Kager, Johann Mathias, * 1519
Leipzig 1836 S. ?, sind namlich Zeichnungen von diesem Künstler beschrieben, welche 1508 in Rom nach Rafael’s Gemälden ge- fertigt sind. Die eine stellt Gott Vater vor, wie er dem Adam ein Weib gibt, die andere ist aus Rafael’s Messe von Bolsena ge- zogen, nach der Gruppe von Weibern und Kindern und dem, Manne, auf den Stufen in Verehrung knieend. Es möchte wohl mit Sicherheit anzunehmen sein, dass diese Zeichnungen in Italien gefertigt worden seien, doch weiß man wieder nicht, wie lange der Künstler in Italien geblieben. Nach seiner Heimkehr ernannte ihn der Herzog Maximilian I. von Bayern zum Hofmaler ; es heißt aber, der Künstler hätte die Freiheit dem Hofleben bald vorgezo-
gen, und diese genoss er nicht in München , sondern in Augs-
burg, wo sein Wirkungskreis zu suchen ist. Bei Lipowsky kann man auch lesen, die kriegerischen Unruhen hätten ihm München verleidet; allein diese waren damals in München nicht von ‚der Art, dass sie die Künstler vertrieben, im Gegenteil war unter Maximilian’s Regierung in München für die Kunst eine Glanzperiode, An der Spitze der Künstler standen Pietro Candito und Hans Krumper, und vielleicht waren es diese, denen Kager entweder weichen musste, oder deren Nähe er ohne Eifersucht nicht ertragen konnte. Indessen war Kager ein so tüchtiger Mann, wie Candito, wie die Werke beweisen, welche sich in München und Augsburg von seiner Hand finden. In letzter Stadt konnte er anfänglich ge-
wiss kein größeres Vergnügen empfinden, als in München, denn einer Zunftneid verbot ihm sonderbarer Weise, in Öl zu ma- len, und doch blieb er bei aller Hemmung, was ebenfalls darauf hindeutet, dass er München mit Unwillen verlassen. Er sollte zu Augsburg nur in Fresco malen, und Facaden von Häusern verzie- ren, was damals sehr in Aufnahme kam. Zuletzt aber kümmerte sich Kager wenig mehr um das Verbot, und er malte mit seinem Gesellen Johann Ulrich Loth fleißig in Öl. In Öl auf Leinwand gemalt sind seine schönen Deckenstücke im goldenen Saale des Rathhauses zu Augsburg, und in der dortigen Rathsstube ist das jüngste Gericht zu Kager’s vorzüglichsten Gemälden zu zählen, Auch seine Geschichte der Jezabel ist dort zu finden. Im Dome zu Augsburg ist die Anbetung der Könige und die Auferstehung Christi von ihm gemalt, und auch in Privathäusern sah man einige Bilder. Seine Werke bereiteten ihm Ruhm und Ansehen, und desswegen wählten ihn die Bürger von Augsburg zum Bürger- meister. Doch nicht allein in Augsburg sind Gemälde von Kager, auch anderwärts finden sich solche. In der Metropolitankirche zu München ist das Altarblatt der Kreuzerfindung sein Werk. Die Kapuziner in Augsburg erhielten für ihre Kirche den Leichnam Christi im Schoße der Mutter, und für die St. Martinskirche zu Landshut malte er 1627 den heil. Andreas. Dieses Bild hielt man lange für das Werk eines italienischen Meisters vom ersten Range, bis man den Namen des Malers darauf entdeckte. In der St. Moriz Stadtpfarre zu Ingolstadt ist seine Erweckung des Lazarus, und für die ehemalige Klosterkirche zu Aldersbach malte er 1619 die heil. Jungfrau in der Glorie.
Kager war auch in der Architektur erfahren; dieses bewies er bei der Erneuerung der großen Klosterkirche in Zwiefalten, von 1623—1629. In dieser Kirche malte er auch Darstellungen in Fresco und Altarbilder.
Mehrere seiner Werke wurden gestochen; von F. Colignon der König Salomon und die Königin von Saba, hinter dem Rathhause in Augsburg über das Gefängnis gemalt; von L. Kilian der Hei- land, wie er in Wolken dem Jesuiten Jakob Ledesma erscheint,
und die 12 Apostel mit Christus und Maria; von W. Kilian St, Jakob, der die Mauren schlägt, und dann der Erzherzog Maximilian in der Schlacht bei Prag; von R. Sadeler St. Elisabeth und Kunigunde und andere Blätter; von M. Sackerer der Tod Abels, Christus bei der Samariterin; von Ch. Greuter der heil. Hieronymus etc.
Er fertigte auch Zeichnungen: für Raderi Ravaria sancta und für eine holländische Bibel: Het Nieuwe Testament etc. Verciert met veel schoone Figueren gesneden door Ch. van Sichem. 1646.
Dem Meister selbst werden folgende Blätter zugeschrieben: 1–4) Die vier Evangelisten in halber Figur, mit dem Zeichen M. K. und 1600, von Einigen fälschlich dem Johann Mauro Roverre zugeschrieben; vier Blätter. H. 3 Z. 9 L., Br. 2 Z. 7 L. 5) Die heil. Catharina. 6) Die heil. Ursula. 7) Die heil. Dorothea. 8) Die heil. Cäcilia. Die späteren Abdrücke dieser vier Blätter haben die Adresse des C. Greuther (C. G. exc.) Diese Halbfiguren sind mit dem Zeichen und der Jahrzahl 1603 versehen. 9) Die Taufe Christi im Jordan. Im Rande: Tingitur hic undis etc. H. 7 Z. 4 L., Br. 5 Z. 11 L. 10) Die Anbetung der Hirten 1601: quis novus alluet etc. H. 7 Z. ) L., Br. 6 A. Im ersten Drucke vor der Schrift. 11) Der Reiche mit Weibern an der Tafel unter einem Baldachin, auf der Erde der arme: Lazarus: Erat mendicus cupiens etc. H. 5 Z. 6 L., Br. 8 L. 12) Die heil. Familie, nach Otto Vänius: Quae est virgo etc. Oval, H. 4 Z. 11 L., Br. 4 Zoll 2 L. 13) St. Franz von Mönchen umgeben, in Wolken Christus und Maria, nach R. Bozzulo, kl. Bl.
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