Jaquotot, Marie Victoire

Jaquotot, Marie Victoire, berühmte Porzellanmalerin, wurde zu Paris geboren, und wenn wir in der Kunstgeschichte um den Zustand der modernen französischen Schmelzmalerei uns erkunden, so tritt uns Mme. Jaquotot zuerst entgegen. Sie war es, welche die Kunst auf Porzellan zu malen zur bewunderungswürdigen Vollkommenheit brachte, so dass die berühmtesten französischen Meister ihr Staunen nicht bergen konnten, über eine Kunst, die früher in Frankreich nicht viel höher geachtet wurde, als die Stickerei und andere, die Malerei nachahmenden, Arbeiten. Sie drang in die Geheimnisse der Farbenbereitung und ihres Auftrages ein, und nach immer glücklicheren Versuchen gelang es ihr end- lich, auf dem Porzellan eine Frische und Harmonie der Farbe hin zu zaubern, wie man früher in Frankreich nie gesehen. Die Erzeugnisse dieser Kunst zogen schon Napoleons volle Aufmerksam- keit auf sich. Der Kaiser ernannte sie zu seiner Cabinetsmalerin, und als er einige der ausgezeichnetsten Maler Frankreichs zu Mitgliedern der Ehrenlegion ernannte, schickte er der Mme. Jaquotot eine grosse goldene Medaille. Sie führte jedoch den vom Kaiser verliehenen Titel nicht, nur jenen, in gleicher Eigenschaft, womit sie später Ludwig XVI. beehrte. Dieser König war der Künstlerin sehr gewogen, und in der Manufaktur zu Sèvres, als sie ihm die Co- pie nach Rafael’s Belle Jardiniere überreichte, sagte er ihr die schmeichelhaften Worte: „Wenn Rafael noch lebte, Madame, würden Sie ihn eifersüchtig machen.“ Diese Künstlerin verwendete ihr Talent meistens zur Nachbildung der Werke grosser Meister des Altertums, obgleich sie auch selbstschöpferisch ist. Vorzugs- weise suchte sie Rafael’s Werke der Nachwelt in getreuen Copien zu überliefern. Sie gab uns dessen Grazie in allem ihren Reiz wieder, so wie denn alle ihre Nachbildungen den Geist der Ori- ginale atmen, bis auf die feinsten Aufstufungen der Töne, klar und zart verschmolzen. Besondere Stärke besitzt sie in Darstellung der nackten Figuren und hierin hat sie einen Vorzug vor ihren Mitbe- werbern, unter welchen wir nur A. Constantin nennen wollen. Im Jahre 1837 befand sich diese Künstlerin in München, und da sie hier einige ihrer Malereien zur Ausstellung brachte, so bot diese Gelegenheit einen interessanten Vergleich der Erzeugnisse der bayerischen Porzellan-Manufaktur mit jenen der gepriesenen Pari- ser Künstlerin, Die Anstalten zu München und in Sèvres stehen beide auf einer hohen Stufe und die Schmelzmalereien der ersteren durchaus nicht im Nachteil vor jenen der französischen. Der Vergleich hat gezeigt, dass Ch. Adler, Heinzmann, M. Auer und Lefeubure der Mme. Jaquotot in ihren Leistungen nicht nachstehen. Als Beleg hiezu gilt der prächtige Service mit den meisterhaften Platten, über welchen im Artikel Ch. Adler einige nähere Hinwei- sungen sich finden.

Mme. Jaquotot malte für Napoleon mehrere Dejeunés, womit auswärtigen Höfen ein Geschenk gemacht wurde. Für die Kai- serin Josephine zierte sie ein solches Dejeune mit den verschiedenen Ideal-Köpfen der heil. Jungfrau, nach den Originalgemälden in der damaligen reichen Sammlung des Pariser Museums. Jedes Bild ist ein vollendetes Meisterstück. Beim Rücktritte von der glänzenden Bühne schenkte die edle Fürstin dieses Dejeune des vierges der Herzogin von Montebello als Andenken bei jener Trauer-Catastrophe.

