Hittorff, Jakob Ignaz

Hittorff, Jakob Ignaz, Architekt, ein berühmter Künstler, wurde 1709 zu Köln geboren, und schon früh in den Anfängen der ihm bestimmten Kunst unterrichtet. Von seinem 15. Jahre an arbeitete er als Maler und Steinhauer , und als solcher machte er bereits mehrere Entwürfe zu Hausfassaden, welche in Köln aus- geführt wurden. Sehnsucht nach höherer Ausbildung trieb ihn nach Paris , und hier führte ihn ein glücklicher Zufall zum Architekten Belanger, der ihn wie seinen Sohn pflegte und unter dessen Leitung er in den folgenden Jahren die Projekte des damals entstandenen prächtigen Schlachthauses in der Straße Rochechouard und der eisernen Kuppel der Kornhalle ausarbeitete, deren Aus- führung er teilweise vorstand. Zur nämlichen Zeit besuchte Hittorff auch die Akademie, und der berühmte Pereier bot ihm beim Anblick seiner Skizzen unentgeltlichen Unterricht an, so wie er stets sein Freund blieb. Als bei der Rückkehr der Bourbons’

1814 trat Belanger seine Stelle eines königl. Architekten der Feste und Ceremonien des Hofes wieder an, und leitete die großen Vorbe- reitungen zu dem Einzuge Ludwigs XVIII. Hittorff vertrat die Stelle eines Inspektors dieser Arbeiten, welche in Errichtung mehrerer Triumphtore und Säulen und in der Wiederherstellung der kolossalen Statue Heinrich’s IV. nebst zwei Friedenstempeln bestanden. Hittorff hatte als Inspektor auch Anteil an allen Vorbereitungen für die Feste und Ceremonien, welche Belanger bis zu seinem Tode ausführte, und dann wurde er an dessen Stelle zum königl. Architekten ernannt. Bei Belanger lernte er auch den geschickten Künstler Lecointe kennen, und dieser war anfänglich sein Leiter und Freund, dann Mitarbeiter während eines Zeitraums von 11 Jahren. Sie veranstalteten in St. Denis die Ceremonien zur Beisetzung des Prinzen von Condé, des Herzogs von Berri und Ludwigs XVIII. Ferner decorirten sie die Kathedrale Notre-Dame bei Gelegenheit der Taufe des Herzogs von Bordeaux, worüber ein eigenes Werk: Recueil des décorations et description du baptême, Paris 1827, fol., Rechenschaft gibt. Dann leiteten sie die Feierlichkeiten bei der Krönung Karls X. in Rheims, und auch das Theater Favard und de l’ambigu comique ist sein Werk; letzteres ganz von Quadern mit eisernem Dachwerk. Dann gab er den Plan zur Restauration der Kirche St. Remy zu Rheims, zur Erbauung des Monuments des Herzogs von Berri, zur gotischen Grabkapelle der Herzogin von Curland und zu einem Springbrunnen der Place de la Concorde. Lecointe half ihm bei allen diesen Arbeiten, und auch an den Zeichnungen für das Prachtwerk über die Krönungsfeier Karls X., dessen Vollendung aber die Ereignisse des Jahres 1830 unterbrachen. Überdies füllte Hittorff in Paris mehrere Privatbauten, und für seine Vaterstadt machte er den Plan zu einem Theater und zur Errichtung eines Museums. Zwischen diesen Arbeiten machte er mehrere Reisen durch Deutschland und England, wo er sich besonders mit dem Studium der Gebäude des Mittelalters und jener der wiederauflebenden Kunst beschäftigte. Ein Gleiches that er in Italien, wo er in allen wichtigen Städten verweilte, und ein besonderes Augenmerk richtete er in Sizien auf die ältere und neuere Architektur jenes Landes. Er blieb neun Monate in Sizien, und bei ihm war sein Schüler Zanth und der junge Architekt Stier, den er auf eigene Kosten mitgenommen. Seine Zeichnungen von Monumenten aus allen Epochen belaufen sich über 1000; Hauptarbeit bleibt die genaue Aufnahme von den berühmtesten Städten Siziliens und die Vermessung von vielen antiken Tempeln und anderen Denkmälern des Alterthums, von mehr als 50 Gebäuden aus dem 6. bis zum 18. Jahrhundert. Als Resultat des eindringlichsten Fleisses und der höchsten Genauigkeit sind folgende Werke zu betrachten, die selbst das engli- sche Prachtwerk von Wilkins zurücklassen:

  1. Architecture antique de la Sicile etc. Par J. Hittorff et L. Zanth. Paris 1826 — 1830. 3 Voll. fol.

  2. Architecture moderne de la Sicile etc. par les memes. Paris 1826 — 1853. Ein Band in fol.

Eine genaue Anzeige dieser Werke findet man im Kunstblatt 1831, Nro. 76, und von besonderem Interesse ist in der Architecture moderne sein Ansicht über den Ursprung der gotischen Baukunst aus der saracenischen.

Neben den genauen Forschungen in Bezug auf Construction und äussere Form der griechischen Gebäude richtete Hittorff auch ein besonderes Augenmerk auf den Gebrauch der Farben als charakte-

Christliche Zierden der Gebäude. Auch darüber gab er ein Werk

mit 6 colorirten Kupfern heraus, unter dem Titel: L’architecture

polychrome chez les Grecs, ou restauration du temple d’Empé-

docle à Selinunte. Diese Restauration zeigt uns ein griechisches

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