Jones, Inigo

Jones, Inigo, berühmter Architekt , geb. zu London 1572, gest. 1651. Als der Sohn eines Wollenwebers ward er anfangs zu einem Schreiner verdammt, und wahrscheinlich wäre er mit seinem Hobel in Dunkelheit geblieben, wenn er sich nebenbei nicht auch mit der Landschaftsmalerei beschäftigt hätte. Solche Bilder sah der Graf Arundel, oder wie Andere wollen, der Graf William Pem- broke, und dieses verschaffte ihm die Protektion des einen oder des anderen. Man schickte ihn nach Frankreich , Flandern , Deutschland und Italien , um die landschaftliche Natur zu studiren und darzustellen; allein Jones fühlte sich mehr zur Architektur hingezogen, und diese war der Gegenstand seines eifrigsten Studiums.

on Heinrich VIII. an wurde in England der neuere in Italien gebildete Styl mit dem gotischen vermischt. Inigo trachtete aber in seinem Vaterlande die antike Bauweise einzuführen, da er nach

seinem zweiten Besuche in Italien eingesehen hatte, dass die Architektur durch das Wohlgefallen an Erblichung auf Kosten der wahren Schönheit sich von der Reinheit der älteren Weise ent- fernt hatte. Doch sprach auch ihn der Reichthum der römischen Architektur anfanglich zu sehr an, und daher sind die Werke sei- ner früheren Zeit nicht frei von Kleinlichkeit, und er gefiel sich in reichen Ornamenten. Mit der Zeit wurde aber sein Geschmack reifer, und er sah ein, dass er damit angefangen, wo die Römer zur Zeit des Verfalles die Architektur gelassen. In Italien wendete er sich zu den Ueberresten der Kaiserzeit und den spä- teren Werken des neuen italienischen Styls, aber in diesen weht der echte Geist der klassischen Architektur der Griechen nicht, und auch sein Vorbild Palladio – offenbar nur zu oft, dass er denselben nicht in seiner Tiefe erkannt. Dennoch verdankt ihm die englische Architektur bedeutende Fortschritte zum Besseren, zur klassischen Reinheit ist sie aber in jenem Lande bis auf den heutigen Tag noch nicht durchgehend gelangt. Auch Inigo Jones vermischte nicht selten gotische Elemente mit jenen der späteren italienischen Weise. So legte er in den Gebäuden italienischen Styls die Portale und andere Theile nach altdeutscher Art an, und diejenigen seiner Gebäude, welche das Gepräge der Grossartigkeit und Eleganz an sich tragen, mach- ten den größeren Teil aus. So wie er anfangs der Ornamentik zu sehr huldigte, so erscheinen manche seiner späteren Werke arm und gedrückt. Da, wo er sich dem Palladio am nächsten ge- halten, ist er immer noch am vortrefflichsten. Christopher Wren, der seine Bahn verfolgte, hatte einen feineren Sinn für Schönheit der Formen und tiefere Kenntniss der Mathematik, als Inigo; allein auch er liebte fremdartige Zusätze, Abbildungen von Bau- werken jener Zeit findet man in Britton’s Architectural Antiquities of Great Britain.

Inigo Jones erscheint als freiwaltender Künstler zuerst in Däne- mark, da ihn Christian IV. nach Copenhagen berief. Hier lernte ihn Jacob I. und die Königin Anna kennen, welche ihn als ihren Architekten mit sich nach Schottland nahmen. Auch Prinz Eduard bediente sich seiner Kunst, und nach dessen Tode ging er zum zweiten Male nach Italien. Nach seiner Rückkehr wurde er von dem englischen Hofe beschäftigt, doch waren die ersten Aufträge nicht gar glänzend. Er musste Gerüste bauen, Stonehenge (S. darüber Passavant’s Kunstreise in England) untersuchen und die St. Paulskirche ausbessern. Hierauf beschäftigte man ihn auf würdige Art; er musste einen Plan zur Vergrösserung von Whitehall vorlegen, Somersethouse mit einer Capelle versehen und die präch- tigen Decorationen zu den glänzenden Maskeraden in Whitehall angeben. Dann erbaute er den Palast des Grafen von Pembroke, Pishinbury in Hertfordshire und Thorney-Abbey. Sein Antheil an dem Baue von St. John’s College zu Oxford und von Charlton- house in Kent ist zweifelhaft. Als eines seiner besten Werke er- klärte man das k. Galleriegebäude in Whitehall, das aber nicht mehr steht. In London sind theils von ihm selbst, theils nach seiner Zeichnung gebaut: die Kapelle der Königin am Palaste von St. James, Surgeonshall und der Bogengang vom Coventgarden mit der Kirche daselbst. Ambresbury in Wiltshire baute Webb nach seinen Planen, so wie Chevening. Dann baute Inigo Guners- bury bei Brentford, Lindsey-House in Lincolnshire, Coleshill in Berkshire, Cobham-Hall in Kent, Grange, den Landsitz des Lordkanzlers Henley in Hampshire, und das Hospital von Greenwich erbaute Webb nach den hinterlassenen Zeichnungen dieses seines Lehrers.

Dann befasste sich Jones auch mit literarischen Arbeiten. Er arbeitete eine Beschreibung von Stonehenge aus und schrieb Anmerkungen über den Vitruv und Palladio. Letztere befinden sich in der englischen Ausgabe von Giacomo Lioni 1742.

Dieser Künstler starb aus Gram über das Schicksal Karls T., der ihn ehrte und zu grossem Ansehen brachte. Auch der Umstand, dass er ein eifriger Anhänger der römisch-katholischen Partei war, verbitterte ihm das Leben. Damals waren in England überhaupt trübe Tage.

W. Kent gab 1727 mit J. Warn in zwei Foliobänden eine Sammlung seiner Werke (The Designs of J. Jones etc.) heraus, und diese erschien 1770 in einer neuen Auflage mit französischem Text. Auch im Vitruvius Brittanicus sind Pläne von ihm. Man hat mehrere Biographien von diesem Künstler und die weitläufigste ist in der Biographia Britannica. Was die Kunstkritiken anbelangt, so sind sie nicht alle richtig gefasst, oft übertrieben im Lobe. Mizzia will im Saale des Banquetinghouse eine wahre Kunstjuwelen erkennen, wozu ihn freilich auch die Gemälde von Rubens und Van Dyck zu begeistern schienen.

Vorsicht

Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.

Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.

Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_1ITrAAAAMAAJ