Jardin, Carl d. ‚419

Ihre Arbeiten blieben stets im Kabinette des Monarchen gleichsam begraben. Unter die vorzüglichsten Arbeiten, die Jaquotot für Ludwig XVIII. verfertigte, gehört eine Reihe von Portraits berühm- ter Personen, grösstenteils aus der k. Familie, nach den Original- gemälden grosser Meister. Die vorzüglichsten, nach der Natur ge- malten Bildnisse, die man von ihr kennt, sind der Kaiser Napoleon im Krönungsamate, die Herzogin von Borry, Lord Wellington, die Gräfin Woronzow, die Gräfin von Pradel, und die Herzogin von Orkney. Die Fläche hat 8–10 Zoll Grösse. Der Triumph ihrer Kunst aber sind die grösseren Gemälde nach folgenden Meistern: Porbus hat ihr zum Vorbild gedient bei ihrer vorzüglichen Dar- stellung der ganzen Figur Ludwig IV. Von Rafael hat sie den oberen Theil der Madonna di Foligno nachgebildet. Ferner das große Gemälde der Jungfrau mit dem Kinde Jesus; dann die Madonnen unter den Beinamen „la Chaise, aux oeillets und la jardinière“ bekannt; und dann den oberen Theil der Gruppe der Vierge au poisson, die beiden letzteren in grossem Massstabe. Im Jahre 1820 erregte sie Bewunderung und Erstaunen durch die Nachbildung des unter dem Namen von Titian’s Geliebten bekannten Gemäldes, wovon Ticozzi behauptete, es stelle Alphons I. und seine theure Laura Bianti vor. Ihr nächstes Meisterstück war die vollständige Nachbildung des unter dem Namen „der grosse heilige Familie“ bekannten Gemäldes Rafael’s, das er für Franz I. verfertigte, und wobei er seine ganze Kunst aufbot. Die Künstlerin hat durch dieses Gemälde ebenfalls ihrem Ruhm das Siegel aufge- drückt. Charakter und Eigenthümlichkeit sind niemals besser wiedergegeben worden. F. B.

Ausser der grossen heiligen Familie ist noch ausgezeichnet: die nach Gerard, „la belle Feroniere“ nach Leonardo da Vinci’s schönem Gemälde, und das Bildnis des grossen Friedrich’s von Preussen, nach Vanloo. Sie bemühte sich in ihrer Copie der grossen heiligen Familie, der Madonna mit dem Fische, bei übrigens grosser Treue der Auffassung, den gedunkelten Ton der Originale heller zu geben, wodurch ihre Gemälde heiterer ausschienen als jene van Constantin, welcher an dem bräunlichen Ton hält, den seine Vorbilder in ihrem jetzigen Zustand haben; Eiag vortreff- liche Copie ist das Bildnis der Anna Boleyn, nach Holbein 1825 gemalt, so wie jene nach Gerard’s Corinna, 1826 meisterhaft aus- geführt, nach der Wiederholung für den Fürsten Talleyrand, der Corinna gegeben ist. Dieses Bild kam wo. nur die E mit der Copie der heiligen Familie in den Besitz des Königs; Sie co- pirte auch Van der Werff’s Catharina de Parc, die Danae von Girodet, und dessen Atala, die Prinzessin Anna von Cleve nach Van Dyck, etc. Die Anzahl ihrer Gemälde ist bedeutend und die meisten führte sie auf Bestellung der Regierung aus. Mme. Jaquotot ist aber nicht nur als Malerin ausgezeichnet, sie excellirt auch in der Musik. Auch in körperlicher Hinsicht hatte sie die Natur nicht stiefmütterlich bedacht. Sie hält ein Atelier für Damen. Von ihren Werken wurden mehrere im Kunstblatt von Dr. Schorn ausführlich gewürdigt.

Jaquin, Carl d. ‚419

Jardin, Carl d. ‚419

Ein treflicher Maler und Kupferstecher, wurde 1634, oder, wie Andere wollen, 1635, in Amsterdam geboren und von N. Berghem in der Kunst unterrichtet. Hierauf ging er nach Rom, wo ihm die Schilderent den Beinamen Bocksbart gab, und er hatte sich in dieser Stadt bereits grossen Beifall erworben, als er ins Vaterland zurückkehrte. Doch führte ihn sein Schicksal nach Lyon, wo er ein lustiges Leben gewöhnt, in Schulden geriet,

Jaydin, Carl du.

von welchen er sich nur durch die Heirat einer alten, aber rei- chen Witwe befreien konnte. Bald folgte der Überdruss und das zärtliche Täubchen wartete in Amsterdam, wohin er sich begab, bald vergebens auf den Gatten; denn du Jardin ging nach Italien und kehrte nicht wieder. Nach einem längeren Aufenthalte in Rom und Venedig starb er endlich 1678 in letzterer Stadt, oder wie andere glauben, in Rom, wohin er als bedeutend krank gebracht wurde.

