Joänez oder Juanez, Vicente

Joänez oder Juanez, Vicente, eigentlich Vicente de Joanez, und fälschlich Juan de Juanez genannt, Historienmaler und Haupt der valencianischen Schule, aus welcher so treffliche Künstler hervor- gingen. Man glaubt, dass er in der Stadt Fuente la Higuera ge- boren sei; unbezweifelt ist dagegen sein Geburtsjahr , da der Bericht über die Beisetzung seines Leichnams angibt, dass er 1579 im 56. Jahre seines Lebens gestorben sei. Auch geht aus dieser Zeitbestimmung hervor, dass Joänez nicht Rafael’s Schüler gewesen sein kann, wie Palomino versichert, da dieser Künstler 1520 starb. Der Adel in den Charakteren, die Korrektur- heit der Zeichnung und andere Eigenschaften im Style des Joänez lassen jedoch keinen Zweifel übrig, dass er in Italien studiert haben und der Schule jenes großen Meisters gefolgt sei, allein nie wird man mit Palomino übereinstimmen, wenn er diesen Künstler in vielen Stücken dem Rafael gleich, in anderen aber sogar über denselben setzt.

Nachdem Joänez aus Italien zurückgekehrt war, liess er sich zu Valencia nieder und verheiratete sich mit Hieronyma Comes, malte aber auch noch in anderen Städten dieses Reiches. Man sagt, er sei sehr furchtsam gewesen, und habe sich, wie sein Zeitgenosse, Ludwig Vargas, durch die heil. Sakramente zur Ausführung jener Gemälde, die zur Verehrung in den Kirchen bestimmt waren, vor- bereitet. Dieses glaubt man von dem Bilde der Empfängnis der heil. Jungfrau in der Kirche der Jesuiten, welches auch gestochen worden ist. Der heil. Thomas von Villanueva, der seine Arbeiten sehr hochschätzte, trug ihm die Zeichnungen zu einigen Teppichen auf, die in Flandern gefertigt wurden. Sie werden in der Dom- kirche zu Valencia aufbewahrt und stellen die Mysterien des Le- bens Unserer Frau dar. Als er in dem Städtchen Bocairente eben die Malereien an der Altarwand der Parochialkirche vollendet hatte, verfiel er in eine schwere Krankheit, und nun übergab er 1579 sein Testament dem Notar der Stadt. Er starb am darauffolgenden Tage und ward in jener Kirche beigesetzt, bis er in Gemässigkeit seines letzten Willens in die Parochialkirche zum heil. Kreuze zu Valencia im Jahre 1581 geschafft wurde. In dieser Stadt wird ver- sichert, dass er außer seinem Sohne Johann Vinzenz noch

Joänez oder Juanez, Vicente.

Zwei Töchter gehabt habe, die ebenfalls Malerinnen gewesen seien, und Dorothea und Maria geheißen haben. Ihnen werden die

Malereien am Altare der ersten Kapelle zur Rechten in eben der Parochialkirche zum heil. Kreuze, in welcher der Vater begraben ist, zugeschrieben.

Das Verdienst dieses Künstlers gleicht im Allgemeinen dem der besten spanischen Maler jenes Zeitalters; und überdies zeichnet er sich noch durch die Zartheit, womit er die Haare und den Bart der Figuren malte, durch die Lieblichkeit und Anmut, die er den Bildnissen des Heilands gab, und durch andere Eigenschaften aus, wie durch die Richtigkeit der Zeichnung, die Einsicht in der Perspektive, durch die Kenntnis bei Anwendung der Verkürzungen, durch den guten Faltenwurf und andere Vorzüge, die den großen Maler ausmachen. Im Colorit folgte er der römischen Schule.

Palomino setzt ihn über Rafael, und andere Schriftsteller diesem gleich. Seine Richtung aber ist jener des Schoreel und B. Orlay verwandt, die im Einzelnen noch viel von dem gemüthvollen Wege der früheren Zeit hat. Kugler’s Geschichte d. Malerei II. 255.

