Holzer, Johann Evangelist, berühmter Historienmaler und Radierer, geb. zu Burgeis im Vinschgau 1707, gest. zu Klemenswerth 1740. Sein Vater, ein Müller, bestimmte ihn zum geistlichen Stande, und ließ ihn auch frühzeitig in der lateinischen Sprache unterrichten, doch weiß man nicht mit Sicherheit zu bestimmen, in welchem Stifte. Zum Gelehrtenstande fühlte indessen Holzer durchaus keine Neigung, denn er war zum Künstler geboren, und es erregten schon seine ersten Versuche, die er ohne allen Unterricht machte, Jedermanns Erstaunen. Ein gut getroffenes Portrait des damaligen Prälaten von Marienberg, des Joh. Bapt. Murr, führte ihn endlich auf den Weg seiner Bestimmung; denn der Prälat bewog den Vater, dem Wunsche des Sohnes nachzugeben. Er übergab ihn dem Maler Nik. Auer in die Lehre, und die Fortschritte, welche er hier machte, waren so bedeutend, dass er schon im dritten Jahre seiner Lehrzeit einen günstigen Ruf erlangte. Keines seiner ersten Werke ist das Altarblatt des
Nagler Künstler-Lex. VI. Pd, 18
heil. Joseph, als Patron der Betreffenden, Kranken und Sterbenden
in der Klosterkirche zu Marienberg, das er im 18. Jahre malte,
denn man liest auf dem Bilde: Ex oper. Joann. Holzer aetat. 18.
Aus Auer’s Schule, in welcher er das bezeichnete Altarbild kaum
mehr gemalt hat, kam Holzer zu Straubing in Condition des Ma-
lers J. A. Merz, der damals die Ausmalung der Klosterkirche
Oberalteich übernommen hatte und tüchtige Gehülfen zu dieser
Arbeit suchte, Holzer fand da Gelegenheit, die Frescomalerei ein-
zuüben, worin er in der Folge seinen Ruhm vorzüglich begrün-
dete, und Zapf sagt sogar in seinem Leben Holzer’s in Meusel’s
Miscellaneen VI. 70: Holzer sei gleichsam der Schöpfer der
neuern Frescomalerei in Deutschland.
In Straubing malte er auch den heil. Anton von Padua für die
Franziskanerkirche – doch weiß man nicht, wie lange er sich in
dieser Stadt aufgehalten habe. Von da begab er sich nach Augs-
burg, wo er von J. G. Bergmüller freundschaftlich aufgenommen
und gleichsam als Sohn behandelt wurde. Dieser zu seiner Zeit
erste Maler Augsburgs machte den jungen Künstler aufmerksam,
dass ihm noch höchst wichtige Kenntnisse zur höhern Kunst fehl-
ten: Anatomie, Geometrie, Optik, Mythologie, Geschichte und
das Lesen und Studiren vorzüglicher Dichter. Holzer bedurfte
nur der leisen Anregung, und sein Eifer war diesen Studien ge-
widmet. Er lernte auch in den mechanischen Theilen der Kunst
bei Bergmüller sehr viel, und überhaupt hat dieser die Ehre, einen
Meister gebildet zu haben, der seinen Ruhm verdunkelte. In
Augsburg fand Holzer auch Gelegenheit, Werke ausgezeichneter
Künstler zu studiren, er erlernte die französische Sprache, und
selbst die Radierwalze führte er mit vielem Glücke. Man hat aus
jener Zeit 14 für Bergmüller’s Verlag radirte Blätter, die er in
Rembrandt’s Manier theils nach Bergmüller’schen, theils nach ei-
genen Zeichnungen mit vielem Geiste und Geschmacke ausführte.
Auch lieferte er nicht wenige Entwürfe und Zeichnungen, mei-
stens grau in grau, für Kunstverleger und Kupferstecher, beson-
ders zu den damals üblichen sogenannten Thesen, die den Ku-
pferstechern in Augsburg lange Zeit viel Verdienst zuwenden.
