Hollar, Wenzel von Prachna, Kupferstecher , geboren zu Prag 1607, gest. 1677 zu London . Dieser berühmte Mann, der einzige, dessen Name die Geschichte der deutschen Kupferstecherei des 17. Jahrhunderts schmückt, war der Sohn wohlhabender und geachteter Leute, die ihm eine standesmäßige Erziehung, wissenschaftliche Bildung gaben, und ihn zum Rechtsgelehrten bestimmten. Un-
lücklicher Weise aber wurden Hollar’s Verwandte auch von der Furcht ergriffen, welche Deutschland zerriss, und sie schlossen sich zu den Gegnern des Kaisers. Nach der Schlacht bei Prag 1619 teilten Hollar’s Eltern das Los vieler anderer, welche sich dem Kaiser widersetzt hatten; ihre Häuser wurden der Plünderung preisgegeben, und so stürzten sie vom Wohlstand in Armut. Wenzel ergriff nun einen neuen Lebensplan, und was er in früheren Tagen aus Liebhaberei getrieben, benützte er nun zu seinem Unterhalte; er zeichnete Pläne und Landschaften, und stach in Kupfer. Ein trefflich gezeichneter Plan der Stadt Prag erwarb ihm Beifall, und einige Versuche, nach Dürer’schen Gemälden und Handzeichnungen in Kupfer zu stechen, machten ihm Lust, sich dieser Kunst zu widmen. Unter seine ersten Arbeiten zählt man, jedoch ohne Gewissheit darüber zu haben, die Abbildung eines phantastisch verzierten Trinkgefässes, welches unter dem Na- men des Oldenburger Horns bekannt ist. Andere Arbeiten stellen religiöse Gegenstände dar, dem Zustande jener drangvollen Zeit gemäss. Eine Jungfrau mit dem Heiland, der das Kreuz emp- fängt, wurde lange für seine erste Arbeit gehalten, da er sie in seinem zwanzigsten Jahre ätzte. Sie ist in Hinsicht auf Zeich- nung sehr unvollkommen, aber die Zierlichkeit des Grabstichels, wodurch sich Hollar’s Arbeiten auszeichnen, ist auch in seinen er- sten Arbeiten nicht zu verkennen. Ein Ecce homo in kleinem Viereck, eine Betende, mit einer griechischen Umschrift, nach A. Dürer, gehören ebenfalls unter Hollar’s früheste Arbeiten. Das letztere Bild nach Dürer ist das erste, auf welchem Hollar seinen Namen völlig ausgeschrieben beigefügt hat; die früheren tragen nur den Namenszug W H. – E e
Als zwanzigjähriger Jüngling verliess er Freunde und Heimat, wanderte die Donau hinan und durchzog Schwaben, dann den Rhein entlang und verweilte zu Frankfurt und Köln. In Frankfurt schloss er sich an Mathes Merian an, der ihm einigen Unterricht im Radieren gab. Ein Vergleich zwischen seines Meisters und sei- nen eigenen Werken zeigt, wie weit gar bald der Schüler den Lehrer übertraf. In Merian’s Prospekten zeigt sich eine prosai- sche Auffassung, in den Landschaften Hollar’s eine tief empfun-
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