Jetzt war der Entschluss gefasst, Italien wieder zu betreten und in Rom das Leben zu beschließen. In Venedig hatte sie den Verlust ihres Vaters zu beweinen

Jetzt war der Entschluss gefasst, Italien wieder zu betreten und in Rom das Leben zu beschließen. In Venedig hatte sie den Verlust ihres Vaters zu beweinen, und ohne Verweilen reisten beide nach Rom , von wo sie nach Neapel gingen. Die Königin Karoline nahm die Künstlerin auf die freundlichste Weise auf, und gab ihr so ansehnliche Bestellungen auf neue Werke, dass sie bei den Aufträgen, welche sie von Kaiser Joseph II., der Kaiserin Catharina von Russland, dem Churfürsten Karl Theodor von Bayern und andern Grossen erhalten hatte, in grösster Verlegenheit war, wie sie so vielen ehrenvollen Anforderungen geziemend entsprechen sollte. Aber rastloser Fleiss, der Genuss der schönen Natur und des grossen Alterthums, häusliches Glück, emsige Religions-Uebung und der vertraute Umgang mit Reiffenstein, Volpato, Hackert, dem Kardinal Spina und andern ausgezeichneten Menschen der Zeit füllten von nun an die Stunden des zweckmässig eingerichteten Lebens dieser Frau. Sie genoss 40 Jahre beneidenswerthes Glück, bis der Tod ihres Gatten und der Ausbruch der römischen Revolution ihre Ruhe und ihr Vermögen erschütterten.

Nach 1802 genas ihr Herz wieder zu jugendlicher Fröhlichkeit, und in dieser Zeit malte sie die Jungfrau in der himmlischen Glorie für die Kirche ihres Geburtsortes, als religiöses frommes Angedenken. Am 5. November 1807 endete ihre Laufbahn, und im Pantheon wurde ihre Büste aufgestellt.

Angelika folgte nicht den Fusstapfen Mengs, obgleich sie einigen Unterricht von ihm genossen hatte. Sie erfreute durch die Leichtigkeit, der lieblichen Meisterkeit ihrer Composition zusagende Behandlung. Die Leichtigkeit, und Sicherheit, mit welcher sie sich in ihrer angenommenen Manier bewegte, ihre eigene Liebenswürdigkeit, die sich in ihren Werken durch eine sanfte Farbe und milden Ausdruck abspiegelte, verschaffte ihren geschichtlichen Gemälden von englischen Prinzen und Damen viele Bewunderung. Im Fache der Porträtmalerei hatte sie wirklich unläugbare Verdienste, da ihre Bilder dieser Art nicht blos die Aehnlichkeit, sondern auch den Geist auf’s Lebendigste wiedergeben, wie z. B. in Winckelmann’s Bilde, das auch im Kupferstiche bekannt ist. In ihren übrigen Werken gefällt die glückliche Wahl der Gegenstände, und in ihren Formen erkannte man Würde und vorherrschende Grazie; besonders in den Frauengestalten eine eigene unnachahmliche Weiblichkeit. Ihre Mannspersonen erscheinen züchtig; Helden und leidenschaftliche Charaktere konnte ihre an das Sanfte und Jungfräuliche gewohnte Seele nicht wiedergeben. Aber dennoch hat Angelika neben Mengs und Füger bedeutende Verdienste, die nur nicht mit jenem Massstabe gemessen werden dürfen, welchen man in unseren Tagen an die Werke der Kunst legt. Sie ist eine liebliche Erscheinung zur Zeit der dämmernden Morgenröthe eines besseren Geschmackes, doch blieb ihr Ziel verfehlt, wie jenes der beiden erwähnten Künstler. Sie strebte zwar nach einer naturgemässeren Auffassung, nach dem Ideale, allein die Künstlerin suchte dieses nicht in der uns umgebenden sinnlichen Offenbarung, sondern in Formen, welche

Man kann in mehreren Schriften Notizen über diese Künstlerin
finden, als falsch erklärte sie aber die Notizen im Manuel des curieux
et des amateurs des beaux-arts. Einige, wie Gering in seinen Rei-
sen III. 140., sprechen von ihrer Liebenswürdigkeit und ihrem stillen
Gemüth; wie jedes Bild ein Abdruck ihrer zarten Seele war, wie
sie unter dem schönsten fremden Himmel ein deutsches Gemüth
bewahrte, wie ihre Wohnung einem Musentempel glich, wie sie
das Andenken an ihre Schülerinnen, der Königin von Neapel, der
Kaiserin, der Grossherzogin von Toscana, mit Liebe in ihrem
Herzen bewahrte. In Beurtheilung ihrer Werke gehen Huber und
Rost, Göthe in seinem Winckelmann, Fiorillo u. a. ein. Ein aus-
führlicher Artikel über diese Künstlerin ist im National-Kalender
für Tirol und Vorarlberg 1822. Ihr Bildnis sieht man in der be-
kannten Künstler-Portrait-Sammlung zu Florenz, wohin sie es um
zwei Jahre früher gab, als Mme. Le Brun. Bescheiden, wie sie
war, einfach, gemüthlich, blickt Angelica auch aus dem Bilde,
Mme. Le Brun aber hat sich geschmückt, nach dem Wohlgefallen
des Beschauers sich umgesehen.