Ehedem sah man in allen Kirchen Valencia’s Bilder von Joänez. In der Dömkirche befindet sich das Gemälde von der Taufe Christi, in der Kirche zum heil. Nicolaus ist, neben andern Bildern des Künstlers, welches zu den besten von Joänez Werken gehört, und das treffliche „Ecce homo“ an einem kleinen Altare, gegenüber der Kapelle des heil. Franciscus von Borja, ging in die Gallerie des Marschall Soult über, jetzt Besitztum des Königs von Frankreich. Ausser diesen befinden sich in dieser Kirche noch andere Gemälde, von Joänez, von denen aber etliche zweifelhaft sind. In der Parochial- kirche zum heil. Stephan sieht man ein Abendmahl und vier Gemälde aus der Lebensgeschichte des heil. Stephan. Ähnliche, oder dieselben, befinden sich jetzt in der Gallerie zu Madrid. In der Kirche zum heil. Dominicus ist ein schönes Gemälde auf Goldgrund, Unsere Frau mit dem Kinde in den Armen darstellend, welches man für ein ächtes Bild des Joänez hält, nebst dem Heiland am Tabernakel des Hauptaltares, und zwei Oratorien mit Flügeln. Der heil. Franciscus von Paula, in der Kirche dieses Heiligen (Les Minimos), auf dem Stabe gestützt stehend, ist ein sehr verdienstliches Bild, Andacht und Ehrfurcht erweckend. In der Kirche des heil. Augustin werden in der Sakristei sieben Tafeln von ihm aufbewahrt, Momente aus dem Leben des Herrn vorstellend. Der Heiland am Hauptaltare der Kirche des heil. Franciscus gehört zu seinen besten Werken, sowie der Schutzengel in seiner Kapelle. In der Parochialkirche von Fuente de la Higuera ist ein treffliches Gemälde an der Thüre des Hauptaltares. Die übrigen Gemälde, zwanzig an der Zahl, sind nicht so gut, und mögen wohl seinen Schülern zugeschrieben werden. Vorzuglich zu seinen besten Werken gehört der Hingang der h. Maria Magdalena, der sich an einem der Altäre der Dominikanerkirche zu Castello de la Plana befindet. Seine letzte Arbeit in der Parochialkirche zu Bocairente stellt die vier Kirchenlehrer dar. In der Eremitage zu St. Petersburg sind zwei Bilder von Joänez, die heil. Anna und der heil. Dominicus, wahrscheinlich Flügel

eines Altares. Beide Gemälde zeichnet sorgfältiger Fleiß und Fein- heit der Pinselführung aus; die Gestaltung hat die dem Joänez eigenthümliche Schlankheit, das Colorit ist voll Heiterkeit.

Im Auslande sind die Werke dieses ausgezeichneten Künstlers selten, doch mögen die unseligen Wirren dieser Zeit manches Bild des Joänez von der alten Stelle entfernt haben. Ein kostba- rer Schatz von spanischen Meistern kam bekanntlich in neueren Tagen auf Veranlassung des Königs Louis Philipp nach Paris, wir wissen aber nicht, welche sich von der Hand dieses Künstlers darunter befinden. Bermudez zählt diejenigen auf, welche sich zu seiner Zeit (1800) noch in den Kirchen Valencia’s und anderwärts befanden, später aber kamen mehrere in das Museum del Prado zu Madrid. Die Schätze dieses Museums liegen in Kupferstichen vor, und seit 1826 auch im Steindrucke, unter dem Titel: Co- leccion litografica de Cuadros del Rey de Espanna etc. litografiada por habiles artistas bajo la direccion de Don José de Madrazzo, — Con el texto por Cean Bermudez, dem Verfasser des Diccio-

‚nario hist. de los mas illustres profesores de las bellas artes en Espanna, dessen wir oben erwähnten. Unter den 17 Bildern von Joänez im Museum: soll die Legende vom heil. Stephan in 4 Bil- dern und ein Ecce homo das Beste seyn. Im Kunstblatte von 1827 sind viele Werke dieses Künstlers namentlich aufgezählt, und dar- auf verweisen wir denjenigen, der Näheres wissen will,

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