Hübner, Rudolph Julius Beno, berühmter Historien- und Por- traitmaler, wurde zu Oels in Schlesien geboren. Seine Kunst- studien begann er 1821 in Berlin unter W. Schadow’s Leitung, und 1827 begleitete er mit Hildebrandt , Lessing und Sohn den Meister nach Düsseldorf , wo diese Künstler die neue Schule grün- deten; denn Cornelius war nach München gezogen, und dieser Meister hat daher die seinige auf bayerischen Boden verpflanzt. Hübner hatte bereits ein bedeutendes Talent entwickelt, und in seinen Bildern einen unzweifelhaften Sinn für das Liebliche ge- zeigt. Im Jahre trat er mit seinem Gemälde nach Göthe’s Gedicht „der Fischer“ hervor, einem Bilde, mit grosser Gewandt- heit und Freiheit der Technik ausgeführt, so wie er sie in frühe- ren Werken nie gezeigt. Nur fürchteten Kenner von dem noch
‚deutschen Mythe, welcher sich in unendlicher Reinheit der Liebe,
Hübner, Budolph Julius Beno.
immer indiscreten Gebrauche der Lasurfarben teilweise baldiges Nachdunkeln. Die Composition selbst war innerlich gefasst, in ihrer Anordnung vielleicht noch etwas ungewandt, besonders aber die Zierlichkeit und Lieblichkeit noch nicht ganz von dem Süß- lichen gereinigt und befreit. Doch keine Spur dieses Tadels wurde mehr angetroffen auf den wunderschönen Eckfiguren eines halb- kreisrunden Bildes nach Ariost, ohne Zweifel das Höchste von Adel und Lieblichkeit, was damals ausgestellt wurde. So werden diese Bilder in des Grafen Raczinsky Gesch. der neueren deutschen Kunst beurtheilt; der Fischer aber wurde auch in Berliner Blät- tern mehrfach besprochen, und überhaupt war dieses dasjenige Bild, das reichen Stoff zur Bewunderung und zur Kritik bot. Jeder musste aber hervorstechende Vorzüge anerkennen. Die mei- sten Beschauer nannten dieses eine überaus schöne malerische Bearbeitung, ein Bild, in welchem der Künstler den Geist der
ausspricht, trefflich erfasst hat.
Von dieser Zeit an vermehrte Hübner die Zahl seiner Bilder immer fort und er bildete seine entschiedene Weisung auf das Liebliche, Friedliche, Zarte und auf die Schönheit redlich aus. Auch in Rom sah er sich um, um die Meisterwerke jener Stadt kennen zu lernen, und er selbst lieferte fortan herrliche Bilder.
Zu den Hauptwerken des Künstlers gehört neben dem Fischer auch: Boas und Ruth auf dem Felde bei den Schnittern, Figuren in halber Lebensgrösse, im Besitze des Königs von Preussen; be- sonderen Ruf aber erwarb ihm sein Roland, der die Prinzessin Isabella von Gallizien aus der Räuberhöhle befreit, 4 Fuss hoch, 3 Fuss breit, dem Prinzen Friedrich von Preussen gehörig. Es ist hier aus Ariost’s vierzehntem Gesang der Moment dargestellt, wie Roland eine schwere Steintafel emporschwingt, um sie auf die Räuber zu schleudern. Das Bild ist farbrund, und die oberen Winkel enthalten sinnbildliche Vorstellungen: zur Linken über- gibt der Erzbischof Turpin dem Genius der Geschichte sein Buch „Vita Caroli Magni et Rolandi“, und zur Rechten empfängt die Poesie dieses Buch, um es dem Ariost zu überliefern, der neben ihr sitzt. In Raczinsky’s Gesch. der neuern deutschen Kunst I, 171 ist ein Holzschnitt von diesem Werke, und gegenwärtig be- schäftigt sich J. Keller mit dem Stiche desselben. Das Gemälde ist mit poetischem Geiste und mit der grössten Sorgfalt ausgeführt, Graf Raczinsky glaubt, dass kein anderes Bild Hübner’s besser den grossen Künstler bezeichne. An