur, die mit grossem Beifall aufgenommen würden. Die ausgebrochenen Unruhen störten seine ruhige Lage; er wurde gezwungen, selbst die Waffen zu ergreifen, und als gemeiner Soldat alle Schrecknisse der Belagerung von Warschau auszu- halten. Vorzügliche Verehrung hatte er für den General Kosziusko, wesswegen er sein Bildnis nicht nur gemalt, sondern auch in ge- schabter Manier in Kupfer gebracht und herausgegeben hat. Warschau’s Fall veränderte zwar nichts an seinen günstigen Ver- hältnissen im fürstlich Jablonovskischen Hause, wo er als Künstler nach Verdienst geschätzt und reichlich belohnt und als Mensch sehr geachtet wurde. Indessen ergriff ihn eine ausserordentliche Sehnsucht nach seinem Vaterlande; er leistete freiwillig Verzicht auf alle Vortheile seiner Lage in Warschau und reiste im Jahre 1794 nach Wien, und von dort nach Tirol, in seine Vaterstadt Imst. Hier verlebte er den grössten Theil der Zeit bis zum Anfange des Jahres 1796. Den übrigen Theil derselben brachte er vorzüglich zu Innsbruck und in Klagenfurt zu. An allen diesen Orten hat er viele ungemein schätzbare Portraite in Öl und Miniatur, auch mit Silberstift auf Pergament oder auf Crayon-Manier, und einige derselben in historischer Form verfertigt, von denen jedoch mehrere in der grossen Feuersbrunst zu Imst ein Raub der Flammen geworden sind. Nebenher zeichnete er Landschaften

nach der Natur, die er manchmal in Farben ausführte, und womit

er großen Beifall erhielt. In eben dieser Zeit ist auch das schätz-

bare Werk seiner Tiroler Trachten entstanden. Er hat sich da als

Figuren- und als Landschaftszeichner gleich vortheilhaft ausgezeich-

net. Unter seinem Nachlasse befanden sich die Original-Zeichnungen,

von ihm selbst mit grosser Sorgfalt und vortrefflich in Aberli’s

Manier illuminirt. Er fing auch an, diese Trachten selbst in Kupfer

zu stechen und ohne Colorirung in einer Art von Aquatinta her-

auszugeben, wovon er einige Abdrücke, doch ohne die Platten,

zurückgelassen hat. Sie sind später von J. Warnberger nach sei-

nen Zeichnungen radirt und illuminirt im dem privilegirten Kunst-

und Industrie-Comptoir zu Wien in 24 Bl. erschienen. Diese Tiro-

ler-Trachten sind noch immer unübertroffen geblieben, und an

Kunstwerth wohl auch nicht erreicht worden, nur muss man diese

nicht nach den Augsburger Nachstichen beurtheilen. Die Blätter

der Original-Ausgabe sind auch besser colorirt, als die späteren.

Hieher gehört noch ein vortreffliches Blatt, eine Gruppe von vier

Tiroler Landesvertheidigern, deren Compagnie Kapeller sich selbst

anreihte. Es hat die Unterschrift: So ziceht Edelmann, Bürger und

Bauer für’s Vaterland zu Felde. Unserer patriotischen Erzherzogin

Elisabeth gewidmet 1706 von einem Tyroler Schützen. Dieses Blatt

ist von Kapeller erfunden, radirt und illuminirt.

Im Jahre 1799 verehelichte er sich mit einem Fräulein v. Sigovsky,

die selbst eine gute Zeichnerin und Miniaturmalerin war, und nahm

seinen ferneren Aufenthalt in Wien. Auf der Hinreise malte er in

Passau das Portrait des dortigen Fürst-Bischofs,

In Wien verband er sich mit seinem Freunde und Landsmanne

Dr. Holer zur Gründung des bekannten Kunst- und Industrie-Comptoirs,

das viel Gutes und Schönes zu Tage förderte, sich in der

Folge aber als nicht vortheilhafte Speculation bewährte.

Kapeller gab vorzüglich die Auswahl der zu liefernden Kunst-

werke an, bestimmte die Künstler, durch die sie bearbeitet werden

sollten und setzte fast alle damals in Wien lebenden Kupfer-

stecher in beinahe allen Manieren: zu gleicher Zeit in Beschäftigung,

so entstand unter andern die Ausgabe seiner Tiroler Trachten.

Durch ihn erhielt damals auch ein junger hoffnungsvoller Künstler,

und Wiens erster Kupferstecher, H. Rahl, Unterricht im Kupfer-

stechen, und es gereicht Kapellern zur besondern Ehre, dieses

Meisters Lehrer gewesen zu sein. Letzterer stach zu dieser Zeit

zwei Blätter nach Miniaturen von Kapeller, Unschuld und Tugend

in der Unterschrift genannt. Ferner das Portrait des k. k. Generals

Kray von demselben Künstler gemalt. Kapeller fuhr aber auch selbst

fort, sich in allen Zweigen der Kupferstecherkunst mit mehr oder

weniger glücklichem Erfolg einzuüben, da er dies zur Beförderung der

Zwecke der Gesellschaft schritt nöthig und wesentlich fand. Neben-

her malte er viele Portraite in Oel und Miniatur, und auch in an-

dern Manieren, alle vortrefflich, und einige wohl unübertrefflich,

z. B. die Portraite des Generals Kray, des Adam Schmid, Eskheles, u. a.

Im Jahre 1802 zog sich K. seiner schwankenden Gesundheit wegen

von der Gesellschaft zurück, und kaufte in der Einoöde bei

Grätz ein Landgut. Auch hier hat er vieles gemalt, hauptsächlich

Portraite, unter denen jene des Grafen Atten und seiner Gemahlin

genannt zu werden verdienen. Den Winter brachte er in der

Stadt zu. Aus dieser Zeit ist auch ein grosser Theil von nach der

Natur gezeichneten steyermärkischen Gegenden, die, theils mehr,

theils weniger ausgeführt, sich unter seinem Nachlasse befanden.

Seine Gesundheits-Umstände blieben auch in Steyermark schwankend,

und führten endlich einen plötzlichen Tod herbei. Das

Nagler’s Künstler - Lex. VI. Bd. 34

Tyroler Museum besitzt von diesem Künstler eine schöne Kopie des Portraits des berühmten Wallensteins.

  1. Das Bildnis von Marschall Laudon, S. oben.

  2. Jenes von Kosziusko. S. oben.

  3. Die vier Tiroler Landesverteidiger. S. oben.

  4. Die Tiroler Trachten, 244 Bl. S. oben;

  5. Einige andere Blätter für das Industrie-Comptoir.

Vorsicht

Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.

Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.

Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_1ITrAAAAMAAJ