Hetsch, Philipp Friedrich von

Hetsch, Philipp Friedrich von, Historienmaler zu Stuttgart , geboren daselbst 1758 oder 1760, wie man auch angegeben findet. Er erhielt seine Bildung auf der hohen Carlsschule, und Guibal war sein Lehrer in der Kunst, bis er als Pensionär des Herzogs in Rom seine Studien fortsetzen konnte. Hier führte er ein allegorisches Bild aus, die Freigebigkeit vorstellend, wie sie das Genie belohnt, und dieses Gemälde schickte er als Zeichen seiner Dankbarkeit mit einem anderen, welches die Tullia vor dem Leichnam ihres Vaters schildert, an seinen Fürsten. Beide Gemälde fanden grossen Beifall und besonders letzteres. Man rühmte die Composition, den Ausdruck der Figuren und den Schmelz der Farbe. In Göthe’s Winckelmann S. 320 gesteht man ihm schon damals das Verdienst eines gewandten Pinsels zu, und der Künstler bewies auch in der Folgezeit bei verschiedenen Gelegenheiten, dass er die Würde der Kunst erkannt und es redlich mit ihr gemeint habe. Das erstemal blieb Hetsch nur zwei ein halbes Jahr in Rom, und war er bereits wieder im Vaterlande. Nach einer Zeit ging er wieder nach Italien , wo damals in Rom durch

Carstens schon ein reineres Streben begann. In Rom malte er 1706 den Herzog Ludwig Eugen von Würtemberg zu Pferde, ein Bild, das in dem damals bestehenden Journal „für bildende Künste ge- rühmt wird. Bald darauf wurde Hetsch Professor und Hofmaler zu Stuttgart, und erhielt er die Stelle eines Galleriedirektors. Zu Anfang unsers Jahrhunderts brachte er das durch Freüdhof’s Schwarzkunstblatt bekannte Gemälde, das Paris und Helena vor- stellt, zur Ausstellung; und 1803 vollendete er in Rom ein 13 Fuss langes und 9 Schuh breites Ölgemälde des Oedip, der sich durch Theseus’ Vermittlung mit seinen Töchtern aussöhnt. An dieses Gemälde legte auch die Kritik ihren Maßstab. Sie fand den Theseus zu jung, ohne Leben, und Oedip trug ihr zu wenig das Ge- präge der ausgestandenen Leiden; doch entzückte die Gruppe, die er mit seinen Töchtern bildet. Besonders gefiel ein früheres Bild, welches den Tod des Papirius darstellt, und dieses Gemälde hat Professor Leybold gestochen. In Wieland’s deutschem Merkur von 1803 und 1807 werden zwei Bilder gerühmt, von denen das ältere St. Cäcilia vorstellt, wie sie den Harmonien des Himmels zuhorcht, und das zweite, Odins Höllenfahrt, wurde in einem Zimmer des Schlosses zu Stuttgart aufgestellt. Für ein früheres Gemälde, welches den Abschied des Regulus vorstellt, gab ihm der König eine goldene Dose mit 200 Dukaten, und als eines sei- ner schönsten früheren Werke erklärte man den Abschied des Bru- tus von der geliebten Portia. Dieses Bild malte Hetsch in Paris, wo sich der Künstler um 1808 mit den aufgehäuften Kunstschätzen Europa’s befreundete. In Paris malte er aus Auftrag des Königs ein großes Altarblatt mit der Auferstehung Christi. Im Jahre 1810 ging der Künstler wieder nach Stuttgart, und hier war fortan der Schauplatz seiner Kunst. Man sah von Zeit zu Zeit meister- hafte Familiengruppen, und 1813 wurde auch ein historisches Bild gerühmt, die gewaltsame Wegnahme des Astyanax vorstellend. Drei Jahre darnach erschien sein Marius auf den Ruinen von Car- thago. Hetsch malte indessen nicht Historien und Porträts allein; er verdient auch als Landschaftsmaler Lob. Mehrere seiner schön- sten historischen Bilder befinden sich im königlichen Schlosse zu Stuttgart, wie seine Tullia, Oedip, Regulus, Daniel in der Löwen- burg, Odin, der die Zauberin aus tausendjährigem Schlafe erweckt, Brutus und Portia. Seit mehreren Jahren hat der Künstler nichts mehr gemalt, indem er sich auch von der Welt zurückzog. Viele von seinen Bildern zeichnen sich durch Einfachheit der Kompo- sition und durch edlen Stil aus. Auch wusste er seinen Figuren charakteristischen Ausdruck zu verleihen, und dabei hatte er in der Technik ungemeine Sicherheit. Nur ist er nicht von der Ma- nier und dem Farbeneffekt der französischen Schule ganz fern geblieben.

Er wurde schon früh mit dem württembergischen Civilverdienst- orden geschmückt.

Von ihm ist wohl auch folgendes Blatt, das im Frauenholz’schen Catalog unter dem Namen Hetseh aufgeführt ist: Die Findung Mosis. H. 10 Z., Br. 81 Z.

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