Holloway, Thomas, berühmter Kupferstecher zu London , wurde um 1775 geboren und durch Fleiss und Talent zu einer Stufe her- angebildet, auf welcher er neben Sharp höchst ehrenvoll genannt werden muss. Er lieferte Anfangs kleinere Blätter, und für die bekannte Shakespeare-Gallerie, die Boydell herausgab, stach er eine Scene aus dem vierten Akte der Weiber von Windsor, nach R. Smirke. In der Folge begann er sein weitläufigstes Werk, den Stich der sieben Cartons Rafael’s, die in Hamptoncourt aufbewahrt werden. Slann und Webb standen ihm bei der Arbeit zur Seite. Holloway ist akademischer Künstler , und 1814 nahm ihn auch die königl. Akademie der Künste in München unter die Zahl ihrer Mitglieder auf.
Holloway neigt sich nach Sharp’s Manier hin, und er hat un- streitig die Technik, oft auf Unkosten des wahren Kunstsinnes, auf den höchsten Gipfel getrieben. Es ist unglaublich, dass eine Menschenhand, nicht eine Maschine, welche von keinem Puls- schlage gestört wird, mit solcher Festigkeit, Stätigkeit und Ge- nauigkeit Linien in den künstlichsten Schwingungen und Ver- schränkungen ziehen kann. Man darf wohl sagen, dass Holloway die Sharp’sche Manier sehr vervollkommnet hat, indem seine Ar- beiten meisterhaft durchgeführt sind, und dass er das mit Zartheit mildert, was Sharp hervorstechend macht, um seine Kunst auf- fallend zu zeigen. Holloway’s Stiche nach Rafael’s Cartons zu den Tapeten sind unstreitig das Schwierigste, was sich ein Mensch auferlegen konnte, und zeigen uns ganz den Engländer, dem die Technik noch immer das Höchste bleibt, der einen Vorsatz mit
übermenschlicher Willenskraft durchzuführen vermag, und der
mehr das Seltsame und Ungewöhnliche sucht, als das wahrhaft Schöne. Im Ton sind daher die Stiche unerreichbar kräftig, har- monisch, ohne rissig oder schwarz zu erscheinen. Allein in den Formen stehen sie den Blättern von Dorigny nach. In diesen Meisterwerken des Holloway erscheint das, was bei Rafael geniale Kraft, ganz lebendiger Ausdruck des italienischen Charakters ist, oft als Übertreibung und Carikatur. So urteilt Quandt in seinem Entwurfe zu einer Geschichte der Kupferstecherei, und auch die Meinungen Anderer gehen dahin aus, dass Holloway bei dem sicht- baren Streben nach technischer Vollkommenheit von Rafael’s Geist und Eigenthümlichkeit Manches verloren hat. Das Hauptverdienst dieser Blätter ist daher die seltene Kunstfertigkeit und die gefällige Wirkung. Sie befriedigen den Kenner nicht durchaus, im Einzelnen aber wird auch der strenge Beurtheiler dem Künstler Lob spenden müssen.
Der Subscriptionspreis für jedes dieser Blätter war 180 fl. — 100 Thlr. Das Format ist qu. roy. fol. ;
Dazu gehört: The analysis of the four prints engraved and pu- blished by Th. Holloway, R. Slann and T. V. Webb, after the
cartons of Raphael, 4 Hefte, London, gr. 4.
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