Jagemann, Ferdinand

Jagemann, Ferdinand, Historienmaler , wurde 1780 in Weimar geboren, und hier erhielt er auf der Akademie der Künste auch seine erste Bildung zum Künstler . Hierauf besuchte er Wien und Paris , und sein Vater, der verdiente, 1804 verstorbene, Gelehrte Ch. J. Jagemann, hatte noch das Vergnügen, in dem Sohne ein treffliches Talent entwickelt zu sehen. Auf der Weimarer Kunst-

ausstellung von 1803 sah man von ihm eine gute Kopie des Kin- dermordes von Guido Reni; größeren Beifall aber erwarben ihm im folgenden Jahre seine Kopien von Rafael’s Madonna di Foligno, der Madonna della Seggiola und jenes schönen Bildes, das unter dem Namen der Madonna von Loretto bekannt ist. Diese Gemälde hatte Jagemann in Paris kopiert, denn damals brauchte man nur nach jener Stadt zu gehen, um die Kunstschätze von bei- nahe ganz Europa zu schauen. Jagemann bewies in diesen seinen Nachbildungen ein strenges Studium der älteren italienischen Mei- ster, ein tiefes Eindringen in den Geist derselben, und er wurde daher im Journal des Luxus und der Mode, S. 497 und 408 desswegen mit besonderem Lobe erhoben. Vorzüglich zog die Madonna della Seggiola den Blick der Beschauer auf sich, und im Angesichte jener Rafaelischen Madonnen-Versammlung hegte man die Hoffnung, dass der Jüngling, welcher Sanzio’s himmlische Gestalten so zu verstehen und aufzufassen wusste, hohe Erwartun- gen befriedigen werde. Nach seiner 1805 erfolgten Heimkehr von Paris zeigte Jagemann, dass er auch im Portraite Treffliches zu leisten im Stande sei. Er malte den regierenden Herzog von Sach- sen-Weimar mit besonderem Glücke in Lebensgröße, und den un- sterblichen Schiller bildete er auf der Todtenbahre ab. Auch Göthe’s Bildnis malte er, dann jenes von Dr. Gall, und sein Portrait von Wieland hat H. Schmidt gestochen, für das Industrie-Comptoir zu Weimar. Dieses Bild hat M. Steinla für die Bildergallerie des bibliographischen Instituts zu Hildburghausen 1826 nachgestochen. Überdies malte Jagemann noch mehrere andere ausgezeichnete Personen in Weimar.

Im Jahre 1806 begab sich der Künstler nach Rom, um auch die Kunstüberreste jener Stadt zu studieren, und noch 1810 erscheint er im Almanach aus Rom. Er malte hier ebenfalls Bildnisse und auch Historien, und endlich kehrte er wieder ins Vaterland zurück. Dieses sah ihn später in der Reihe deutscher Freiheitskämpfer, so wie es ihm auch die Ehre eines trefflichen Künstlers zuerkannte. Im Jahre 1817 malte er ein 10 F. breites und 6 F. hohes Bild zur Feier des Reformations-Jubiläums. Es stellt Luther auf dem Reichs- tage zu Worms dar, in der Kirche zu Udestädt. Dieses merkwür- dige Bild ist einfach in der Composition, aber von kräftiger Wir- kung. Die Färbung ist wahr, lebhaft und doch harmonisch und in Zeichnung so wie in technischer Behandlung verdient es gleiches Lob. Für die Lutherische Kirche zu Carlsruhe hatte er 1820 die Himmelfahrt Christi gemalt, und auch in diesem Bilde zeigte der Künstler Geist und gründliche Studien, wie in allen seinen Werken. Im Jahre 1820 ereilte ihn der Tod. Er bekleidete die Stelle eines Professors und auch der Titel eines grossherzoglichen Hofrathes

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