Hopfgarten, Heinrich

Hopfgarten, Heinrich, Kupferstecher und akademischer Künstler zu Cöln , wurde 1777 derselben Stadt geboren, und da sein Vater, ein ge- schickter Seidenwirker, früh starb, von seinem Onkel, dem Gelbg- ießer Heinlinger erzogen. Doch wollte er Theologe werden, endlich aber bewog ihn die Bronzearbeiten, welche Heinlinger und Hanf für die königl. Schlösser ausführten, gleiche Kunst zu er- lernen. Nur besuchte er mit seinem jüngeren Bruder die Zeichen-

Hopfgarten, Heinrich.

Schüler des Prof. Collmann, doch konnte er den ganzen Cursus nicht vollenden, da die Arbeiten in der Werkstätte seines Onkels sich häuften, und Hopfgarten konnte sich daher nur in Neben- stunden im Zeichnen und Modelliren üben; denn die Hauptbe- schäftigung blieb ihm immer die Ciselirkunst. In seinem 10. Jahre begab er sich auf Reisen, und nachdem er in mehreren Städten, zu Braunschweig in der berühmten Stobwasser’schen Fabrik, zu Wien u. s. w. gearbeitet hatte, kehrte er nach Berlin zurück, und hier führte er jetzt für die Bronzehandlungen eine bedeutende Anzahl von Figuren, Leuchtern, Uhrgehäusen etc. in Bronze aus. Auch Formen zu Spiegelrahmen fertigte er, und 1803 gründete er endlich seinen eigenen Handel. Anfänglich ciselirte er für eine Sil- berhandlung verschiedene Gefäße mit erhabenen Bildwerken, Fi- guren von 10 — 12 Zoll Höhe, verschiedene Armleuchter, alles in Silber, bis endlich der unglückliche Krieg von dem Un- ternehmen hinderlich war. Auch verschiedene Bronzegewerke führte er aus, Gegenstände des damaligen Luxus. Er decorirte auch drei Staatswägen für den König von Schweden, und alles dieses ge- schah vor der Ankunft des Prof. Rauch. Als dieser berühmte Künstler von Rom zurückgekehrt war, begann für Hopfgarten ein neuer Lebensabschnitt. Man war mit dem Pariser Kunstgiesser Lequine nicht zufrieden, und um ihn entbehrlich zu machen, be- kam Hopfgarten Winke, sich mit dem Verfahren des größeren Erzgusses vertraut zu machen, und durch den Prof. Rauch fand er Gelegenheit, bei dem stolzen Lequine Eingang zu finden. Durch unablässiges Forschen kam er in den Besitz des Geheimnis- ses, und von dieser Zeit an gingen lebensgroße Büsten berühm- ter deutscher und preußischer Männer und Frauen nach Rauch’s Modellen hervor. Er goss auch das damals projektirte Monument Blücher’s nebst Standbild, welches nach St. Petersburg kam. Nun wurden Hopfgarten’s Arbeiten immer größer; er lieferte 3 — 4 Fuß hohe Standbilder, und es war notwendig, das Hauptaugen- merk auf einen guten Guss zu richten, weshalb Hopfgarten den Ciseleur Couc als Gehülfen annahm. Jetzt baute er auch ein grö- ßeres Giesshaus, um jeder Anforderung genügen zu können, und kaum war der Bau vollendet, so stand schon das Modell der Diana von Versailles in der neuen Werkstatt, aber erst der zweite Guss gelang vollkommen, da anfangs in den Gemäuern noch zu viel Feuchtigkeit lag. Hierauf goss er das Monument für den un- sterblichen Frank, den Stifter des Halle’schen Waisenhauses, nach Rauch’s Modell, und nachdem diese Arbeit glücklich vollbracht war, kam die jetzt in Ruppin aufgestellte Statue Friedrich Wil- helm’s, des zweiten Königs von Preussen, an die Reihe, diese nach Tieck’s Modell. Diese Werke erwarben ihm das Patent eines akademischen Künstlers, in der Folge aber fand er keine Bestel- lung auf größere Arbeiten mehr. Nach dieser Zeit führte er noch einige 4 — 5 Fuß hohe Statuen aus, und darunter ist der Bronze- guss einer antiken Muse, die, vergoldet, im königl. Palais zu Potsdam aufgestellt ist. Dann fertigte er noch ein vergoldetes Pla- teau mit einer Anzahl von Tafelaufsätzen, bestehend in einzelnen Figuren und Gruppen, mit und ohne Blumenkörben, verschiedene Candelaber, Tischarmleuchter von 3 Fuß Höhe, Statuen und Victorien darstellend und vergoldet, für den königl. Hof ausge- führt. Seine letzte Arbeit von Bedeutung waren zwei korinthische Capitäle von 2 Fuß Höhe und 2 Fuß 8 Zoll äußerer Ausladung, auf 14 Fuß hohen Granitsäulen, welche vor dem Pavillon im königl. Garten zu Charlottenburg stehen. Die Anzahl seiner Werke ist bedeutend, die teils von ihm selbst, teils durch Coue, Varin,

Calide, Fischer und Vollgold ciselirt sind: die Büsten des Prinzen und der Prinzessin Wilhelm von Preussen; die Büsten von Goethe, Blücher, Humboldt, des Kanzlers v. Hardenberg, von Schinkel, Rauch, des Kaisers Alexander von Russland, des Großfürsten Nikolaus, der Königin Louise von Preussen; zwei colossale Hirsche.
Alles dieses nach Rauch’s Modellen. Nach Wichmann goss er die colossale Büste Friedrich Wilhelm’s von Brandenburg und die Lebensgroße der Prinzessin Ferdinand von Preussen; dann nach der Antike den Bogen spannenden Amor des Mus. capit., 4 F. 2 Z. hoch; einen solchen 2 F. hoch; einen großen Hund, Molchus; einen Windhund; einen Adoranten, 4 F. hoch; eine Bacchantin, 34 F. hoch; eine bekleidete Nymphe, eine Muse, 4 F. hoch etc.

Dann existiren von ihm verschiedene kleinere Statuen nach Modellen der Schüler des Professors Rauch: ein 2-F. hoher Ganymed; ein ? F. hoher, nackter Bacchant mit der Schale und dem Panther, beide nach antiken Vorbildern modellirt; die 16 Z. hohe Statue Schinkel’s mit der Mappe; die 15 Z. hohe Statue des A. v. Humboldt, nach Dracke; die 14 Z. hohe Statue des W. v. Humboldt, nach demselben, und mehrere andere Bildwerke, alle von grosser Reinheit des Gusses.

Zwei von seinen Söhnen üben gleiche Kunst.

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