Von C. du Jardin findet man in den vorzüglichsten Galerien Bilder. Sie sind von gewähltem Geschmacke und mit innigem Naturgefühl ausgeführt, trefflich impastirt, auf das Zarteste vollendet. Sie prangen in herrlichem Silbertone, in goldener Abendbeleuch- tung, oder es verbreitet sich erfrischende Kühle des Morgens über sie. Menschen und Vieh sind gleich vorzüglich dargestellt. Als Colorist ist er vollendet; doch brachte er es nicht zu gleicher Reinheit der Zeichnung. Er setzte sich öfter die gewöhnliche Wirklichkeit zum Muster und diese stellte er mit vollkommener Technik dar. Die historischen Bilder sind selten, denn er wandte sich früh zur Darstellung burlesker Gegenstände, zum Studium der Thiere, und zur landschaftlichen Scenerie; Seine Geschicklichkeit als Porträtmaler zeigt ein großes Bild von 10 F. Breite, welches die Bildnisse der fünf Vorsteher des Zuchthauses zu Antwerpen vor- stellt, alle in schwarzer Kleidung und meisterhaft behandelt. Dieses Bild ist mit der Jahrzahl 1669 versehen, und im Museum zu Antwerpen. Ein Meisterstück ist sein Calvarienberg im Museum zu Paris – und ein gleiches der Charlatan, welchen H. d’Anguillers 1783 um 18.500 Liv. für dasselbe ankaufte. Auf Kupferstichen nennt sich der Künstler K. du Jardin.

Du Jardin hat auch geistreiche Blätter geliefert, Meisterstücke ihrer Art, deren Bartsch P. gr. I. 161 ff. 52 beschreibt. Sie entstanden zwischen den Jahren 1652 und 60, und die ersten Abdrücke sind ohne Nummern, ohne Adresse des G. Falk und P. Schenk; die zweiten Abdrücke haben Nummern und die Adresse, und auf den dritten ist die Adresse verwischt; die vierten sind die schlechtesten.

  1. Das Titelblatt mit der ruinirten Fontaine, 1652. H. 5 Z. 6 L., Br. 5 Z.

  2. Zwei Maulesel, im Grunde ein Mann zu Pferd, H. 5 Z. 204 F 5 E.

  3. Die Kuh und das Kalb, erstere ruhend. H. 5 Z. 6 L., Br. 5 Z.

  4. Die zwei Pferde, das eine liegend. H. 5 Z. 6 L., Br. 5 Z.

  5. Die zwei Jagdhunde. H. 5 Z. 6 L., Br. 5 Z.

  6. Die zwei Esel, 1652. H. 5 Z. 6 L., Br. 5 Z.

  7. Die Ziege und die zwei Hammel, 1653. H. 5 Z. 6 L., Br. 5 Z.

  8. Die drei Schweine vor dem Stall, 1652. H. 5 Z. 6 L., Br. 5 Z.

  9. Die Waldburg, 1658. H. 5 Z. 7 L., Br. 4 Z. 5 L.

  10. Die zwei Männer und der Stein im Wasser, 1658. H. 4 Z. 5 L., Br. 5 Z.

  11. Der Mann, welcher die Schuhe anzieht, vor ihm ein anderer.

  12. Der Tempel auf dem Hügel am Flusse, 1658. H. 4 Z. 5 L., Br. 5 Z.

  13. Die vier Zicklein, rechts vorn zwei Zicklein. H. 4 Z. 5 L., Br. 5 Z.

  14. Die vier Hammel, zwei liegend, 1676. H. 4 Z. 6 L., Br. 5 Z.

  15. Die zwei Schweine, links ein solches auf dem Miste, H. 4 Z. 5 L., Br. 5 Z. 5 L.

  16. Die drei Schweine beim Zaune. H. 4 Z. 4 L., Br. 5 Z. 5 L.

  17. Die zwei Bäume mit bloßen Wurzeln, auf einer Erhöhung stehend, mit gekreuzten Stämmen, auf der Brücke zwei Ziegen 1659. H. 5 Z. 1 L., Br. 6 Z. 6 L.

