Jouvenet, Nogl. — Jouvenet

Jouvenet, Nogl. — Jouvenet, Jean. 489

des Lazarus, die Vertreibung der Verkäufer aus dem Tempel, die Fahrt Christi, die letzte Oelung, Jesus bei Maria und Martha und die Ansicht des Hauptaltares in Notre- Dame aufbewahrt. Die Skizze zum Bilde mit Christus bei Simon war in der nun zerstreuten Sammlung des Conferenzrathes Bugge zu Copenhagen. In letzter Zeit seines Lebens hatte er das Unglück, am rechten Arme durch den Schlag gelähmt zu werden; doch bald war er der Unthätigkeit müde, und er fing mit der Linken zu malen an. Er brachte noch zwei bewunderte Werke zu Stande:

Das Plafondgemälde im zweiten Saale des Parlament-Hauses zu Rouen und das Magnificat im Chore der Kathedrale zu Paris ; Bald nach der Beendigung dieser Arbeit, im Jahre 1717, ereilte ihn der Tod.

Die gleichzeitigen Schriftsteller nennen Jouvenet den ersten Maler des Königs, ohne einen Nebenbuhler zu bezeichnen, der ihm diesen Ehrenplatz streitig machte. Er gehört auch im Allge- meinen zu den besten Meistern der französischen Schule. Er sah nie Italien ; er bildete sich nur durch fleißiges Studium nach der Natur, wie es sich besonders in seinem Fischzuge des heil. Petrus offenbarte. Man kann aber über diesen Künstler verschiedene Ur- theile lesen. Algarotti will ihm fast gar kein Verdienst einräumen; es scheint, dass dieser Kunstrichter nicht vergessen konnte, dass Jou- venet nicht in Italien gewesen, um durch das Studium der Antike den Sinn für Reinheit der Form zu wecken. Allerdings treten uns in seinen Gemälden nur französische Gestalten entgegen, und nicht gerade die wohlgebildetsten. Doch ist Jouvenet’s Zeichnung nicht so schlecht, als Algarotti sie macht. Er ist zwar oft manieriert, aber doch nicht ungefällig in der Zeichnung, und nicht selten gelang es ihm, einen großartigen Charakter zu geben. In der Er- findung besass er große Leichtigkeit, und in Behandlung des Hell- dunkels, so wie in Vertheilung der Massen von Licht und Schatten, verrät er große Geschicklichkeit. Die Färbung gefiel den Franzosen längere Zeit nicht sonderlich, denn der Künstler hatte kein so glänzendes Colorit, als einige seiner Vorgänger, und es herrscht darin ein gelblicher Ton. Übrigens aber liegt in seiner Färbung Kraft und Wärme. In der Linienperspektive, ge- brach es ihm ebenfalls, und auch das Studium der Architektur ver- nachlässigte er. Wenn er daher eine architektonische Verzierung notwendig hatte, so bediente er sich der Hilfe des berühmten Feuillet, der ihm die Prachtgebäude in den Hintergründen malte. Jouvenet hat immerhin unläugbare Verdienste, doch verdient er jenes Lob, welches ihm Watelet ertheilt, nicht in so hohem Grade, wie Watelet meint. In Jouvenet’s Kreuzabnehmung sei Guercino mit Carracci vereint, und dieses Bild würde früher in Rom als das vierte Meisterstück erklärt worden sein. Jouvenet scheint ihm auch der Mann zu sein, der alle grossen Meister herausgefordert hat.

In seiner Schule herrschte noch zum Theil ein edler Geschmack, der sich aber in diesem Zeitraume immer mehr verlor, bis die Kunst in gänzlichen Verfall geriet. Sehr gering ist die Anzahl derjenigen Männer, die sich in dieser Epoche als selbstständige und feste Künstler bewiesen. Restout, sein Schüler und Neffe, den er in der ersten Zeit seiner Lahmheit beständig um sich hatte, weil er im Unterrichte damals alleinige Entschädigung fand, folgte sei- nem Beispiele.

Eine bedeutende Anzahl von Werken dieses Künstlers wurden gestochen, sowohl Historien, als Bildnisse: von J. Andran der wunderbare Fischzug und die Erweckung des Lazarus; von L. Despla- ces die Abnehmung vom Kreuze, die Heilung der Kranken, die

Erhöhung des Kreuzes, St. Bruno; von G. Duchange das Gastmahl bei Simon, die Vertreibung der Käufer, die Erweckung des Sohnes in Naim; von A. Loir die drei Könige und der tote Christus am Fusse des Kreuzes; von St. Picart der Gichtbrüchige und derselbe von C. Vermeulen; von H. S. Thomassin das Magnificat; von Masquelier jun. die letzte Ölung für das Mus. Nap. C. Simonneau stach das Bildnis von Bourdaloue, Edelihk jene von Julius Paul de Lionne und von Claude de St. Marthe, etc. J. Trouvain hat sein Bildnis gestochen. S. auch Jouvenet jun.

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