Hogarth, William

Hogarth, William, Maler und Kupferstecher , geb. , gest. 1764. Sein Vater, ein unbemittelter Handwerksmann, wohnte im Kirchspiele St. Bartolome in London, und dieser suchte seinen Sohn bei einem Silberarbeiter unterzubringen, wo der junge Hogarth Na- menszüge, Wappensymbole, auch Halbfiguren und Arabesken auf die Ge- fässe stach. Nebenbei zeichnete er fleißig, und vorzüglich waren es die kleinen Blätter von Callot, die ihn anzogen. In der Folge besuchte er eine Malerschule, um im Zeichnen sich zu vervoll- kommnen, und den Pinsel führen zu lernen, allein er hielt es nicht lange aus, da er sich keinen Zwang anthun wollte, und da er soweit im Stande war, eine menschliche Figur zu zeichnen, lief er auf den Straßen und in Trinkgelagen umher, weil er da seine Ori- ginale fand. Er portraitirte seine verschiedenen Helden mit eigener Sicherheit und Treue, die ihm oft übel belohnt wurde, wenn seine Kunstprodukte bemerkt wurden, und so fand er es für geratener, seine Gesichter auf die Nägel der Hand zu zeichnen. Ihm ent- ging in London nicht leicht eine charakteristische Gestalt, und diese war im Bilde sein Eigenthum, wo er sie immer fand, selbst in den Schlupfwinkeln des Lasters. Auf eine schöne Auswahl sah er nicht, und überhaupt scheint ihm die Natur den Sinn für Anmuth stief- mütterlich gegeben zu haben. Dagegen aber war seine satyrische Ader unerschöpflich, und als Charaktermäler bleibt er immer erken-

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würdig. Hass, Neid, Stolz, Eitelkeit, Schwelgerei, die Verworfen- heit des Lasters, Untugenden jeder Art, den verdorbenen, oder von Kummer und Elend entstellten Menschen, wusste kein Maler mit solch unübertreffbarer Wahrheit darzustellen, als Hogarth. Er war ein redlicher Mann, weit entfernt von Thorheiten und Lastern

durch seine Bilder Nahrung zu verschaffen; er ist im Gegenteil

die Geisel derselben, ein strenger Sittenrichter, dadurch, dass er uns menschliche Gebrechen und die Scheuslichkeit der Laster vorführt. Wer möchte denn das Leben seines Liederlichen nachahmen, wenn er das Erzle desselben betrachtet, und seine Blätter des fleissigen und faulen Arbeiters, von denen der eine Lordmayor wird, der an- dere das Schaffot besteigt, werden immer eine treffliche Sittenschule bleiben. Man hat dennoch den Künstler mehr oder weniger verdächtigen wollen. Ein Schelm ist er wohl zu Zeiten, wenn Witz und Laune in zu reicher Fülle sprudelten. Einige nennen ihn Maler der Natur, Andere aber glauben, dass alle diese eine Menschen- und Gotteslästerung begehen. Er wird verschieden beurtheilt, und während man ihn einen schlechten Maler nennt, so will man ihm auch unter den Kupferstechern kaum eine mittelmäßige Stelle gönnen.

Sein Verdienst als bildlich darstellender Satyriker sucht ihm wohl niemand zu entreissen, aber man will ihm keine Ehrenstelle unter den Künstlern einräumen. Dass ihn gerade seine Commentatoren aus dem Schmutze der Dunkelheit hervorgezogen haben sollen, ist doch gewiss zu viel gesagt, und wenn an dem Manne gar nichts gewesen ist, wie könnte denn Lichtenberg den Stoff zu seinem geistreichen Werke gefunden haben, in welchem er seine Sittengemälde nach Hogarth darstellte?

Sonderbar ist es, dass sich Hogarth mit einem Werke über die Zergliederung der Schönheit (Analysis of Beauty) beschäftigt hat, da sich doch gerade er selbst in Darstellung des Hässlichen gefiel. Die edle menschliche Natur, namentlich die Liebenswürdigkeit des Weibes, blieb ihm fremd, selbst die personifizierte Tugend erscheint nicht in voller Schönheit der Form. Und er schrieb doch über die Schönheit, sagt uns aber dadurch gerade erst – deutlich, dass er die wahre Schönheit der menschlichen Form verschmäht habe. Bei ihm ist nur von einer geometrischen Zergliederung der Schönheit die Rede, deren Ideale er in der Wellenlinie suchte, die

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