Kaiser, Friedrich, Kupferstecher , geb. zu Ulm 1770, gest. zu Wien 1810. Schon in den Jahren der Schulzeit zog er den Griffel den Büchern vor, und verrieth Neigung und Talent zur Kunst. Der
dreizehnjährige Knabe wurde daher zu Christian von Mechel in
Basel in die Lehre gethan, zu einem Manne, der damals im
Rufe großer Kunstgeschicklichkeit stand. Später fand er in Bertuchs
Industrie-Comptoir zu Weimar Beschäftigung und Unterhalt.
Von ihm sind viele Blätter in Bertuch ’s Bilderbuch und Loder’s anatomischen Tafeln, mehrere Contouren in Böttiger ’s Sabina, Falk’s
Abhandlungen, Vignetten und Kupferstiche in verschiedenen Al-
manachen. Er besuchte hierauf Paris , um Festigkeit, Richtigkeit
und Sicherheit in der Zeichnung zu erlangen, worin er sowohl in
der damaligen kaiserl., als auch in einer Privatakademie den besten
Unterricht fand. Durch unermüdeten Fleiss kam er nach und nach
dergestalt vorwärts, dass er 1811 eine von den für die Kunsteleven
ausgesetzte silberne Medaille und von dem berühmten Bervick das
Zeugniss erhielt, dass er bei früherer guter Anleitung ein vorzüglicher
Zeichner geworden wäre. Unter der Direktion dieses großen
Künstlers stach er mehrere antike Kupfer, die zu seinen gediegensten
Werken gerechnet werden können, und früher eine Melpomene
von Kalliope gekrönt, für die Galerie de Florence. Er fing auch
den Stich der St. vierge aux linges an; allein die Sorge für das
tägliche Brod zerknickte die Flügel des emporstrebenden Künstlers.
Im Jahr 1811 begab er sich nach Neapel, wo er aus Mangel an
täglichem Unterhalte reichen englischen Familien Unterricht im
Zeichnen gab, und mehrere Ansichten von Neapel und der Umge-
gend stach und colorirte; ferner in Pinelli’s Manier Scenen des
täglichen Lebens des neapolitanischen Volkes. Diese Costüme, zwölf
in der Zeichnung vorhanden, und davon vier gestochen, sind schätz-
bar. Fünfzehn Blätter für das Landschafts-Studium, welche Kniepp
mit kunstreicher Feder zeichnete, radirte er mit seltener Wahrheit
und Treue. (Grundlinien zur Landschaftszeichnung von Kniep
und Kaiser. Wien) Millin trug ihm bei seinem Aufenthalt in Neapel
Abbildungen für seine Kunstreisen auf. Nach einem Aufenthalt
von fünf Jahren ging er, von dem geliebten Bruder und dem ver-
storbenen Schlotterbeck eingeladen, nach Wien, und hier fertigte
er zu den von dem Fürsten Lichnowski unternommenen Denkmä-
lern altdeutscher Baukunst des österreichischen Kaiserstaates drei
Blätter, die sich durch reinen Stich auszeichnen. Unter Hammers
Leitung zeichnete und stach er einige Blätter zu den Fundgruben
des Orients, und anderes. In allen diesen Arbeiten wurde die Fertig-
keit, mit welcher Kaiser die kalte Nadel zu handhaben wusste, auch
von strengen Kunstrichtern gerühmt. Johann Passini stach nach
A. Klein’s Zeichnung sein Bildniss, Kaiser war akademischer Kupfer-
stecher.
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