Hier, in der alten Noris

Hier, in der alten Noris, welche Stadt ihn vor allen andern besonders anzog, ging dem Künstler ein neues Leben auf. Zahllose Denkmäler der deutschen Vorzeit sahen auf ihn, der Kunstsinn vermögender Bürger erweiterte seinen praktischen Wirkungskreis, und dazu kamen noch die vielen städtischen Restaurationen der Kirchen St. Sebald, St. Lorenz, St. Jakob, St. Egydien; der heiligen Geist, der Frauen, und St. Martha-Kirche. Auch viele altdeutsche Bauten sind von seiner Angabe.

Der mittlerweile immer weiter dringende Künstlerruf Heideloff’s brachte nun viele Aufträge und Bestellungen ein, und unter den mehrfachen Beweisen eines solchen Vertrauens zählen wir hier nur die unserm Künstler von dem erhabenen Kenner und Befürworter der Kunst, dem König Ludwig von Bayern übertragene Restauration des berühmten Kaiser-Domes zu Bamberg , der Moitz-Kapelle zu Nürnberg , welche zu einer Galerie altdeutscher Gemälde eingerichtet wurde, und die königliche Burg, welche von dem König und der Königinn zu ihrem Absteig-Quartier er- wählt, durch Heideloff in der kurzen Zeit von vier Wochen, zum Erstaunen Aller, ganz im alten Style, getreu übereinstimmend mit dem Ganzen, zur würdigen Aufnahme der allerhöchsten Gäste hergerichtet wurde. Erwägt man, dass das Herausreissen alter Einrichtungen, das Wegschaffen der Gemälde, Modelle, etc. der Kunstschule, von jener gegebenen Zeit wieder zwölf Tage wegnahm, so bleibt die, in jeder Hinsicht zur allerhöchsten Zufriedenheit gelöste Aufgabe ein Triumph

des gewandten, erfindungsreichen Künstlers, der selbst an dem ‚Unmöglichen‘ nicht verzagend, alle Schwierigkeiten zu besiegen weiß.

In den Jahren 1824–26 fand endlich Heideloff Gelegenheit, die früher aufgegebenen Kunstreisen auszuführen. Er folgte den alten deutschen Denkmälern, und so waren Norddeutschland, die Nieder- lande, die Normandie u. s. w. sein Reiseziel, welches ihm Gele- genheit zu lehrreichen Sammlungen und Vergleichungen, zu in- teressanten Bekanntschaften mit den vorzüglichsten Meistern seiner Kunst gab. Bereichert an Ideen und Erfahrungen, kehrte er nach Nürnberg zurück, wo er jetzt die künstlerischen Resultate seiner Reisen bei der polytechnischen Schule, die sich seines kräftigen Einwirkens zu erfreuen hat, in Anwendung bringt.

Verehrt von seinen Schülern, geschätzt von den vorgesetzten Behörden, geachtet bei seinen Mitbürgern, vorzüglich um seines biederen Charakters willen, der sich in Dienstfertigkeit und Gefäll- igkeit gegen Jedermann ausspricht, lebt Heideloff dem höheren Zwecke der Kunst. Er wurde aber auch nicht selten als Diener einer gewissen Philisterin gebraucht, die Heideloff’s gesundes Urteil zwar alsbald erkennt, seine natürliche Gutmüthigkeit aber nicht abweisen kann;

Ueberhaupt ist seine dermalige Stellung, für ein mehr produktives Genie und Talent nicht die günstigste, denn ihm fehlt der Stoff, der zum höheren Glanze des Meisters führt, ihm fehlt die Unabhängigkeit, welche die lange geschlummerte Kraft mit verdoppelter Stärke erwachen läßt, die Freiheit, in welcher ein Künstler dieses Gepräges die Schwungkraft seiner Phantasie ungehemmt er- proben kann.

Einseitig fortbewegt von dem Einerlei seines Tagewerks, dringt Heideloff’s gegenwärtiges Verhältniss seinen wahren Freunden den Wunsch auf, es möge dieser blüthenreiche Stamm ein Erdreich zur Reife der Vollendung finden.

Heideloff lieferte früher mehrere Gemälde in Öl, von denen ein ziemlich grosses Bild im Besitz des Königs von Würtemberg ist, welches Kaiser Maximilian I. vorstellt, wie er das Grab sei- nes Onkels, des Herzogs Eberhardt I. in dem von ihm gestifteten Kloster Einsiedel im Schönbuch besucht. Ein Gemälde für den Grafen Fries in Wien, nach Schiller’s Ballade „Ritter Toggenburg“; die grossen Gemälde für den Orangerie-Saal zu Ansbach, u. a. m., sind ebenfalls schöne Proben eines trefflichen Talentes in diesem Fache der Kunst.

Die meisten Arbeiten, ebenfalls aus früherer Zeit, waren über 200 Zeichnungen zu Kupfern für die Taschenbücher: Cornelia’s Schweizer-Alpenrosen, Rheinisches Taschenbuch, Damen Taschen- buch u. a. m.; auch zu Schulze’s Bildersaal lieferte er für die drei letzten Bände die Zeichnungen, aber der Verdruss über die verunglückten Stiche, welche die meisten seiner Zeichnungen er- fahren mussten, hat ihn veranlasst, das Zeichnen für Stecher auf- zugeben.

Die meisten seiner grösseren Zeichnungen sind im Privatbesitze; der König von Preussen besitzt deren verschiedene von dem Klo- ster Heilsbronn, das Markgrafen-Fenster in der St. Sebalds-Kirche zu Nürnberg auf 10 grossen Imperial-Blättern, auch den berühm- ten markgräflichen Schwanen-Orden, von Heideloff gezeichnet, und dann in Gold nach der Natur ausgeführt.

Zeichnungen zu Dekorationen, Costumes etc. für Theater, und Festins, als Heideloff’s Hauptfach, nehmen denn auch die Zeit des darin viel beschäftigten Künstlers beständig in Anspruch, und für

Heideloff, Carl Alexander. 55

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