Hiré, oder Hyre

Hiré, oder Hyre, Lorenz de la, Maler und Aetzkünstler, geb. zu Paris 1600, gest. daselbst 1656. Sein erster Meister war ein Maler, Namens Stephan, und in der Perspektive, so wie in der Anwendung derselben in Architekturbildern genoss er den Unter- richt von Desargues, dem Dunst - und Nebelmaler, der gerade hierin auch auf la Hire grossen Einfluss hatte. Auch Letzterer liebte es, über seine Bilder einen eigenen Dunst zu verbreiten, was aber zu seiner Zeit sehr gefiel. Ihm strebte er nach einer Zierlichkeit, die öfter in Coketterie ausartete. Eine genaue Nach- ahmung der Natur darf man bei einem Manieristen, wie la Hire war, ebenfalls nicht suchen, und daher sind seine Landschaften derjenige Theil seiner Werke, der immer am wenigsten geschätzt wurde. Am Fleisse liess er es nie fehlen und er erscheint im Ge-

entheile nur zu geleckt und kalt. Seine Färbung ist übrigens risch, die Pallete reinlich und auch die Figuren sind gut geord- net. Der Künstler stand auch im Ansehen, der Schule Vouet's, seines zweiten Lehrers, gegenüber, mit welchem seine Manier nichts gemein hatte. Doch erwarb sich auch la Hire einen ehren- vollen Ruf. Man schätzte ihn, und Richelieu und Seguier er-

klären sich als seine Beschützer. Auch andere Personen des Ho-

fes beschäftigten ihn. Die Modewelt wollte von ihm Portraite ha-

ben, und die Zimmer mit seinen Staffeleibildern schmücken. Un- ter seine besten grösseren Werke zählt man die Martyrien des heil. Bartolome in St. Jacques du-Haut-Pas, die drei Marien und den Einzug Christi bei den Carmelitern zu Paris. Zu den bessern Stücken gehört wohl auch der Martyrtod des heil. Sebastian, den Rousselet gestochen; dann die Georgierinnen im Bade, von Go- defroy in Rupfer gebracht; ferner die Badenden, nach dem Bilde des französischen Museums, von G. Eichler gestochen etc. Seine Gemälde sind zahlreich, denn er verlor mit Reisen nicht viel Zeit, weil er sich nur aus Paris entfernte, um in Fontainebleau Rosso’s und Primaticcio’s Werke zu betrachten. Dann nahm er den Paul Veronese noch zum Vorbilde, konnte ihn aber nicht erreichen.

Die Blätter, welche nach ihm gestochen wurden, belaufen sich über 120, und er selbst hat einige in leichter und geistreicher Weise geätzt.

Im Peintre-graveur français par Robert-Dumesnil I. 77 ff. sind 35 Blätter von diesem Künstler beschrieben.

  1. Das Opfer Gideon’s, in zwei Platten: H. 12 Z. 6 L., Br. 29 Z. 4 L. Die ersten Abdrücke haben Anthoine’s Adresse.

  2. Die Beschneidung. H. 5 Z. 3 L., Br. 4 Z. 1 L.

  3. Die Ruhe in Aegypten. H. 3 Z. 5 L., Br. 5 Z. 8 Lin. Die ersten Abdrücke sind mit aller Schrift, auf späteren ist sie am Rande verwischt.

  4. Die heil. Familie, wo das Jesuskind den Fuß auf die monströse Schlange setzt, 1653. H. 11 Z., Br. 15 Z. 4 L. Die zweiten Abdrücke haben Guerineau’s Adresse und die Dedica- tion an W. de Balesdens.

  5. Die heil. Jungfrau mit dem Kinde, von Engeln bedient; das Gegenstück, H. 11 Z., Br. 14 Z. 11 L. Die ersten Abdrücke haben F. Langlois und die zweiten Mariette’s Adresse.