In Augsburg verlebte Holzer sechs glückliche Jahre in Bergmüller’s
Haus, und er führte mit demselben gemeinschaftlich viele und gro-
ße Arbeiten aus. Endlich trat er als selbständiger Künstler auf,
und es fehlte ihm sogleich nicht an Aufträgen und Bestellungen, ja
er wurde damit nach und nach so überladen, dass er alle zu er-
ledigen nicht vermögend war. Er malte eine Reihe von Gemälden an
die Aussenseite der Häuser, und einige derselben gehörten zu seinen
vorzüglichsten Kunstschöpfungen. Leider ging es diese Mauergemälde
durch den veränderten Zeitgeschmack und durch den Zahn der Zeit
zu Grunde. J. E. Nilson hat uns jedoch diese Compositionen in Kup-
ferstichen erhalten. Sie bilden ein jetzt seltenes Werk von 28 Blättern
mit dem Titel: Picturae a Fresco in aedibus Augustae Vind. a J. Holzer,
sculpt. a J. E. Nilson. Berühmt war der Bauerntanz in lebensgrossen
Figuren an einem Gasthause. Bianconi führt ihn als Beweis von der
Größe und der Fruchtbarkeit des Holzer’schen Talentes an, und Graf
Algarotti konnte sich bei der Beschauung kaum von dem Bilde
trennen. Er erwähnt dieses Werkes im zehnten Briefe an Machese Ercolani.
Der stehende, springende und fallende Hirsch an demselben Hause war ein
Meisterstück optischer Täuschung. Gegenwärtig sind diese Gemälde übermalt.
Eines der vorzüglichsten Werke Holzer’s ist auch der Plafond,
Ein treffliches, noch gut erhaltenes Bild ist die Krönung Mariens an einem Bürgerhause am Stephansplatz, und von großer
Farbenfrische und kühn gezeichnet war auch der ewige Vater am Plafond der v. Obwexer’schen Hauskapelle, der aber unter dem je-
tzigen Besitzer einer andern Bestimmung weichen musste.
Sehr gut erhalten ist das Ecce homo über dem Klinkerthore mit lebensgrossen Figuren. Dieses herrliche Bild würde allein dem
Künstler einen Platz in der Kunstgeschichte sichern, und es erwarb ihm auch das Augsburgische Bürgerrecht. Er tat es selbst
radirt. Gut erhalten ist auch noch das schöne Frescobild mit Maria neben dem Leichname Christi an dem Gasthause zu den drei
Kronen.
Ein sehr gerühmtes Bild ist ferner die brüderliche Liebe oder die Fabel von Castor und Pollux, der obere Theil der Malerei am
Buckler’schen Hause. Dieses Gemälde erhielt außerordentlichen Beifall, und einige sprechen ihm den Preis vor allen Holzer’schen
Gemälden in Augsburg zu. Eine treffliche, noch gut erhaltene Composition von Holzer sieht man auch an der Decke des Gar-
tensaales desselben Hauses. Sie stellt die tanzenden Monate vor. Dieses Haus gehörte ehedem dem Kupferstecher Pfeffel, dem Freunde
unsers Künstlers, und alle Malereien, welche Holzer an und in demselben anbrachte, sind daher mit besonderer Liebe ausgeführt.
Ueberdies machte Holzer in Augsburg Altarbilder, und auch an andere Orte wurde er berufen. Im Gartensaale des Erzbischofs
von Eichstätt malte er an der Decke das Göttermahl in Fresco, und auch Cabinetstücke führte er für den Fürsten aus. In der
dortigen Jesuitenkirche ist das grosse Hochaltarblatt mit dem Engelsturze von seiner Hand.
Zu seinen größeren Werken gehört auch das Altarblatt mit dem heil. Michael in der Klosterkirche zu Diessen, und eines seiner besten
Frescobilder ist der Plafond in der Filial St. Anton bei Partenkirchen in Oberbayern.
Merkwürdig sind zwei Bilder, die Heiligen Ignaz von Loyola und Franz Xaver in der Kirche des königl. Gymnasiums zu Augsburg,
beide sehr schön mit den Jahrzahlen 1753 und 1737. In derselben Stadt bewahren die Erben des Dr. Christoph Schmid einen
Christus am Kreuze als einen Schatz. Gegenwärtig sind die Holzer’schen Gemälde in Augsburg selten, aber viele Copien findet
man an daselbst noch; denn längere Zeit war in Augsburg beinahe jeder Maler, vorzüglich Huber, Günther, Schäfler und Mages,
deren Copien die gelungensten sind, bemüht, Holzer’s Gemälde durch das Copiren einzustudieren. Von dem erwähnten Christus
am Kreuz soll es allein ein Dutzend Copien geben.