Angelica’s Gemälde sind zahlreich. Die Kupferstiche, welche nach
ihren Erfindungen und Portraiten von Bartolozzi, Reland, Scor-
domoff, Th. Burck, Bettelini, Delatter, Marcuard, V. Green, Louis,
R. Morghen, M. Picot u. a. gefertigt wurden, belaufen sich auf
600, die zu hohen Preisen weggingen.

Dann hat man von der Künstlerin eigenhändige Blätter, in 8.
oder 4., in späteren Abdrücken mit Boydell’s Adresse. Dieser liess
später die Blätter der Künstlerin in einen Band zusammen abdrucken.
— 1) Die Hoffnung, auf den Anker gestützt, Halbfigur, oval.
2) Das Weib über einer Urne weinend, Halbfigur.
3) Juno mit dem Pfaue am Altare, halbe Figur, 1770.
4) Hebe als Jupiters Mundschenkin, der Gott durch den Adler
charakterisirt, 1770.
Diese zwei Blätter hat sie auch in Lavismanier ausgeführt,
und 1780 herausgegeben.
5) Rinaldo von Armida mit Blumen bekränzt, im Grunde zwei Ritter.
Diese Platte hat sie auch zum Drucke in Bister hergerichtet.
6) Venus mit dem Leichnam des Adonis auf dem Schoß, hinter
ihr Amor weinend, nach A. Carracci, 1770.
Es gibt auch Abdrücke in Lavismanier.
7) Die Vermählung der h. Catharina, nach Correggio.
Die Abdrücke in Lavismanier sind mit der Jahrzahl 1780
versehen.

8—9) La Penserosa und L’Allegra, in Lavismanier: und Bister ab-
10)
11—12) Urania mit dem Himmelsglobus, und die Einfalt mit zwei
Tauben, Halbfiguren, mit Zucchi geätzt.
13) Ulysses und Calypso, letztere, wie sie den Himmel zum Zeugen
ihrer Liebe anruft, mit demselben geätzt.
14) Susanna von den Alten überrascht, anscheinlich eines ihrer
ersten Werke.
15) Die Ruhe auf der Flucht in Aegypten; der Engel hält eine
Schüssel. Halbfiguren, mit Brarucci inv. bezeichnet, aber der
Erfinder ist F. Vanni,

16a) Sappho mit Homer im Gespräch, nach A. Zucchi.

16b) Ein Weib mit dem Buche in beiden Händen, Halbfigur.

  1. Ein Mann im Turban auf Bücher gestützt, und in der Linken den Crayon haltend, Halbfigur.

  2. Die Frau mit dem Schleier auf dem Kopfe, die Hände auf dem Buche, in welches sie blickt, 1770. Aetzdrucke und solche in Lavismanier.

  3. Die lesende Frau, halbe Figur.

  4. Ein junger Mann bis an die Knie gesehen, den Kopf auf die Linke gestützt und nach rechts sehend.

  5. Ein sitzendes Weib, den rechten Arm auf einen Stein gestützt, Kniestück. Geätzt und in Bister.

22a) Das sitzende Weib im Haarflechten begriffen, Kniestück, 1765 in Bologna gefertigt. Die Abdrücke in Bister sind von 1780.

22b) Das Weib auf Steinen sitzend; vom Rücken gesehen, Kopf und Füße bloß, 1770. Die Drucke in Lavismanier sind von 1780.

  1. Die Frau mit dem Bande, welches sie an die Haare flechtet, Halbfigur.

  2. Die Frau am Tische in einem großen Buche lesend; 1770.

  3. Zwei Alte über den Inhalt eines großen Buches raisonnierend, 1765; Halbfiguren.

  4. Büste eines Alten im Profil, die Linke auf das Buch gelegt.

  5. Büste eines Alten, geätzt, auch die Roulette ist bemerkbar,

  1. Kopf einer jungen Frau im Profil, 1768.

  2. Büste eines Weibes im Haarputz, im Profil 1770.

  3. Büste Rafaels mit der Mütze, nach links gerichtet.

  4. Das Bildnis Winckelmanns, Halbfigur von vorn genommen, am Tische, im Begriffe zu schreiben, den Kopf nach rechts ge- richtet. Geätzt, in der Lavismänner nachahmend. Rom 1704, fol.

Dieses Hauptblatt ist im ersten Drucke vor der Schrift. Bei Weigel 1 Thlr.. 20 Gr. V —

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