Hoerberg, Pehr

Hoerberg, Pehr, einer der größten schwedischen Kirchenmaler und Kupferstecher , geb. auf dem Hofe Oefra Oe, in der Land- schaft Smaeland 1746, gest. 1816. Von armen Eltern geboren, — sein Vater war Soldat , — musste er sich als Knabe sein Brot erbetteln, und bei zunehmenden Kräften als Hirtenknabe seinen Un- terhalt verdienen. Von frühe auf fesselte ihn Lust und Liebe an die Malerei , und Versuche dieser Art waren seine Lieblingsbeschäfti- gungen. Zu Farben dienten ihm Braunrot, Ton, Kreide und Kohlen ; doch wusste er, durch eigene Erfindung, diese trockenen Farben auf gleiche Weise zu benützen, wie die Pastellmaler ihre Farbenkreiden. War er so glücklich, ein Blatt Papier zu erha- lten, so illuminirte er mit dem Saft einiger Beerenarten. Im Walde zeichnete er auf Steine mit Fichtenrinde statt Rothstein, und mit Kohlen, oder auf der weißen Seite des frischen Buchen- schwammes. So trieb er es vom 7ten bis 16ten Jahre. Schon in seinem 14ten Jahre suchte er bei einem Maler in die Lehre zu kommen, und wanderte desshalb fünf Meilen weit nach dem Städt- chen Wöxö, machte auch hier in einer Malerwerkstatt die ersten Versuche mit Leimfarben zu malen, und zwar mit dem Evangelisten Johannes auf einem Eichenspahn, zur Zufriedenheit des Meisters; aber, den Eltern ein kleines Verdienst zu erwerben, musste er heim- kehren und abermals die Schafe hüten. Doch trieb er nun wieder, wie vorher, seine Kunst im Walde. Nach mancherlei Schicksalen gelang es ihm , 17 Jahre alt, zuerst in Gothen- burg, und dann in andern Städten, bei Malern in die Lehre zu kommen, und nach Verlauf von fünf Jahren ward er Kreismaler im Westerkreise der Smäländischen Statthalterschaft Jönköping. Jetzt heirathete er, nährte sich durch Verfertigung bestellter Ge- mälde, durch Holzarbeiten und vom Ackerbau, und im Jahre 1783 wurde er Bauer. Aber in selbigem Jahre ging auch erst sein sehnlichster Wunsch, sich in der Akademie der freien Künste zu Stock- holm ausbilden zu dürfen, in Erfüllung, und schon hatte er das 57ste Jahr seines Lebens erreicht. Freilich blieb er für diessmal nur zwei Monate in Stockholm, kehrte aber im folgenden Jahre,

durch Beiträge von Privatpersonen unterstützt, dahin zurück. Er gewann zweimal den Preis der Akademie, und sein Ruhm wuchs und verbreitete sich immer weiter. Nach der Gemäldeausstellung der Hauptstadt ragten, selbst nach Sergell’s Urtheil, seine Arbeiten hoch über alle übrigen empor. Die Bestellungen mehrten sich ungemein, aber er war so wenig eigennützig, dass er sich seine

Arbeiten auch jetzt noch sehr mässig bezahlen liess. Im Jahre 1790

zog er nach Olstorp in Östergothland, wo die meisten seiner großen Altargemälde gefertigt sind. Sieben Jahre später wählte ihn die Akademie der Künste zum Mitglied, auch ward er zum königl. Hofmaler ernannt, womit aber keine Besoldung verknüpft war. König Karl XIV. setzte ihm aber, noch als Kronprinz, im Jahre

1812 eine jährliche Pension von 100 Bankthalern aus, welche er

auch bis an seinen Tod genoss.

Die meisten seiner Gemälde sind Originale; bei den Copien legte

er gewöhnlich Zeichnungen und Kupferstiche zum Grunde, 1e von ihm gemalten Altartafeln belaufen sich auf 87, unter denen 82 Originale; die grösste, Christi Himmelfahrt darstellend, in der ost- gothischen Kirche Oestra Husby ist 15 Ellen breit und 10 Ellen hoch; die Zahl seiner übrigen, heiligen und profanen Gegenstän-

den gewidmeten Gemälde, betrug schon mehrere Jahre vor seinem

Tode über 600. Die Aechtheit seiner Arbeit bezeugte er auf jeder

derselben durch beigefügtes Handzeichen nebst Jahreszahl der Ver-

fertigung. Auch eine Menge Kupferstiche hat er angefertigt und eine neue Art zu stechen erfunden, die der Kunst der Meister des 15. und 16. Jahrhunderts gleicht, und bei welcher die Stempel von

Gyps sind. Auch ersann er eine besondere Art von Tusche, und

verstand grössere und kleinere Statuen von Holz oder Ton zu ver- fertigen. Unter seinen fast zahllosen Handzeichnungen erregen eine Sammlung von 201 Blättern, die biblische Geschichte Jesu, und eine andere in 347 Blättern, Sagen, oder die fabelhafte Ge- schichte Jesu darstellend, so wie eine grosse Anzahl Zeichnungen nach Antiken, vorzugsweise Aufmerksamkeit. Nicht minder gelun- gene Frescomalereien hat Hörberg geliefert, z. B. die Titanenkäm- pfe im Schlosse Finespäng.

In Allem ist Hörberg völlig Autodidakt; äussere Umstände und mangelhafter Mangel des Zusammentreffens in Manier und Geschmack hinderten selbst einen Ehrenswärd, einen Breda und andere väter- ländische gleichzeitige Kunstgenossen, auf ihn einzuwirken; er ist und bleibt ganz Kind der Natur: originell, gross, kräftig und

unerschöpflich in der Erfindung, voll Wahrheit, Innigkeit und Tiefe, voll Ruhe und Natürlichkeit in der Darstellung, voll Klar- heit und Einfachheit in der Anordnung strebte er eine lebendige Gesammtwirkung hervorzubringen, die er auch fast jedesmal er- reichte. In der Perspektive ist er Meister, eben so in der Darstel- lung älterer Personen; das Erhabene und Heilige gelang ihm bes- ser, als das Liebliche und Schöne. In der Behandlung der Far- ben scheint das Grobe und Rohe oft vorzuherrschen. Seine Al-

targemälde stellte er gerne vor Fenster, um mittelst kleiner Öff-

nungen in der Fläche der Gemälde Transparente zu gewinnen. Leider musste er im Drange der Umstände bisweilen zu eilig ar- beiten; daher der Mangel an Ausarbeitung; doch auch aus diesen Werken der Eile leuchteten die grossen und herrlichen Eigen- tümlichkeiten Hörberg’s hervor.

Ferner hatte er eine grosse Anlage zur Mechanik: 1814 hat von ihm eine neue Art von Violinen mit Positiven; seine musikalischen Compositionen sind originell und athmen tiefes Gefühl. Aber nicht

Vorsicht

Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.

Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.

Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_1ITrAAAAMAAJ