Huber, Johann Joseph, Landschafts- und Marinemaler, geb. zu
Zürich 1752, gest. daselbst 1827. Gleichsam durch die Gewalt der
Umstände in die Künstlerlaufbahn hineingestossen, kam er als der
dritte Sohn eines Fleischers zu einem gewissen Felix Zimmermann
auf drei Jahre handwerksmäßig in die Lehre, denn der Meister
verstand nichts als das Anstreichen. Nebenbei zeichnete er ohne
Anleitung nach Kupferstichen, die Hertel in Augsburg herausge-
geben hatte. Sein Meister nannte sie die Blätter von Excudit.
Ist er 1771 aus der Zunft als Malergeselle ledig gesprochen wär,
kam er zu dem trefflichen Landschaftsmaler Wüest als Malerge-
selle, suchte aber nach Verlauf von zwei Jahren sein Glück in der
Fremde. In misslichen Umständen kam er endlich auf Empfehlung
des berühmten Salomon Gessner in die damals blühende Tapeten-
und Gemäldefabrik des H. Nothnagel zu Frankfurt am Main . Schon
früher rückte er durch unausgesetzten Fleiss in den Nebenstunden
in der eigentlichen Kunst immer weiter vorwärts, so dass er es
endlich wagte, mit seinem Freunde Kuster aus Winterthur , der
ebenfalls einige Zeit in dieser Geschwindmalerschule arbeitete, eine
Reise in die Niederlande anzutreten. Die erste Arbeit, die ihnen
Ruf verschaffte, war ein grosser Saal, den sie für einen Herrn
Andre zu Mühlheim am Rhein malten, so dass es ihnen von dieser Zeit an nie mehr an Aufträgen fehlte. Sie studierten ebenfalls fleißig nach der Natur und nach den Werken der Düsseldorfer Galerie, wo sich Huber vorzüglich der Marinemalerei widmete, in welchem Fache er sich in der Folge am meisten auszeichnete. Nachdem er ein Paar Jahre in Amsterdam zugebracht hatte, kehrte er 1784 wieder nach Düsseldorf zurück und erhielt dort, bei nun vermehrter Kunstfertigkeit, hinreichende Bestellungen. Ein Jahr hernach verheiratete er sich, wurde auch später zum Mitglied der Kunstakademie erwählt. Beim Ausbruche der Revolution kehrte er in sein Vaterland zurück, das er seit 17 Jahren nicht mehr gesehen hatte, und auch hier mangelte es ihm ebenfalls nicht an Aufträgen.
Seine Gemälde bestanden meistens in Fischerdörfern am Meerestier, Seehafen, Landungsplätzen in Buchten, oft mit alten Castellen und Schlössern besetzt; eigentliche Stürme und gewaltsamer Aufruhr der Elemente waren nicht Gegenstände seiner Kunst, die höchstens zuweilen eine starke Brandung darzustellen unternahm; aber das sanfte Spiel der Wellen in heiterer Morgen- und Abendbeleuchtung, weite und klare Aussichten auf das unermessliche Element, mannigfaltige Gebilde der Wolken, der Wechsel und die Abstufung der Lufttöne gelangen ihm vorzüglich. In der Darstellung von Schweizergegenden hielt er sich lieber an die mittleren und unteren Regionen. Sein Geist war für das Kühne und Wilde nicht geeignet: Eichen- und Buchenwälder, von klaren Flüssen und Bächen durchschnitten, Dörfer und Weiler mit Mühlen und Brücken u. s. w. zogen ihn besonders an. In seinen Gemälden ist besonders sein Fleiss in zarter und sorgfältiger Vollendung aller Teile zu rühmen. Selbst die genaue Ausführung des Tau- und Tackelwerkes seiner Schiffe war für die Harmonie des Ganzen nie störend. Das Resultat seines Fleißes und ein Hauptmerkmal seiner Produktionen war auch die zarte Übereinstimmung aller Töne, die Vermeidung alles Schroffen in den Formen und alles Grellen in der Farbe und Beleuchtung. Eben so ruhig und bescheiden, wie der Charakter seiner Kunst, war auch sein häusliches und bürgerliches Leben.
Nachrichten über ihn gab Horner im Kunstblatte.
Man hat folgende Blätter von seiner Hand:
Ö Landschaften: auf dem Züricher Berg, qu. 4.; bei Düsseldorf, qu. 8.; bei Düsseldorf 1788, qu. 8.; 3 kleine Landschaften mit Wasser und Figuren, rad. qu. 12. Selten.
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