Isabey, Johann Baptist, berühmter Zeichner, Miniaturmaler und Lithograph zu Paris , der schon in den ersten Zeiten des französi- schen Kaiserreiches Ruhm genoss. Er wurde um 1770 in Nancy geboren, und von David in der Kunst unterrichtet. Doch betrat er nicht gleiches Feld, wie der Meister, ihn zog besonders die Minia- tur- und Schmelzmalerei an, so wie er es auch liebte, Tagesereignisse und glänzende Handlungen des neuen Hofes in Zeichnungen darzu- stellen. Napoleon sah sich gerne durch die Kunst e'schmeicheln,
und da dieses Isabey nicht unterliess, so musste er bald das Augen- merk auf den Künstler richten, dessen Persönlichkeit und Charak- ter der Alleinherrscher so liebgewann, dass sich Isabey der Freund- schaft Napoleons rühmen konnte. Der Kaiser zog ihn oft in seine
Nähe, und außerdem, dass er fast das Monopol hatte, ihn selbst
und die Glieder seiner Familie im Kleinen abzuhilden, so musste
er im Gefolge des Kaisers öfter merkwürdige Scenen sogleich zeich-
nen, um sie demselben im Bilde festzuhalten. Zur Zeit des Kaiser-
thums nahm Isabey jeden Tag ungefähr 500 Fr. ein, indem er
kein Portrait unter 20 Louis malte, und von kaiserlichen Bildnis-
sen, deren alljährlich bei 200 zu Geschenken bestimmt waren, wurde ihm jedes mit 25. Louis bezahlt. Er erhielt für Miniaturportraite
wohl auch 10,000 Livr., und durch das Prachtwerk über die Krönungs-
feier Napoleons, welches in vier grossen Hauptblättern und in
vielen kleineren besteht, gewann er grosse Summen. Alle vorzügli- chen Personen in diesem Werke sind Porträite, so wie es der Künstler überhaupt nie unterliesse; bei Darstellungen von Feierlich- keiten zahlreiche Bildnisse anzubringen. In Porträite besitzt er
rosse Stärke; er war nicht zufrieden, die Äusserlichkeiten der
gestalt allein genau zu geben, es musste sich in derselben im- mer auch die geistige Eigenthümlichkeit in entsprechender Stellung und Gebärde, der Charakter des Individuums abspiegeln. Seine Bildnisse von Napoleon und der kaiserlichen Familie sind die
ähn-
Isabey, Johann Baptist.
In der Nähe jegliche Beobachtung zu machen und mit Ruhe das Bild zu entwerfen. Die Aufträge, welche ihm von verschiedenen Seiten zu Theil wurden, waren so zahlreich, dass er vier bis fünf Ateliers halten musste. Der Erwerb musste daher glänzend seyn, und der Künstler konnte einen Palast mit fürstlicher Pracht einrichten. Isabey verdient auch den Ruhm eines der ausgezeichnetsten Miniaturmaler. Seine Werke sind öfter von bedeutender Größe, immer aber ist die Zierlichkeit der Zeichnung, die Finesse des Pinsels und die Frische der Tinte zu bewundern. Der Kaiser ertheilte ihm auch Titel und Ehren. Zuerst erhielt er den Rang eines Peintre des relations exterieurs, dann wurde er Maler der Ceremonien, hierauf Cabinetsmaler des Kaisers, Direktor der Decoretionen der Oper, und als Napoleon seinen Thron dem Königthume überlassen musste, nahm ihn der König zu seinem Maler, und als solcher leitete er auch die Feste und Spektakel des Hofes. Isabey ist auch Offizier der Ehrenlegion, Mitglied mehrerer Akademien etc.
Neben den Miniaturbildnissen von Napoleon und seiner Familie und jener des Kaisers von Österreich hat man von Isabey ebenfalls solche von Ludwig XVIII. und von beinahe sämmtlichen Souverainen Europas. Isabey verfertigte um 1805 auch die ersten vollendeten Zeichnungen in der bekannten und beliebten Estampe-Manier, welche sehr viel Ähnliches mit den punktirten Kupferstichen hat, und zwar mit der damals ebenfalls neu erfundenen Oudonischen schwarzen Kreide. Seine Versuche waren so glücklich und so ansprechend, dass sie mit allgemeinem Wohlgefallen aufgenommen wurden. Ferner fertigte er viele Zeichnungen in Aquarell und Sepia, und als Hauptwerke dieser Art sind zu nennen: Die Revue des ersten Consuls, mit mehr als 30 Portraitfiguren zu Pferde, letztere von Vernet gezeichnet; die Zeichnungen der Kriegsfeierlichkeiten Napoleons; der Besuch des Kaisers mit seiner Gemahlin und anderen Personen in der Manufaktur der Brüder Sevenes zu Rouen, wo ihm ein Arbeiter vorgestellt wird, der 53 Jahre diente, 1804 ausgestellt; der Besuch des Kaisers zu Jouy; der Congress in Wien; die Stiege des Museums zu Paris, eine meisterhafte Aquarell, das maurische Arsenal; das Thal von Montmorency; Isabey’s Hahn etc. La Barque d’Isabey ist eine reizende Landschaft mit einem Flusse, auf welchem der Kahn mit des Künstlers Frau und dreien Kindern dahin gleitet. Er selbst rudert. Landon (Annales I. 250) gibt einen Umriss von diesem Bilde.
Als Meisterstück der Malerei auf Porzellan erklärte man die Blätter nach Percier’s Zeichnung, welche in der Mitte Napoleon im Ormate vorstellt, und um ihn herum die Büsten der Marschälle und Generäle von Frankreich, welche die Divisionen der großen Armee während des Feldzuges von 1805 commandirten. Auch die ganze kaiserliche Familie malte er auf eine große Porzellanplatte.
Ein reizendes Gemälde Isabey’s ist unter dem Namen La Tourelle bekannt. Ein Miniaturgemälde, welches Napoleon in Malmaison vorstellt, ist von Godefroy und Lingee in Punktir-Manier bekannt gemacht worden, und dieses Bild steht wegen der besonderen Ähnlichkeit des Kaisers im Ansehen. Es sind indessen alle seine Bildnisse Napoleons sehr ähnlich. In neuerer Zeit befasste er sich vorzüglich mit der Aquarell-Malerei. Dag 41 8
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