Hobbema, Meindert

Hobbema, Meindert, berühmter Landschaftsmaler , dessen Le- bensverhältnisse aber unbekannt sind. Die Verfasser der Geschie- denis der vaderlandsche Schilderkunst I. 122 schließen nach sei- nem Familiennamen, dass er ein Friese sei, und in Friesland findet man auch mehrere seiner Werke. Andere zählen ihn unter die Künst- ler Harlem’s und zu J. Ruysdael’s Schülern, während einige Middel- harnis oder Coeverden als seinen Geburtsort bezeichnen, und daher muss man ein Monogramm, das diesem Künstler beigelegt wird, mit „Hobbema Coeverdensis“ erklären. Dass sich der Künstler in und um Harlem und zu Amsterdam aufgehalten habe, ist unläugbar, da in seinen Bildern deutliche Reminiszenzen an jene Gegenden spre- chen. Seine Lebenszeit ist ebenfalls nicht genau zu bestimmen; man weiß nur, dass er Zeitgenosse von N. Berghem, A. van de Velde, J. Lingelbach, J. van Loo u. a. gewesen, und jeder dieser Meister malte zu Zeiten die Figuren und Thiere in seine Bilder. Frühere niederländische Schriftsteller würdigen diesen Künstler zu wenig oder gar nicht, weiter verbreiten sich aber R. van Eynden u. A. van der Willigen in der erwähnten holländischen Kunstge- schichte. Ganz treffend besang A. Simons: De Waarde van den Mensch III. 42., die Gemälde dieses Künstlers. Da liest man:

De boren des levens drenkt hier heuvelen en dalen,

Hier doet een reine lucht ous ruimer adem halen,

De bloemen frischen geur, met Kleuren rijk gefierd;

En’t zacht geruisch des wouds, dat heuglijk hoogtijd viert; De liefelijke ton van zuiv’re veldschalmeijen,

Der beemden lagehend groen, de weelde der valeijen, Eene opgeklaarde kim in ’t grenzeloos verschiet;

En ’t de ongestoorde rust, die lieflijk hier gebiedt.

Fiosillo sagt von Hobbema im Allgemeinen nur, was Füssly bei- bringt; am richtigsten aber würdigt ihn Dr. Waagen in seinem unten näher bezeichneten Werke über England. Doch auch in deutschen Gallerien, wie in München etc., sind Bilder von Hob- bema zu finden, und gegenwärtig macht man zwischen ihm und Ruysdael fast keinen Unterschied mehr, da er gleiche Bewunde- rung verdient, wenn der geniale Hobbema gleich weniger fein in der Ausführung ist.

Meindert Hobbema ist ein eben so seltener als großer Landschafts- maler, der einzige, der unter den Holländern einen Vergleich mit Ruysdael aushält. Dr. Waagen (Kunstwerke und Künstler in England I. 106.) sagt, dass sich keine Sammlung der Welt an Meisterwerken dieses Künstlers mit der Sammlung des Robert Peel in London messen dürfte. Hier sieht man eine mit Bäumen bedeckte Gegend, im Vorgrunde mit Wasser, mit jenen einfallenden Lichtern, wo- durch alle Gegenstände so vortrefflich auseinander treten, und dabei eine Durchbildung der Bäume in allen Theilen, vom Stamme bis zu dem kleinsten Gezweig, wodurch dieser Maler alle andern übertrifft. Hierin, wie in der Frische des Tones, ist dieses Bild- chen der trefflichen Landschaft von Hobbema in der Gallerie des Museums zu Berlin sehr nahe verwandt, und gewiss aus derselben Zeit. Ein anderes Bild bei R. Peel zeigt eine Wassermühle am Bache, der mit Wasserpflanzen bewachsen und mit drei Enten be- lebt ist. Zwischen Bäumen sind Bauernhäuser, von einem durch die leichten Wolken brechenden Sonnenstrahl beschienen. Auf einem dritten Gemälde spiegeln sich die Ruinen des Schlosses der alten Familie Brederode im klaren Wasser, von einem Sonnen- strahl hell beschienen. Enten und Gänse schwimmen einher und Wiesen und Bäume schliessen sich an. In solchen Bildern kommt Hobbema an Tiefe, Klarheit, Sättigung der Farbe, an Gewalt der Wirkung den Landschaften des Rembrandt gleich, hat aber außerdem den Vorzug der grössten Naturwahrheit, der fleissigsten Ausführung. Der Kunsthändler Nieuwenhuys hat das Bild an R. Peel verkauft, und es selbst um 880 Pf. St. erstanden. Ein vier- tes Gemälde bei R. Peel stellt die Ansicht des Dorfes Middelharnis in Gelderland dar, den mutmasslichen Geburtsort von Hob- bema. Das Bild ist einfach und von keineswegs schönen Bestand- theilen, aber dennoch übt es durch die Reinheit des Naturge- fühles und durch die Gewalt der Kunst auf jeden gebildeten Be- schauer einen wunderbaren Zauber. Dr. Waagen bekennt, eine solche allgemeine Helligkeit, ein solches Tageslicht vorher auf kei- nem Bilde gefunden zu haben. Zu einer feinen Beobachtung der Linienperspektive gesellt sich hier von dem sattesten Saftgrün im Vorgrunde eine so wahre, zarte und klare Abtönung, dass es Waagen in dieser Beziehung als ein „non plus ultra“ betrachtet. Dieses merkwürdige Bild wurde 1815 in Dort nur mit 1000 hollän- dische Gulden bezahlt, in England kostete es 800 Pf. St.

In Bridgewater, ehemals Stafford-Gallerie, ist ein Gemälde mit zerstreuten Häusern eines Dorfes, und eine Wassermühle mit andern Gebäuden, letzteres besonders klar, fleissig und saftig und für Hobbema durch die grossen ruhigen Massen von Schatten und hellem Licht ausgezeichnet. Das Bild trägt die Jahrzahl 1657. Ein anderes Gemälde, dessen wir nicht wissen, soll die Jahrzahl 1665 tragen, und dieses dürfte eines der ältesten Werke des Künstlers sein. Im Cabinet Paignon Dijonval p. 101 heisst es aber, dass der Künstler noch gegen 1670 gemalt habe.

Mehrere seiner Bilder sind auch durch Kupferstiche bekannt.

J. Browne, R. Earlom, J. Mason, Vivares, M. Prestel u. a. haben nach ihm gestochen.

Vorsicht

Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.

Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.

Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_1ITrAAAAMAAJ