Hess, Ludwig

Hess, Ludwig, Landschaftsmaler und Kupferstecher , geboren zu Zürich 1760, gestorben 1800. Schon frühe entwickelte sich das angeborene Kunsttalent; denn er zeichnete ohne fremden Antrieb mit Eifer nach (obgleich kleinen und schlechten) Kupferstichen, und selbst, als er dem Fleischerberufe seines Vaters folgen müsste, konnte er diesem Drange nicht widerstehen, sondern zeichnete auf seinen Rückschied auf’s Land zum Einkaufe des Viehes immer auch zugleich nach der Natur, erklimmte kühn die Gipfel der steilsten Gebirge, ging Felsenhöhlen und Wasserfällen nach, stieg in schauervolle Abgründe hinab, um Alles, was die große Natur

Schönes und Herrliches hat, genau zu erforschen. Auch nahm er oft Köpfe von Rindern, Schafen oder Ziegen mit nach Hause, um sie zu kopieren. Bald wurden seine Arbeiten gesucht und ver- schafften ihm Gewinn und persönliche Freiheit, so dass er seine Zeit beinahe ganz für die Kunst verwenden konnte. Um diese Zeit war ihm Gessner’s belehrender Umgang wichtig; auch Bod- mer und Lavater huldigten seinem Talente. Er unternahm von jetzt an malerische Wanderungen, und machte später eine Reise nach Rom . Schon vorher hatten seine Bilder durch einfache stille Grösse angezogen, aber nach dieser Zeit wehte ein höherer edler Geist in seinen Darstellungen, grössere Eleganz zeigte sich in allen Formen und Massen; sein sonst durch himmelansteigende Gebirge geschlossener Horizont wurde nun erweitert, und die Aussicht öffnete sich in ein reiches milderes Klima, nur durch den weiten Ocean oder durch ferne sanfte Hügel begrenzt. Was einen Hauptvorzug vor allen Landschaftsmalern seines Vaterlan- des ausmacht, ist sein Talent in Darstellung der hohen Alpen- massen, ja selbst der Schnee- und Eisgebirge. Diese Riesenge- stalten der Urwelt hat gewiss noch kein Maler so in aller ihrer Kraft und Schönheit auf die Leinwand überzutragen verstanden, wie Hess. Durch seine Gemälde lernt man erst diese in der Wirk- lichkeit dem ungeübten Auge zu überschwenglichen Gegenstände fassen und begreifen, ohne darum eine kleinere Vorstellung von ihnen zu bekommen. Den, getreu nach der Natur verfertigten, Bildern weiss er durch die Auswahl des schicklichsten Standpunk- tes, der interessantesten Tages und Jahreszeit und der wirksam- sten Beleuchtung einen Reiz und eine Kraft mitzutheilen, die sie zu bedeutsamen Idealbildern erhebt. Die charakteristische Form und Farbe der Bergmassen, das saftige, feuchte, duftende Grün der Alpenwiesen, die mannichfaltigen Abstufungen der immer rau- heren und höheren Gegenden, bis zu den kahlen, von der Zeit und den Elementen in verschiedene Klüfte und Brocken zerspalteten, übereinander geschichteten Felsen und Klippen, bis in die Regio- nen des ewigen Schnees und Eises hinauf, weiss sein Pinsel natur- historisch, wahr und treu darzustellen.