Bildnisse findet man von seiner Hand wenige, denn er hatte gegen diesen Zweig Abneigung. Bloß aus Freundschaft malte er ei-
nige Porträts, und diese sind Meisterstücke. Dazu gehören jene von Bergmüller und seiner Frau, des Kupferstechers Pfeffel, der
Catharina Sperling. Diese letzteren drei hat J. J. Hayd in schwarzer Manier gestochen, und sie gehören zu den besten Blättern
des Künstlers.
In Tirol ist kein größeres Werk von diesem Künstler, und selbst seine Staffeleibilder sind hier selten. Im Ferdinandeum zu
Innsbruck ist neben andern ein kleines in Öl gemaltes Bildnis des Künstlers.
Das letzte und größte Werk, und zugleich die Krone von Holzer’s zahlreichen Leistungen, sind die Frescogemälde in der Klo-
Holzer, Johann Evangelist.
Stiftskirche des Benediktinerstiftes zu Schwarzach am Main in Franken. In Franken malte er vieles für die Grafen Schönborn und Staufenberg und für verschiedene Domherren. In der Kuppel der bezeichneten Kirche malte er den heil. Benedikt in der himmlischen Glorie und an den Plafonds die Verklärung Christi auf Tabor, die Martyrien des heil. Sebastian, die heil. Felicitas mit ihren sieben Söhnen, die Stiftungen des Klosters und die päpstliche Bestätigung derselben. Aller dieser Aufträge entledigte er sich 1737 im 29. Jahre, doch weiß man nicht, wie lange er in der Kirche gearbeitet hat. Er leistete hier Grosses und daher wurde ihm auch die Bewunderung zu Theil. In Meusel’s Miscell. I. 42 ff. spricht sich ein ungenannter Künstler mit Lob und Begeisterung darüber aus, doch sind die am Schlusse des Artikels beigefügten Nachrichten über Holzer’s Lebensgeschichte beinahe durchaus falsch. Er lässt ihn in einem Dorfe unweit Augsburg geboren seyn, die Theologie studiren und nur nebenbei die Zeichnungskunst erlernen etc.
Auch P. v. Stetten sagt, dass Holzer sich mit den Gemälden dieser Klosterkirche den größten Ruhm erworben habe, und der Canonikus C. A. Baader nennt in seinen Reisen durch verschiedene Gegenden Deutschlands, Augsb. 1705, den Plafond der Kirche das grösste Meisterstück, das Holzer in seinem Leben geliefert hat.
Leider kamen nach der Auflösung des Klosters die Gemälde in den traurigsten Zustand, und gegenwärtig droht die Decke der Kirche dem Einsturze. Das Kloster ist jetzt eine Papierfabrik.
Nach Vollendung dieser Arbeit sollte Holzer die Residenz des Bischofs von Würzburg mit Freskomalereien verzieren, und er hatte schon Entwürfe gemacht, als der Churfürst von Köln den Wunsch äusserte, von diesem Künstler die Hofkirche zu Klemenswerth ausmalen zu lassen. Holzer folgte dem Rufe nach Bonn, und von hier aus begab er sich in Gesellschaft des Obersten von Schlaun nach Klemenswerth, um die nöthigen Ausmessungen vorzunehmen, und hiernach seine Entwürfe und Skizzen zu bearbeiten. Allein der Künstler befand sich schon auf der Reise unwohl und bei der Ankunft an seinem Bestimmungsorte brach die Krankheit mit grösster Heftigkeit aus, und Holzer starb 1740, noch nicht volle 31 Jahre alt. Sein Verlust wurde allgemein bedauert. Einige sagten, er sei aus Künstlerneid und Hass vergiftet worden, und diese Sage hat sich im Volke noch nicht ganz verloren. Nach Roschmann sollten niederländische Maler, die am kurkölnischen Hofe sich befanden, die Thäter gewesen seyn. Die Sache ist nicht erwiesen, und ungegründet ist auch der Vorwurf, der Künstler sei in Folge eines schweigerischen Lebens gestorben. Als Beweis dessen wurde erzählt, Holzer habe den berühmten Bauertanz in Augsburg zur Zahlung der Zeche gemalt. Holzer war ein tugendhafter und rechtschaffener Mann, bescheiden und verträglich, sparsam und nichts weniger als schwelgerisch. Die anstrengte Arbeit schwächte seine Kräfte und führte den Tod herbei.
Seine Schüler waren der Akademicdirektor Günther zu Augsburg und F. A. Zeiller von Reute.
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