dieses Gemälde reiht sich jenes, welches die Naemi vorstellt, wie sie ihre Stiefmutter in die Fremde begleitet, ungeachtet des wiederholten Gebotes, sie zu verlassen, Aspa, die andere Tochter, hat schon weinend den Entschluss ge- fasst, heimzukehren. Dieses Bild malte Hübner 1830 in Rom; es gehört dem Kronprinzen von Preussen. Für den Berliner Kunst- verein malte er 1832 den lebensgrossen Samson, wie er die Säu- len des Gebäudes umreisst. Dieses Gemälde fiel bei der Verloosung dem Cabinetsrath Albrecht zu. Im Jahre 1835 vollendete er für
die neue Kirche der Stadt Meseritz ein Altarblatt, welches Chri-
stus in Wolken und unten die vier Evangelisten darstellt, gesto- chen von J. Keller in Raczinsky’s Prachtwerk. Dieses herrliche Gemälde kann nach Raczinsky’s Urtheil den besten alten Werken zur Seite gesetzt werden. Es ist klassisch, ohne eintönig zu seyn; der Styl darin ist gross, ohne Geziertheit. In den Gestalten der Evangelisten hält der Künstler sich getreulich an den überlieferten Vorbildern; ohne dass indessen der Ausdruck und die Bildung dieser Gestalten der Eigentümlichkeit ermangeln. Indessen ent-
In Bezug auf dieses Gemälde wurde bei allem Lobe auch Tadel nicht verschwiegen. Die Gewandung hielt man für mangelhaft, und zwischen der Gestalt des Christus und den Gestalten der Evangelisten herrscht eine große Verschiedenheit; es könnte scheinen, als ob das Gemälde von einem und demselben Künstler herrühre. Der Kopf des Christus ist von kleineren Verhältnissen, als die Köpfe der Evangelisten, und die Gliedmassen der Hauptgestalt sind zu dünn. So fand es Graf Raczinsky. Auch in Dr. Kugler’s Museum 1834 S. 153 ff. ist dieses Bild ausführlich besprochen. Graf Raczinsky gibt noch zwei allegorische Bilder im Holzschnitt, welche Hübner’s Talent vollends kennzeichnen, und uns die Richtung seiner Ideen zeigen. Das eine ist aus der Bibel gezogen, das hohe Lied Salomos darstellend, im liebenden Paare desselben; das andere stellt das goldene Zeitalter vor. Ein höchst anmuthiges Gemälde ist das Bildnis seines Kindes, das man 1834 auf der Berliner Kunstausstellung sah. Bei Raczinsky heißt es von diesem Bilde, dass man nichts Wahreres, nichts Unbefangeneres sehen kann, nichts besser Gezeichnetes und Gemaltes, Ausgezeichnet ist auch das Bildnis des Direktor Schadow, mit eben so viel Glück als Geist aufgefasst. Der Kopf ist vortrefflich modelliert, voll Wahrheit, und das Ganze auch in Klarheit und Transparenz der Farben so trefflich, dass das Bildnis als ein Meisterstück der Kunst betrachtet werden kann. Dieses Gemälde war 1834 vollendet, und in demselben Jahre malte er auch eine liebliche heilige Familie, ein höchst gelungenes Bild.
Im Jahre 1836 zog sein Christus an der Säule besonders die Aufmerksamkeit auf sich, ein Altarbild in der St. Andreaskirche zu Düsseldorf. Vorzüglich schöne, zarte, liebliche Gestalten sind auch seine im Walde schlafenden Kinder, über welche die Schutzengel wachen. Wer wissen will, ob sich gegen diese beiden, mit technischer Meisterschaft gemalten Bilder, auch die Kritik erhoben habe, der lese die Berliner Nachrichten 1836, Beilage 252.
Hübner ist Professor an der königl. Akademie in Düsseldorf und Mitglied der königl. Akademie in Berlin. In seiner Schule spricht sich dieselbe Richtung aus, die der Meister verfolgte.
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