Houdon, Jean Antoine

Houdon, Jean Antoine, Bildhauer, geb. zu Versailles 1741, gest. zu Paris 1828. Er hatte keinen eigentlichen Lehrer; sein Talent, sein natürlicher Geschmack waren es, die ihn vom Anfang seiner Laufbahn an leiteten. Durch sie wurde es ihm möglich, als neunzehnjähriger Junge den großen Preis für Sculptur zu gewinnen. Er benutzte jedoch die Rathschläge Pigals, aber ohne sein Schüler zu sein. Es war eine traurige Zeit für die Kunst, in welche Houdon’s Anfänge fielen. Um diese Zeit schloss sich die Periode, in welcher Frankreich sich einer bedeutenden Anzahl von guten Werken der Sculptur erfreute. Coisevoix, Vancleve, Le- Autre, Legros, die beiden Coustou, die Meister der Bildwerke im Garten der Tuilerien , bezeichnen diese Periode. Das Vorbild dieser Männer verfehlte keineswegs seine Wirkung auf Houdon, der auch noch Bouchardon’s Schüler hätte sein können. Es war aber ein Glück für den Künstler , dass er einen großen Teil dieser traurigen Periode, wo in Studien, Methode und Manier Kleinlichkeit herrschte, in Rom zubringen konnte. Dort dämmerte die neue Morgenröthe, und Winckelmann leitete die Sonne über den Horizont der erwachenden Kunst. Canova war es, der sich später an ihren Strahlen sonnte, und auch Houdon fühlte den wohlthätigen Einfluss auf seine Studien. Er führte in Rom die schöne Statue des heil. Bruno für den Pronaos der Karthäuser-Kirche (ein Saal in den Thermen des Diocletian) in Marmor aus, von welchem Clemens XIV. sagte, er würde reden, wenn die Regel des Ordens ihm nicht Schillen Schweigen auflegte. Nach einem zehnjährigen Aufenthalte in Italien kehrte Houdon endlich nach Frankreich zurück. Hier verschaffte ihm eine Figur des Morpheus, jetzt in der Kunstschule, den Eintritt in die Akademie zu Paris. Bald darauf arbeitete er die grosse anatomische Studie, welche unter dem Namen „L’Écorche“ bekannt und in den Schulen Musterbild für die Kenntnis der Muskeln geworden ist. Schon hatte sich Houdon’s Ruf über die Grenzen Frankreichs hinaus verbreitet. Die Vereinigten Staaten trugen ihm die Verfertigung einer Bildsäule von Washington auf, und der Künstler ging mit Franklin nach Amerika, wohnte einige Zeit bei Washington selbst in Philadelphia, und modellirte dort die Büste dieses großen Mannes, die er späterhin als Marmorstatue für den Versammlungssaal des Staates von Virginia ausführte. Nach seiner Rückkehr führte er für die Ermitage in St. Petersburg auf Bestellung der Kaiserin Katharina II. eine Statue der Diana aus, die freilich eher einer Begleiterin der Venus, als der keuschen Göttin der Wälder gleichen soll. Glücklicher war er in der Bildsäule Voltaire’s für das Vestibulum des Théâtre français, den er in der Tracht der griechischen Philosophen darstellte. Später verfertigte er aus Auftrag des Königs die Bildsäule des Marchalls de Tourville, in welchem er die Idee eines Seemannes auszudrücken strebte, der zugleich mit Feinden und den Elementen kämpft, wodurch eine übertriebene manierirte Heftigkeit in seine Statue kam. Ein einfaches, reizend naives Bildwerk ist seine allbekannte, in vielen Wiederholungen verbreitete Frileuse, in welcher die Idee des Frierens ausgedrückt ist, als Gegenstück zu einer Statue des Sommers. Erstere kam in den Besitz des Königs von Preussen.

Houdon besass auch grosse Geschicklichkeit im Portrait, welches er meistens ähnlich und mit grosser Leichtigkeit und Anmut arbeitete.

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