I—[er]uling, auch Méinling

I—[er]uling, auch Méinling, Memmelinck, Hans. 85

chen Schreibart des M, welches dem H ähnlich sehe, entstanden sei. Dieses H erscheint hier mit einem senkrechten Strich unter dem horizontalen Mittelstriche, und diese Form kann wie vor- hin erwähnt, wohl wirklich als M gelten, während sie in einer Inschrift bei Passavant (Kunstreise durch England und Belgien S. 358) wieder als H genommen wird. Im Namen unsers Künstlers auf dem Flügelbilde der heiligen drei Könige im Hospital zu Brügge erscheint diese Form als Anfangsbuchstabe im Worte Hem- Jing und als H im Worte Johannes, das M aber hat hier, wie in der Jahrzählung die gewöhnliche lateinische Form. Der Anblick der Inschriften auf den Bildern in Brügge scheint also eher für das H als für das M zu sprechen und ersteres kommt mit und ohne Strich vor. Einiger Zweifel bleibt immerhin übrig, und wir glauben da- her mit Schnaase (l. c. S. 350), dass der jetzt üblich gewordene Name: Hemling noch beizubehalten sein dürfte. Auch im Kunst- blatte (Nachrichten über die alt-niederländische Schule Nro. 86 1833) spricht sich Dr. Schorn für die ältere Leseart Henling aus, da selbst Passavant erwiesen hat, dass der zweifelhafte Buchstabe bald für H, bald für M genommen wurde. Auch der Klang des Wortes, dass vermöge seiner Endung ein deutsches ist, dürfte vor allen in Anspruch genommen werden, und dieser spricht ent- schieden für Hemling. Dr. Schorn stellt indessen die Vermuthung auf, dass der für Ausländer unbequem zu sprechende Namen Hemling schon bei Lebzeiten des Künstlers selbst in den Niederlanden Memling gesprochen worden.

Auch mit der deutschen Abkunft des Künstlers ist man nicht über allen Zweifel hinaus, und er dürfte auch nicht sobald gehoben werden. Schnaase sagt in den erwähnten niederländischen Briefen S. 227, dass der Umstand, dass in Constanz eine Familie Hemling gelebt habe, in welcher 1439 ein Sohn Namens Hans geboren ist, gegen die alte Tradition, welche den Künstler in Brügge ge- boren werden lässt, nichts entscheide, da jeder andere Beweis für die Identität beider Personen fehle; dass aber Hemling Deutsch- land, namentlich Köln wohl gekannt habe, gibt Schnaase zu. Köln war zu jener Zeit eine für die bildende Kunst höchst merkwürdige Stadt, und so wie jetzt junge Künstler nach Rom gehen, um ihr Talent auszubilden, so wanderten in älteren Zeiten die Lehrlinge nach den Niederlanden, wo schon im 13. Jahrhunderte in Köln und Mastricht die berühmtesten Malerschulen Deutschlands blühten, und im 15. Jahrhundert zog der große Ruf J. van Eyck’s alles an sich. Es ist also einerseits um so leichter erklärbar, wie Hans Hemling gerade nach Brügge kam, da dessen Lehrjahre eben in die Zeit fallen, in welcher Johann van Eyck die höchste Stufe seiner Kunst und seines überall verbreiteten Ruhmes erreicht hatte. Ob Hemling unmittelbar Schüler van Eyck’s war, lässt sich freilich nicht mit diplomatischer Gewissheit behaupten, die Vergleichung der Ge- mälde beider Meister macht es aber wahrscheinlich.

Der gelehrte Jacopo Morelli, Aufseher der Bibliothek St. Marco zu Venedig, gab im Jahr 1800 das Tagebuch eines anonymen Reisenden aus dem sechzehnten Jahrhundert heraus, unter dem Titel: Nötizia d’opere di disegno della prima metà del secolo 16 esis- tenti in Padova, Cremona, Milano etc. Dieser Reisende erwähnt mehrerer trefflicher Gemälde eines ultramontanischen Künstlers, die er in Padua und Venedig gesehen und den er Mamelino oder Memelingo nennt. Dass hier kein Anderer als Hemling gemeint sein kann, leidet keinen Zweifel, denn selbst Carl van Mander

Vorsicht

Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.

Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.

Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_1ITrAAAAMAAJ