Sein Fleiss umfasst alle Theile seines Werkes mit gleicher Liebe, durch Reinheit des Pinsels und Farbenauftrages und durch rüh- rige Klarheit das Auge bezaubernd. Ausser der grossen Zahl von Oelgemälden hat man noch eine grosse Anzahl von Zeichnungen, halb in Pastell, halb in Gouache, auf graulich-grünem Papier, die er mit der grössten Sicherheit und Fertigkeit vollendete. Die Berggegenden besonders erhalten durch die geistreiche, diesem Künstler durchaus eigene, Art der Zeichnung gerade jenen roman- tischen, zugleich ernsthaften und reizenden Charakter, den sie in der Wirklichkeit haben. Von dieser Art Zeichnungen ging Hess zu völligen Gouachegemälden mit deckenden Farben über, die von manchen noch den Oelgemälden vorgezogen werden. In den zwei letzten Jahren seines Lebens ätzte er auch in Kupfer, und verfertigte gegen 80 kleinere und grössere Kupferplatten, theils in Aquatinta, theils mit der Nadel vollendet, welche, etwa ein hal- bes Dutzend Probestücke ausgenommen, die er selbst sogleich wieder vernichtete, eine reichhaltige Sammlung von schönen Präs- pekten und Compositionen bilden. Lips hat Hessens Bild als Vignette und Hegi eines seiner gelungensten Oelgemälde, die Alpenfahrt der Hirten im Frühling vorstellend, in Aquatinta-Ma- nier geliefert. Von diesem Blatte sind theils braune, theils colori- rte Abdrücke vorhanden.

Nagler’s Künstler-Lex. VI, Bd. 10

Der Artikel über diesen Künstler ist in Füssly’s Supplementen zum Künstler-Lexicon einer der weitläufigsten. Mayer hat 1800 sein Leben beschrieben, und seine Blätter verzeichnet, doch ist das Werk dort nicht so vollständig, wie in R. Weigel’s Catalog der Sammlung des Dekan Yeith und nach diesem Verzeichnisse geben auch wir das Unsere.

1–6) Gebirgslandschaften aus der italienischen Schweiz, 1704, qu. 4. 7–14) Sechs Blätter zum Helvet. Revolutions-Almanach 1700. 1800. (Montblanc, die Jungfrau, Tellskapelle, Kirsiten, Grülli, Gersau), gr. 8.

  1. Tempel der Minerva Medica, qu. 8.
  2. Cascatelle zu Tivoli, qu. 8. Beide zu F. Brun’s Reisen.

15–17) Drei Landschaften mit Hirten und Vieh, gr. qu. 8. 18) Ansicht am Zugersee, im ersten Drucke vor der Schrift, gr. 4.

  1. Aussicht auf dem Klausenberg, gr. 4.

  2. Ansicht am Lauiser See, vor und mit der Schrift, gr. 4.

  3. Ansicht im Calankerthal, gr. 4.

  4. Ansicht an der Linth, vor und mit der Schrift, gr. 4.

  5. Ansicht im Ruplattenthal, vor und mit der Schrift, gr. 4. Diese sechs Blätter gehören zu dem Buche von C. Frass, sechs radirte Naturprospekte. Zürich 1800. fol.

  6. Ansicht am Clauthalersee, mit dem Zuge der Russen, 1800, qu. fol.

  7. Bommerstein, fast nur Contour, zum Illuminiren bestimmt, fol.

  8. Der Rigiberg, qu. 8.

  9. Dübelstein, qu. 8. Beide ohne Namen und sehr selten, da die Platte nach wenigen Abdrücken abgeschliffen wurde.

  10. Rückzug der Franzosen mit Beute. Ohne Namen, qu. 8. Selten, M K.

  11. Dieselbe Vorstellung mit Veränderungen u. qu. 12. Ohne Na- men, sehr selten.

  12. Fischerhütten am Vierwaldstättersee, mit einem Fischer im Kahn. Ohne Namen qu. 8. Sehr selten, da die Platte abge- schliffen wurde.

  13. Landschaft mit einem Wege, der über die Brücke nach einer von Bäumen umgebenen Hütte führt. Ohne Namen und sehr selten, da die Platte nach wenig Abdrücken abgeschliffen wurde. 8.

Blätter in Aquatinta,

32–35) Vier Blätter Tierstudien: Gemsen; Ziegen und Schafe; Widderkopf; zwei Hunde, qu. 8.