  18. Flache Landschaft mit drei Baumgruppen, in der Ferne Berge von ungleicher Höhe, 1650. H. 5 Z. 1 L., Br. 6 Z. 4 L.

  19. Der Packknecht mit zwei Eseln, rechts im Grunde der Was- serfall 1660. H. 5 Z. 1 L., Br. 6 Z. 6 L.

  20. Die zwei Mauleseltreiber in der Landschaft mit dem großen Baume, 1656. H. 5 Z. 2 L., Br. 6 Z. 6 L.

  21. Landschaft mit quer durchlaufendem Fluss, im Mittelgrunde ein Bauer mit dem Hunde, 1650. H. 5 Z. 2 L., Br. 6 Z. 6 L.

  22. Der Ochsenhirt mit den drei Ochsen auf der Fläche neben dem Flusse, 1660. H. 5 Z. 3 L., Br. 6 Z. 6 L.

  23. Der Hirte hinter dem Baume, an dessen Fusse eine Kuh ruht,

  1. H. 5 Z. 7 L., Br. 6 Z. 7 L.
  1. Die zwei Ochsen auf der Wiese, 1655. H. 6 Z. 7 L., Br. 5 Z. 10 L.

  2. Die zwei Pferde am Karren, mit dem Monogramme, 1657.

  3. Der Ochse und der Esel. H. 5 Z. 10 L., Br. 6 Z. 10 L.

  4. Die Bäuerin im Wasser. H. 6 Z. 1 L., Br. 7 Z. 4 L.

  5. Das Schlachtfeld, im Vorgrunde ein Tödter, nackt hinge- streckt, 1652. H. 6 Z. 3 L., Br. 7 Z. 3 L.

  6. Der Maulesel mit den Schellen, und zwei Esel auf der Wiese,

  1. H. 7 Z. 3 L., Br. 8 Z. 3 L.
  1. Der Ochse stehend links gegen den Grund hin, und das lie- gende Kalb, 1658. H. 7 Z. 3 L., Br. 6 Z. 3 L.

  2. Die Hirtin, welche zum Hunde spricht, 1653. H. 7 Z. 3 L., Br. 8 Z. 3 L.

  3. Der Esel zwischen zwei Schafen, 1653. H. 7 Z. 3 L., Br. 8 Z. 3 L.

  4. Die Heerde von Schafen und Ziegen. H. 7 Z. 1 L., Br. 7 Z. 10 L.

  5. Die Kuh mit dem Kalbe zu den Füssen, hinter ihnen der Stier und in der Ferne zwei andere Kühe. H. 5 Z. 1 L., Br. 7 Z. 10 L.

  6. Das Schaf am Zaune von Schlingpflanzen liegend. H. 2 Z. 7 L., Br. 3 Z. 6 L.

  7. Das Schaf am Baumstamme liegend. H. 2 Z. 8 L., Br. 5 Z. 8 L.

  8. Das ruhende Schaf in der Nähe der Flanze mit grossen Blättern, 1655. H. 2 Z. 9 L., Br. 3 Z. 6 L.

  9. Das Schaf mit den Fliegen vor dem Kopfe, 1655. H. 2 Z. 7 L., Br. 3 Z. 7 L.

  10. Das liegende Schaf mit gesenktem Kopfe, im Grunde rechts ein Zaun von Pfählen und Stroh. H. 2 Z. 7 L., Br. 3 Z. 9 L.

  11. Die zwei Schafe, eines mit erhobenem Kopfe, das andere gegenüber liegend. H. 2 Z. 7 L., Br. 2 Z. 7 L.

  12. Der Hund und die Katze. H. 2 Z. 1 L., Br. 2 Z. 9 L.

  13. Das Schaf mit dem Lamm. H. 2 Z. 8 L., Br. 3 Z. 6 L.

  14. Die Familie, dabei ein Alter mit Bart. H. 2 Z. 5 L., Br. 1 Z. 7 L.

  15. Studien von Köpfen, in der Mitte ein Bauer zu Pferd, nur leicht angedeutet. H. 1 Z. 9 L., Br. 2 Z. 3 L.

  16. Der Hirte mit dem Hunde sich unterhaltend, in immer schwa- chem Drucke. H. 1 Z. 8 L., Br. 2 Z. 1 L.

  17. Der viereckige Turm über Gebäude emporragend. H. 1 Z. 9 L., Br. 2 Z. 1 L.

  18. Eine Landschaft mit zwei Ziegen. H. 1 Z. 9 L., Br. 2 Z. 1 L.

  19. Die Ziegen am Ufer des Flusses. H. 1 Z. 9 L., Br. 2 Z. 1 L.

  20. Der Bauer’ mit dem Packpferd. H. 1 Z. 10 L., Br. 2 Z. 1 L.

  21. Der Wagen vor dem Wirthshaus. H. 4 Z. 8 L., Br. 2 Z. 1 L.

  22. „Le Savoyard“ mit dem Hunde, 1658. H. 6 Z., Br. 53 L.

  23. Das Bildnis des Dichters de Voos mit Mütze und langen Haaren, im Mantel gehüllt. H. 6 Z., Br. 4 Z. 8 L. Dieses Bildnis ist sehr selten.

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