Ingres, Jean Auguste Dominique

Ingres, Jean Auguste Dominique, berühmter Historienmaler,

der neben Delaroche wie ein Herr an der Spitze einer eigenen

Schule steht. Er wurde nach Gabet (Dict. des artistes de l’école franq.

  1. 1781 zu Paris geboren, während in Füssly’s Supplementen

zum Künstlerlexicon Montauban als sein Geburtsort bezeichnet

wird; sein Vater, ein für seine Zeit geschätzter Maler in Mont-

auban, ertheilte ihm den ersten Unterricht, und dann ging der

Junge Ingres nach Paris, wo damals David den Ruhm seiner Schule

bewahrte. Im Jahre 1800 bestimmte das französische Institut eine

Preisaufgabe, welche aus der Geschichte des Ätiochus den Moment

zum Gegenstande hatte, wie der König dem Stipio Africanus

seinen im Kriege gefangenen Sohn zurücksendet. Ingres erhielt

bei dieser Gelegenheit mit Le Ducq den zweiten Preis; und der

erste wurde ihm 1801 zu Theil; in jenem Gemälde, welches die

Gesandten Agamemnon ’s bei Achillus darstellt in dem Momente, wie

sie ihn zu fernerer Waffenthat ermuntern. Bei Landon und Fio-

lla sind diese beiden Gemälde besprochen, und letzterer publiziert

dazu noch in Umrisse. Von dieser Zeit an sah man bei jeder Ge-

legenheit Bilder von diesem Künstler, und mehrere derselben sind

in Italien ausgeführt, wo sich Ingres lange aufhielt. Seine Werke

sind trefflich und er, selbst ein Mann von hohen Gaben. Deswe-

gen wurde über ihn viel gestritten, bis er endlich zu allgemeiner

Anerkennung gelangte. In Deutschland liess man ihm viel früher

seine glänzenden Verdienste, aber in Frankreich hatte er mit zwei

mächtigen Parteien zu kämpfen. Die Anhänger David’s sind längst

in anderer Ansicht gelangt, und man hält es allgemein, dass

die Kunst in Frankreich eine andere Richtung eingeschlagen.

Dabei ist besonders auch Ingres zu nennen, und er wurde durch

das Studium der älteren klassischen Muster und der Natur ein

Künstler ersten Ranges. Er gehört zu den wenigen französischen

Künstlern, die sich vom theatralischen Modell frei zu machen

wussten, und im Sinne der Alten aufzufassen, und darzustellen ver-

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