Juvara oder Ivara, Philipp, Architekt von Messina, wurde aus einer alten, aber armen Familie geboren, und zum Geistlichen herangebildet. Allein das geistliche Gewand hinderte ihn nicht, zu Rom in Cav. Fontana’s Schule zu treten, und hier nun fing er an, von Neuem die Architektur zu studiren; denn Fontana sagte ihm: er müsse Alles bis dahin Gelernte ver-
lernen. Fontana sah hieraus die Neigung des Künstlers zum Übertreiben, die Begierde durch Neuheit in der Baukunst Ruhm einzuerzehmen. Er liess ihn daher Bauten kopieren, welche immer noch durch ihre edle Einfachheit und geschmackvolle Verzierung sich empfahlen. Juvara suchte auch wirklich der hellern Lehre zu folgen, allein er konnte an den Monumenten des alten Roms und Griechenlands keinen Geschmack finden, und noch kühner als Bernini suchte er ihnen im Gegentheile Trotz zu bieten. In dem Streben, diesem seine Sonderbarkeiten entgegenzusetzen, wurde er bizarr, und Turin ist hauptsächlich jene Stadt, zu deren Verschöne- rung er mit Guarini seine Erzeugnisse einer ausschweifenden Phan- tasie zur Schau stellte. Anfangs hatte er mit Armut zu kämpfen, bis sein Landsmann Pellegrini, der bei dem Cardinal Ottoboni im Dienste stand, ihn bei diesem einführte. Jetzt erwarb er durch
ut geätzte Scenen des kleinen, aber berühmten Theaters di Burat- tini sein dürftiges Auskommen, endlich aber berief ihn der zum Könige beider Sicilien ernannte Herzog von Savoyen nach Messina , um für ihn im Hafen einen Palast zu bauen. Dieses Gebäude gefiel dem König so sehr, dass er den Künstler zu seinem ersten Bau- meister ernannte. Jetzt eröffnete er in Turin seine glänzende Lauf- bahn, wo von nun an ein Werk um das andere den Namen Juva- ra’s verkündete. Er baute die unter dem Namen Superga bekannte Kirche und die Capelle der königl. Villa la Venerie, beide im über- ladenen Style jener Zeit. Sein Ruf war aber einmal gegründet, und daher berief ihn 1734 der König von Portugal nach Lissabon, um ihm den Bau der Patriarchalkirche und eines k. Palastes anzuver- trauen. Der Beifall, welchen er sich durch diese Gebäude erwarb, war glänzend, denn er stellte Prachtstücke hin, wie man deren nie in solchem Reichtume der Verzierung sah. Mit Schätzen über- häuft und mit dem Christusorden geziert, kehrte er über London und Paris nach Turin zurück, wo bald von Mantua, Mailand, Como u. s. w. Bestellungen eintrafen, die er auch alle erledigte, da Juvara ungemeine Leichtigkeit im Entwurfe besass. So machte er in der letzten Stunde vor seiner Abreise den Entwurf zu einer Stiege für Trinità di Monte, die man ausgeführt für ein Wunder erklärt hätte. In Turin baute er auch die Kirche St. Christina mit ihrer geschmückten Fassade, und auch die Kirche St. Amadeo ist sein Werk. Sein letztes Werk war der Plan zum neuen k. Palaste in Madrid, an der Stelle des alten abgebrannten Alcazar. Juvara ließ auch ein Modell in Holz ausführen, allein der Tod überraschte ihn 1735 zu Madrid vor dem Beginne des Baues, und J. L. Sac- chetti, sein Nachfolger, fertigte einen neuen Plan. Die Fassade des Palastes S. Ildefonso gegen die Gartenseite hin soll allein nach seiner Zeichnung erbaut sein. Seine Zeichnungen waren in großer Menge vorhanden und häufig bewahrte man sie hinter Glas und Rahmen, wie Milizzi sagt. Er nahm oft die nächst beste schlechte Feder zur Hand und zeichnete doch damit zu aller Ge- fällen. Wollte man aber Zeichnungen von seiner Hand haben, so musste man solche sogleich zu erhalten suchen, später gab er sie nicht wieder weg.
Man hat von ihm eine geätzte Sammlung von Cartouchen nach Bernini, Algardi u. a., unter dem Titel: Raccolta di varie Targhe. Roma 1715., 37 Blätter. Der Graf Baroni di Tavigliano gab 1753 auf 20 Blättern den Plan und die Abbildung der von Juvara erbau- ten Kirche des heil. Philippus Neri heraus. Ch. ab Alua und Berardi stach nach ihm und Antonio Gioli 1779 sieben Blätter grosse architektonische Compositionen, zum Theil Theater-Dekorationen, fol. und qu. fol.
Nagler’s Künstler - Lex, VI Bd., 33
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