  6. Die heil. Familie mit der Palme, 1650. H. 10 Z. 0 L., Br. 6 Z. 10 L. Die zweiten Abdrücke haben am Steine die Schrift: L. de la Hyre in. et scp. Com. pr. Regis 1630, in den ersten. fehlt sie noch.

  7. Die heil. Jungfrau mit dem Kinde auf dem Kissen, nach dem Bilde im Musée royal. H. 5 Z. 5 L., Br. 7 Z. 6 L.

  8. Die heil. Jungfrau mit den Engeln, welche dem Kinde das Symbol der Erlösung bringen, 1630. H. 10 Z. 9 L., Br. 8 Z. 10 L. Die ersten Abdrücke haben nach dem Namen des Ste- chers die Worte: Cum Privilegio Regis noch nicht, wie die zweiten, und die dritten haben Weyen’s Adresse,

  9. Die heil. Jungfrau mit dem Kinde, dem Johannes den Fuß küsst; 1640. H. 6 Z. 6 L., Br. 10 Z.

  10. Christus am Kreuze mit Johannes und zwei Frauen, 1630. H.

  11. Die Kreuzabnehmung. H. 10 Z. 10 L., Br. 7 Z. 10 L.

  12. Der Leichnam des Herrn vor dem Eingange zum Grabe lie- gend, 1648. H. 6 Z. 3 L., Br. 0 Z. 90 L.

  13. Die Schmerzensmutter, das Gegenstück, 1648. H. 6 Z. 4 L., Br. 90 Z. 6 L.

  14. St. Peter mit den Schlüsseln, H. 4 Z. 4 L., Br. 3 Z. 2 L.

  15. St. Paul, der Pendant; in gleicher Grösse.

  16. Die Bekehrung des Saulus, 1637. H. 15 Z. 1 L., Br. 410 Z. 10 L. Die ersten Abdrücke sind ohne Weyen’s Adresse, die zweiten mit derselben, auf den Dritten ist sie ausgekratzt.

  17. Amor mit dem Portraite.

  18. Der Satyr mit zwei Kindern.

  19. Die drei Kinder.

  20. Die vier Kinder. — En i Dieses sind vier Bacchanale. H. 2 Z. 6 L., Br. 3 Z. 8 L.

  21. Narciss mit dem Hunde, H. 2 Z. 8 L., Br. 4 Z. 2 L.

  22. Diana mit dem Hunde zu den Füßen, im Walde, das Ge- genstück,

  23. Apollo und Coronis. H. 6 Z., Br. 8 Z. 0 L. Mit und ohne de Poilly’s Adresse,

  24. Apollo und Clytia. H. 6 Z., Br. 8 Z. 10 L. Ebenso.

  25. Venus und Adonis. H. 6 Z. 6 L.; Br. 9 Z. 1 L. Ohne und mit Poilly’s Adresse.

  26. Die Strafe des Marsyas. H. 6 Z. 1 L., Br. 8 Z. 11 L.

  27. Die römische Charitas, H. 9 Z. 4 L., Br. 6 Z.

  28. Der Fluss im Walde, H. 2 Z. 10 L., Br. 4 Z. 4 L.

  29. Die Statue am Teich, 1640.

  30. Der verdorrte Baum am Wasser,

  31. Der Mann mit der Gerte am verdorrten Baum, 1640.

  32. Die Fernsicht, mit einer Baumgruppe im Vorgrunde,

  33. Gebirgslandschaft mit von Bäumen bewachsenen Felsen, 1640.

  34. Der Sarcophag im Schatten der Bäume, Diese 6 Blätter sind nicht numerirt. H. 3 Z. 7 L. — 4 Z. 4 L., Br. 4 Z. 9 L. — 5 Z. 0 L. Die ersten Abdrücke tragen Weyen’s Adresse; auf der zweiten ist sie vertilgt.

  35. Die Niederlage der Engländer, auf der Insel de Rœ, Allegorie

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