Hollar, Wenzel von Prachta. 259

Hollar, Wenzel von Prachta. 259,

dene Schönheit der Natur, welche er geistreich, wahr und gefühl- voll darstellte. In seinen kleineren und größeren Blättern kön- nen wir mit ihm alle die freundlichen Gegenden bis Köln durch- wandern, wo er sich auf einige Zeit niederliess und beinahe der Noth erlag. Diese Arbeiten empfahlen ihn dem englischen ausser- ordentlichen Gesandten am Österreichischen Hofe, Thomas Hc- ward, Grafen von Arundel, der ein großer Kunstfreund war, und Hollar in seine Dienste nahm.

Bei dieser Gelegenheit sah der Künstler seine bedrängte Vater- stadt wieder, und entwarf hier mit Feder und Pinsel die berühmte Zeichnung von Prag, die D. Richard Rawlingson in London im Jahre 1750 besass. Hollar ätzte sie nachher auch auf zwei gros- sen Platten in Kupfer.

Der Graf reiste von Köln nach Linz und von da nach Wien zu Kaiser Ferdinand I., um die Wiederherstellung der Pfalz zu bewirken. Bei dieser Gelegenheit liess er alles Merkwürdige, was er auf dieser Gesandtschaftsreise gesehen und erfahren, durch ei- nen Historiographen, Namens Crowns, aufzeichnen und von Hol- lar abbilden, und diese Reisebeschreibung in Druck erschei- nen. Hollar begleitete 1635 seinen Gönner auch nach London, und er ward dafür belohnt und der königl. Familie empfohlen. Nun arbeitete er in London, und unter den Prospekten, welche Hollar zu jener Zeit mit zarter Nadel ausführte, müssen wir be- sonders das Schloss zu Heidelberg , Luzern , Köln, den Dom von Strassburg (dieser aus seiner späteren Zeit), den Münster von Ant- werpen und einen Riss des Thurms von St. Romuald zu Mecheln, auszeichnen. Damals liess Maria von Medici, welche in London eintraf, um ihre Tochter, Königin Henriette Maria, zu besuchen, ihre Reise beschreiben und das Werk mit Hollar’schen Kupfern schmücken. Er arbeitete in dieser Zeit unglaublich viel, nicht nur für den Hof, auch für den Grafen Arundel;

Arundel besass vorzügliche Kunstwerke sowohl in Gemälden als Sculpturen, und Hollar setzte seinen Grabstichel zum Copiren in Bewegung. Er zeichnete auch den Grafen, in voller Rüstung zu Pferde, und sich selbst zweimal in böhmischer Tracht mit Kne- bel- und Kinnbart und dem breiten Spitzenkragen. Unter dem einen Bilde hat er sein Wappen angebracht; unter dem andern die zur Kupferstecherkunst nötigen Werkzeuge nebst der Sand- uhr. Er copirte auch die Bilder des Grafen Arundel und seiner Gemahlin mit manchen andern nach Van Dyck, war aber in der Nachahmung dieses Meisters am wenigsten glücklich. Nach dem Urtheil van Dyck’s, der damals in London lebte, so wie nach je- nem von dessen Anhängern, konnte er weder die Wahrheit der Umrisse, noch die Anmuth der Schattirungen seiner Originale nachahmen, wesshalb ihm Van Dyck auch seine Empfehlung ver- sagte. Andere gestehen aber, dass Hollar’s Portraits nach van Dyck Leben und Aehnlichkeit haben. Auch werden seine Copien nach diesem Meister, sehr gesucht, weil er manche Stücke lieferte, die von keiner andern Hand zu finden sind.

Im Jahre 1640 gab er 26 Platten und den berühmten Pokal von Mantegna heraus, wovon die Zeichnung sich in der Gallerie des Arundel befand.

Hollar arbeitete auch für Kunsthändler, welche ihn aber ausser- ordentlich schlecht bezahlten, so dass er für die grossen Prospekte von London und Greenwich von seinem Verleger Peter Went nicht mehr, als dreissig Schillinge erhielt. Hollar’s Mässigkeit und Thätigkeit halfen ihm aber haushalten, und er verheirathete sich

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