Jamitzer, Wenzel — ein kunstreicher Goldschmied

Jamitzer, Wenzel — ein kunstreicher Goldschmied , von dessen Lebensverhältnissen wir wenig Zuverlässiges wissen, und selbst die Frage nach Abstammung, Geburtsort und Jahr führt uns auf widersprechende Angaben. Neudörffer, der schon um desswillen höheren Glauben verdient, weil er noch ausserdem der besonderen

Freundschaft mit Wenzel Jamitzer und seinem Bruder Albrecht sich erfreute, bemerkt nichts über Stand und Geschäft der Eltern, gibt aber mit Bestimmtheit an, dass Wenzel zu Wien geboren sei. Sandrart und Doppelmayer nennen Nürnberg als seinen Geburtsort. Wien gehört also unstreitig die Ehre an, Jamitzer’s Geburtsort zu sein; und 1534 wurde er als Bürger und Meister zu Nürnberg eingeschrieben, von welcher Zeit an er emsig und mit allgemeiner Anerkennung in dieser Stadt wirkte. Er war verheiratet; ob aber der geborne Christoph Jamitzer nicht vielmehr Neffe, als Sohn Wenzel’s war, bleibt unentschieden. Jamitzer genoss die Ehre von Kaisern, Karl V., Ferdinand I., Maximilian II. und Rudolph II., zu ihrem Goldschmied angenommen zu werden; und von seinen Mitbürgern wurde er im Jahre 1573 als Mitglied des Rathes erwählt. Er erreichte ein Alter von 78 Jahren und starb 1585, nach Angabe des Todtenregisters des Sebalder Pfarramtes zu Nürnberg.

Der Name dieses Künstlers wird sehr abweichend geschrieben, und er selbst blieb sich darin nicht einmal gleich. Man findet demnach Gamitzer, Jamiczer, Jamnitzer, Jamniczer geschrieben. Als W. Jamitzer ist er in dem Bürger - und Meisterbuch eingetragen, und Jamitzer nennt ihn auch Paul Pfinzing, der seine perspektivische Maschine beschreibt, und so unterzeichnet er sich selbst unter der Dedikation seines perspektivischen Werks an den Kaiser; er steht auf dem Titel desselben. Diese Autorität scheint aber die entscheidende zu sein. Sonderbar und um der daraus gezogenen, ganz aus der Luft gegriffenen, Folgerungen willen ist aber die Verstümmelung, welche Jamitzer’s Name in dem Werke des Franzosen Malpe: Notice sur les graveurs etc. erfahren muss. Dieser berichtet von ihm: Jamnitzer, genannt der Janitchar, Kupferstecher und Goldschmied von Nürnberg etc. — reiste nach Konstantinopel, um allda zu arbeiten, kehrte aber bald in sein Vaterland zurück, wo er sich ganz der Kupferstecherkunst widmete etc. Uebrigens ist von einer Reise des Künstlers nicht das Geringste bekannt. — Ob J. bei seinen Silberarbeiten sich eines Zeichens bediente, ist ungewiss; auf dem ovalen Schaustück aber, das sein Portrait trägt vom J. 1584, wo er sich als 77 jähriger Greis selbst darstellte, finden wir unten am Arme die Buchstaben WI., und für dieses Zeichen spricht also die volle Authentität. Christ legt ein W I, oder ein I hoch und mitten in das W gestellt und dasselbe überragend, Wenzel Jamitzer zu.

Malpe zählt in seinen Notices etc. ebenfalls ein aus beiden Buchstaben zusammengesetztes Zeichen, wo das I zwischen das W hinein oder auch mitten durch dasselbe gezogen ist, als Jamitzer’s Monogramm auf, das er auf Kupferstichen dieses Meisters gesehen haben will. Das nämliche äußert Strutt im biographical dictionary und legt es als auf einem Holzschnitt vorkommend bei. Bruliot in seinem dictionnaire des Monogrammes bestätigt Christ’s Angabe, und fügt ein drittes bei, ein großes I, an welches ein kleineres W gespießt ist, auch noch ein viertes, wo das I gleichfalls durch das W geht, dessen Form aber ziemlich abgeändert, und wobei unten ein Messerchen als Holzschneiderzeichen angebracht