  1. Ziege, Schaf und Zicklein in einer Einfassung, mit dem MZeichen H., qu. 12. Sehr selten.

  2. Ein Ochsenkopf 1708. Röthlich und braun gedruckt. 8.

  3. Die liegende Kuh 1708. Auf gleiche Weise gedruckt, qu. 8.

39–42) Vier Blätter helvetische Bauern: Schwarzwälder, Minringer, Luzerner und Freyburger 1708, kl. 4. Letztere sind braun und schwarz gedruckt.

43–46) Vier Blätter Schweizer-Häuser zum helvetischen Almanach, qu. 12.

  1. Schweizer-Landschaft mit Mühle; links ein Steg, in Crayon- zeichnung, qu. 8. Einige Exemplare hat der Meister selbst

  2. Dieselbe Landschaft mit einigen Verschiedenheiten, in Aqua-

Hess, Johann Michael. * 147

tinta, qu. 8. Sehr selten, da die Platte abgeschliffen wurde.

  1. Waldparthie mit Anglern und Wasserfall, ein Mädchen sitzt

1]mlie!:' Gestemm 1708, gr. 8. Es sind Exemplare mit Färben ge- öht,

50—56) Sechs Blätter Landschaftscompositionen in schweizerischem

und italienischem Styl, 1798, gr. 4. Es gibt braune und gelbliche Drücke, n } ‘ ;

57—63) Sechs Blätter Gegenden von Iser, der Gotthard-Strasse, am Ranft, unweit Visp bei Ugogea, am Zugersee, 1700, qu. 4. Hauptfolge. Von der Gegend bei Visp gibt es Abdrücke vor und mit der Schrift, ; ;

  1. Die Fischerhütte. am Vierwaldstätter-See 1798, gr. fol.

  2. Italienische Villa am See; rechts ein Boot, qu. 8. Selten,

  3. Italienisches Weinhaus, links ein Quell, qu. 8. Selten,

  4. Italienisches Bauwerk mit Bercola, darunter ein Mann, qu.

  1. Sehr selten; die Platte wurde abgeschliffen,
  1. Ansicht bei Vals im Medelserthal in Bündten, mit Räuberüber- fall, qu. fol.‘ . , „

  2. Ein Bergdorf in der italienischen Schweiz, vor Hirten und Vieh, qu. fol.

  3. Waldparthie mit der Aussicht auf einen See, im Vorgrund Jäger und Mädchen am Brunnen, qu. fol. . ‘

  4. Aussicht aufs mittelländische Meer von der Höhe bei Genzano, im Vorgrund Hirt und Hirtinnen bei der kleinen Heerde, 1708, gr. fol. Im ersten und einzigen Abdruck, vom ‘Meister selbst gezogen, ehe die Platte von Lips vollendet wurde, steht un- ten links: 1795 in Oel gemalt, geätzt 1708 von L. Hess. Die- ser Abdruck war in der Sammlung des Dekan Veith. Auf den

' . zweiten Abdrücken liest man: Ludwig Hess fec. qu. fol.

  1. Die Villa Pliniana , qu. fol. ‚

  2. Landschaft am Luganer- See, mit tanzenden Bauern, qu. fol.

  3. Der Bergsee auf Oberplegiklp, qu. fol. „

  4. Der Fall der Aar auf dem Grimsel 1708, qu. fol.

' Diese vier Blätter bilden eine Capitalfolge.

  1. Die Auswanderer aus den Alpen, qu. fol.

  2. Die Plünderung und Frohnarbeit 1799, qu. fol. Diese Blätter waren zur Unterstützung der Kriegsbeschädigten bestimmt.,

  3. Die auswandernde Familie noch einmal von der Gegenenseite, Decan Veith. hatte ein Exemplar im Contour, bezeichnet: L. Hess fec. Xbre 1700 , qu. fol. Äusserst selten,

  4. Ansicht des Rheinsprung und der St. Martinskirche zu Basel

1818 , zart radirt, qu. 8. ‘

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