ist. Er vermutet, dass dieses Zeichen das von Malpä bemerkte seyn müsse. Das werthvollste seiner Bildnisse ist von Georg Pencz gemalt, kam aber 1700 leider nach Paris und kehrte nicht wieder zurück. Es hing sonst auf dem Nürnberger Rathause. Ein schön gestachenes Portrait Jamitzer’s findet man in dem Werke: die nürnbergischen Künstler, geschildert nach ihrem Leben und ihren Werken. Ill. Hist. Nürnberg 1822. Dieses ist nach dem oben angeführten ovalen Schaustücke copirt, welches das Zeichen Jamitzer’s trägt und seine eigene Arbeit ist. Es ist bei Will abgebildet. Nachrichten über andere Porträts Wenzel Jamitzer’s findet man in dem be- zeichneten biographischen Werke, S. 11 — 16. —

Obgleich zu Jamitzer’s Zeit manche kunstreiche Genossen leb- ten, als Hans Glimm, Hans Krug, Ludwig Krug, Melchior Bayer und Jakob Hoffmann, so gibt Neudörffer doch Jamitzer und sei- nem Bruder den Vorzug. Er rühmt die brüderlichen Gesinnungen Albrecht’s und Wenzel’s, und sagt weiter: „Sie arbeiten beide von Silber und Gold, schneiden beide Wappen und Siegel, in Silber, Stein und Eisen. Sie schmelzen die schönsten Farben in Glas und haben das Silberätzen am höchsten gebracht; was sie aber von Thierlein, Würmlein, Kräutlein und Schnecken von Silber gießen, auch die silbernen Gefäße damit zieren, das ist vorhin nicht erhört worden. Wie sie mich dann mit einer ganz silbernen Schmecken (Blumenstrauß) von allerlei Blümlein und Kräutlein ge- gossen, verehrt haben, welche Blättlein und Kräutlein also subtil und dünn sind, dass sie auch ein Anblasen wehig macht, Aber in dem allen geben sie Gott allein die Ehre.“ —

Doppelmayer äussert sich auf folgende Weise: „Jamitzer, ein Goldschmied, erwarb sich wegen seiner besonderen Geschicklich- keit im Zeichnen, Bosesiren, Bildhauen, Emailliren, Kupferstechen, Wappen, Steine und Siegel in Silber und Eisen zu schneiden, dann auch, dass er dadurch in seiner Profession sich als einer der geschicktesten Künstler hervorthat, überall einen grossen Namen, an den man noch an vielen Orten, absonderlich in Nürnberg, mit vielem Ruhm denkt.“ — Für die oben erwähnten vier Kaiser ver- fertigte er die kostbarsten Gefässe von Gold und Silber, auch viele mit Edelsteinen besetzt. „Er brachte,“ fährt Doppelmayer fort, „das Silberätzen und Stechen sehr hoch, auch das Giessen der kleinen Thiere, Gewürmer und Kräuter von Silber, womit man zu seiner Zeit die silbernen Gefässe auszuzieren pflegte, so weit, und vieles daran so subtil hervor, dass die Blättlein an denen, so man daran blies, sich ganz leicht bewegten. Er war der erste in Nürnberg, der mit einer besonderen Presse das Gold, Silber und andere Metalle in Formen so schön druckte, als wenn sie getrie- ben wären.“ —

Die gleiche Vielseitigkeit, wie Neudörffer an ihm rühmt, denselben Fleiss, dieselbe hohe Kunstbildung, legt ihm auch Will bei. In dem bereits angeführten Werke: die Nürnberger Künstler etc., ist ein Tafelaufsatz abgebildet, der von der hohen Kunstfertigkeit der beiden Brüder Zeugnis gibt. Er wurde sonst auf dem Rathause aufbewahrt, ging aber durch veränderte Zeitumstände in den Privatbesitz über. Die Höhe desselben beträgt 2 Fuss 11 Zoll. Die Zeichnung daran ist richtig, die Stellung ungesucht und passend, der Charakter, ohne gerade höchst graciös und im reinsten Style der Antike aufgefasst zu sein, doch so gut und frei von jener Uebertreibung, in welche bald nach Jamitzer so viele seiner Nachfolger sich verloren.

Dieser Künstler besitzt ebenfalls als Mathematiker Verdienste, und verfertigte viele wertvolle Instrumente. — Man rühmt seine

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